Praxisleitfaden für Nahestehende
Eine kurze Praxishilfe für Nahestehende dazu, was trauernde Eltern als unterstützend erleben und was eher zusätzlich belasten kann.
Wenn ein Kind lebenslimitierend erkrankt ist, stirbt oder gestorben ist, verändert sich auch das Leben von Menschen, die der Familie nahestehen. Grosseltern, Gotte und Götti, Freundinnen und Freunde oder Nachbarinnen und Nachbarn möchten oft helfen und sind zugleich selbst betroffen. Hier finden Sie Erfahrungen von Nahestehenden, die eine Familie begleitet haben. Sie erzählen, was sie selbst erlebt hat, was in der Begleitung möglich war und wo sie an Grenzen gestossen sind.
Links & Downloads
Wenn Sie eine betroffene Familie begleiten, entstehen oft konkrete Fragen. Was können Sie sagen oder tun? Wie können Sie im Alltag unterstützen? Und welche Angebote gibt es für die Familie oder für Sie selbst? Diese Sammlung enthält ausgewählte Links, Dokumente und Checklisten für Nahestehende.
Eine kurze Praxishilfe für Nahestehende dazu, was trauernde Eltern als unterstützend erleben und was eher zusätzlich belasten kann.
Wie Nahestehende betroffene Familien unterstützen können und welche eigenen Belastungen sie dabei erleben.
Was über die Bedeutung emotionaler, praktischer und informationeller Unterstützung nach dem Tod eines Kindes bekannt ist.
Was die Forschung über Gespräche innerhalb der Familie, mit Fachpersonen und mit dem Umfeld rund um den Tod zeigt.
Was die Forschung über Verlauf, Belastungen und Unterstützung nach dem Tod eines Kindes zeigt.
Themen
Diese Themen entstehen aus Gesprächen mit Nahestehenden. Sie greifen Fragen und Erfahrungen auf, die in ihren Geschichten zur Sprache kommen, und führen ähnliche Erfahrungen aus verschiedenen Geschichten zusammen. Dabei geht es sowohl um die eigene Betroffenheit als auch um die Frage, wie eine Familie begleitet und unterstützt werden kann. So können Sie gezielt zu einem Thema einsteigen, das Sie gerade beschäftigt.
Der Prozess des Erhaltens der Diagnose und deren emotionale sowie kognitive Verarbeitung.
Der Einstieg in den Behandlungsprozess und die ersten Schritte der medizinischen Versorgung.
Die Bewältigung des Alltags unter den aussergewöhnlichen Bedingungen einer lebensbedrohlichen Krankheit.
Der Umgang mit der fundamentalen Unsicherheit über Krankheitsverlauf und Zukunft.
Das Wahrnehmen und Akzeptieren, dass das Ende des Lebens bevorsteht.
Kritische Entscheidungen über medizinische Massnahmen und Sterbebegleitung.
6 von insgesamt 76 Themen
Zitate
Manchmal bringt ein Satz auf den Punkt, was sich sonst kaum beschreiben lässt. Diese Zitate stammen aus Gesprächen mit Nahestehenden und geben einzelne Gedanken und Erfahrungen aus ihren Geschichten wieder. Sie können die Zitate nach Themen filtern und so unterschiedliche Perspektiven auf eine Frage oder Situation entdecken. Wenn Sie ein Zitat öffnen, erfahren Sie mehr über den Zusammenhang und die Geschichte, aus der es stammt.
“Ich bin Bruno. Ich habe drei Brüder, und ich bin der Jüngste von ihnen. Es gibt den Ältesten, dann den Zweitältesten, das ist der Vater von Launora, also Mäthu. Und dann noch der zweitjüngste Bruder, der älter ist als ich. Ich habe Mutter und Vater. Der Vater wohnt im Emmental, in einem Bauernhaus, das wir schon relativ früh von ihm übernommen haben. Dort ist eigentlich auch alles passiert, dort hat Launora gewohnt und ich habe mit ihnen zusammengelebt.”
Bruno
“Bereits einige Zeit zuvor, ich glaube fast drei Monate lang, hatte Launora stark an Gewicht verloren, ohne dass man die Ursache kannte. Das begann bei uns langsam Stressgefühle auszulösen. Schliesslich kam sie ins Spital. Der Umzug nach Raufli wäre unabhängig davon ohnehin passiert, hatte also keinen direkten Zusammenhang.”
Bruno
“Als Mäthu mir das erste Mal davon erzählt hat, ist es bei mir noch nicht richtig angekommen. Ich habe irgendwie gedacht, ja, okay, schauen wir mal. Es war noch nicht ganz klar, obwohl er es mir eigentlich schon gesagt hatte. Am nächsten Tag haben die Ärzte es dann nochmals bestätigt. Ja und irgendwann hat Mäthu dann im Gruppenchat geschrieben, dass Krebs festgestellt worden ist. ALL, also Leukämie. Ich habe das gelesen, aber irgendwie ist es nicht richtig bei mir angekommen.”
Bruno
“Ich war gerade am Arbeiten, habe die Nachricht gelesen, und plötzlich ist es einfach angekommen. So richtig. Ich habe kurz innegehalten und gedacht, das kann doch nicht sein. Ich habe dann meinem Lehrmeister gesagt: «Scheisse, mein Götti-Mädchen, das Mädchen hat Krebs. Ich glaube, es wäre gut, wenn ich jetzt gehe.» Ich habe mein Zeug gepackt und bin gegangen.”
Bruno
“Ich habe gemerkt, Scheisse, ich darf jetzt nicht einfach losheulen, das geht nicht. Wir haben beide gesagt, nein, das kann nicht stimmen. Ich bin zu ihm gegangen, und dann haben wir zuerst einmal eine geraucht – er auch. Ich bin ich wieder zurück, habe meinem Lehrmeister Bescheid gesagt und bin nach Hause gegangen. Ja, es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Ich kann gar nicht erklären, wie sich das anfühlt.”
Bruno
Geschichten
Nahestehende erzählen von ihrer Beziehung zum Kind und davon, wie sie Krankheit, Sterben, Tod und Trauer aus ihrer eigenen Perspektive erlebt haben. Sie berichten auch davon, wie sie die betroffene Familie begleitet haben und was diese Zeit mit ihnen selbst gemacht hat. Manche Geschichten werden von einer Person erzählt, andere von mehreren Menschen. Jede Geschichte lässt sich im Ganzen lesen. In den Geschichten finden Sie auch den Zusammenhang hinter vielen Themen und Zitaten dieser Seite. Gemeinsam zeigen sie, wie unterschiedlich Nahestehende ihre eigene Betroffenheit und ihre Rolle an der Seite einer Familie erleben.
Esther erzählt
Esther erzählt als Freundin der Familie von der gemeinsamen Anfangszeit mit Till, von wachsender Freundschaft, fachlicher Nähe, grosser Ungewissheit und berührenden Momenten an der Grenze zwischen Hoffnung und Abschied.
Bruno erzählt
Onkel Bruno erzählt, wie der Einzug von Launora und ihrem Vater ins Elternhaus zur gemeinsamen Hoffnung wird – und wie sich diese Zeit mit der schweren Erkrankung von Launora grundlegend verändert.
Maurice erzählt
Ein Freund der Familie erzählt, wie die Diagnose von Valentina alles verändert und wie aus Kinderfreundschaft, Betroffenheit und Ohnmacht der Entschluss entsteht, die Familie auf ihrem schweren Weg zu begleiten.
Séverine erzählt
Freundin Séverine erzählt, wie ihre Familie Valentina und ihre Eltern durch Diagnose, Klinikalltag und Hoffnungsphasen begleitet – mit Offenheit, Kinderfragen, Tränen und vielen kleinen Alltagsgesten.