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  • Diagnose und Behandlungen
  • Das Ende wird absehbar
  • Zeit des Sterbens
  • Unmittelbar nach dem Tod
  • Mit der Trauer Leben
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Alexandra & Pamela,verwaiste Gottiserzählt

Die Geschichte von Tiia & Alia

In dieser Geschichte erzählen Alexandra und Pamela als verwaiste Gottis von Tiia und Alia – zwei Mädchen, deren Leben ganz unterschiedlich zu Ende gingen und doch tief miteinander verbunden sind. Tiia lebte mit einem Hirntumor, Schritt für Schritt wurde ihr Körper schwächer. Alia starb völlig unerwartet zu Hause beim Spielen, als sie an einem Luftballon erstickte. Alexandra und Pamela sprechen darüber, was es für sie bedeutet, Gotti zu sein: mehr als kleine Geschenke, vielmehr eine bewusste, liebevolle Beziehung, fast wie ein zweites Mami. Sie teilen, wie sie vom Tod ihrer Gottimeitli erfahren haben, was das in ihnen ausgelöst hat und wie sie an der Seite der Eltern bleiben. Diese Geschichte öffnet einen behutsamen Blick auf die oft übersehene Trauer von Gottis und Göttis, die ein Kind im Herzen tragen und es trotzdem gehen lassen mussten.

TodesumstandUnfall
Erzählt am7. November 2025
Gesamtlesezeitca. 41 min
Für wen?Nahestehende
TodesumstandUnfall
Erzählt am7. November 2025
Gesamtlesezeitca. 41 min

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Zeitabschnitt

Diagnose und Behandlungen

Lesezeit ca. 9 min
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Stephi: Schön, dass ihr wieder in die heutige Podcast-Folge hineinhört und mich auch sonst in meinen Folgen begleitet. Wenn ihr regelmässig hineinhört, wisst ihr, dass ich oft Themen anspreche, die mich persönlich beschäftigen. So ist es auch in der heutigen Folge. Ich war in diesem oder im letzten Jahr, ich weiss es nicht mehr genau, mit meinen Freundinnen essen. Bei diesem Essen hat es sich ganz natürlich ergeben, dass jede Einzelne mir erzählt hat, wie sie vom Tod von Alia erfahren hat und was das mit ihr gemacht hat. Für mich als betroffenes Mami und als Freundin war es sehr wertvoll, dass wir einmal richtig darüber sprechen konnten. Ich konnte hören, wie es bei ihnen angekommen ist. Ich war damals so mit mir selbst, mit meiner Trauer und meinen Emotionen beschäftigt, dass ich gar keinen Kopf für mein Umfeld hatte. Darum ist es mir wichtig, heute einen Podcast für die Angehörigen zu machen. Ich habe mir überlegt, Pamela einzuladen. Pamela ist das Gotti von Alia. Wie ihr alle wisst, ist Alia ganz plötzlich gestorben. Zu Hause, beim Spielen im Kinderzimmer. Sie hat einen Luftballon verschluckt und ist daran erstickt. Es war ein plötzlicher Tod, ein Tod, der ein kleines Mädchen einfach aus dem Leben gerissen hat. Damit wir auch noch eine andere Sicht von einer Angehörigen haben, bei der das Kind nicht plötzlich gestorben ist, habe ich Ale eingeladen. Ale ist das Gotti von Tia. Von Tia gibt es übrigens bereits eine Podcast-Folge bei mir, in der ihr Mami Simona erzählt, wie Tia gestorben ist. Tia hatte Krebs, einen Hirntumor. Schritt für Schritt, Tag für Tag hat der Krebs seine Spuren hinterlassen, und Tias Körper wurde immer schwächer, bis sie gestorben ist. Auch für mich wird vieles neu sein, was Pamela erzählen wird, denn auch ich weiss nicht alles. Sie holt mich nachher ab, und dann fahren wir zu Ale. Ich freue mich sehr auf das Gespräch und darauf, was die beiden uns erzählen werden. Liebe Ale, vielen Dank, dass wir heute bei dir sein dürfen. Es ist eine eher spezielle Podcast-Aufnahme, weil ich jemanden mitgebracht habe, nämlich Pamela. Im Intro habe ich schon ein wenig von euch beiden erzählt. Alle, die zuhören, wissen also, wer ihr seid. Eure Gottimeitli sind verstorben, und ihr seid heute bereit, eure Emotionen, eure Gedanken und eure Erfahrungen mit uns zu teilen. Das ist sehr wertvoll. Ich finde, eine solche Folge ist eigentlich längst fällig. Es ist nämlich so, dass Angehörige, Geschwister, Freundinnen und Freunde, Gottis und Göttis beim Verlust eines Kindes vor sehr viele Herausforderungen gestellt werden. Damit verbunden sind viele Erwartungen, die zum Teil überfordern können, zum Teil aber auch ganz selbstverständlich erfüllt werden. In der Vorbereitung auf die heutige Folge habe ich gegoogelt, was eine Patentante ist. Ich wollte einfach die Definition davon anschauen. Mehr oder weniger schreiben alle etwas Ähnliches. Den christlichen Teil habe ich weggelassen. Es steht dort, dass eine Patentante eine ganz besondere Person für das Kind ist, eine Bezugsperson. Oft ist es eine Freundin oder eine Verwandte. Sie hat keine gesetzlich festgelegten Pflichten, übernimmt aber typische Rollen. Sie hört dem Kind zu, unterstützt es bei Problemen, ist eine inspirierende Vertrauensperson, hilft bei wichtigen Entscheidungen und schenkt dem Kind Liebe und Zuwendung. Man kann eigentlich sagen, sie ist wie ein Mami, einfach ein bisschen cooler. Für mich fehlt aber etwas. Es steht nichts vom Tod darin. Es steht nicht, dass ein Gotti oder ein Götti jederzeit auch bereit sein sollte, ein Kind in den Tod zu begleiten oder den Eltern in schweren Zeiten zur Seite zu stehen. Wie ist das für euch? Fehlt euch das auch? Und wart ihr euch damals, als ihr das Amt als Gotti übernommen habt, bewusst, dass es auch so kommen kann, dass euer Gottimeitli stirbt?

Alexandra: Ich habe mir auch überlegt, was Gotti für mich bedeutet. Da bin ich wohl noch etwas altmodisch. Früher hiess es bei uns, wenn jemand dein Gotti ist, dann schaut diese Person für dich, falls wir Eltern einmal nicht mehr da sind. Für mich ist das immer noch so. Ich pflege diese Beziehung auch bewusst. Bei Tia wollte ich das genauso. Ich konnte die Beziehung zu ihr so pflegen, dass ich für sie, salopp gesagt, eine Art Ersatzmami war. Dazu gehört viel Zeit. Nicht nur kleine Geschenke zu Geburtstag, Weihnachten oder Ostern, sondern wirklich Beziehungspflege, gemeinsame Zeit und gemeinsame Erlebnisse. Dass ich sie in den Tod begleiten würde, habe ich mir natürlich nie überlegt. Ich wollte mir das auch nicht vorstellen. Aber es gehört trotzdem zum Leben. Mir ist bewusst, dass der Tod zum Leben gehört. Dass er auch zu einem Kind gehört, finde ich nach wie vor unverständlich. Leider ist es das Leben. Wir haben alle nur eines, und wann es endet, wissen wir alle nicht. Darauf kann man sich nicht wirklich vorbereiten.


Stephi: Hat das für dich dazugehört, Pamela, als du dieses Amt übernommen hast? Oder macht man sich darüber keine Gedanken?

Pamela: Ich habe mir überhaupt keine Gedanken darüber gemacht, was wäre, wenn mein Gottenkind, also Alia, stirbt. Gar keine. Ich habe mir aber Gedanken darüber gemacht, was wäre, wenn die Eltern sterben würden. Das ist für mich auch die Bedeutung einer Patentante. Ich möchte eine Bezugsperson für das Kind sein, die Beziehung von Anfang an pflegen und aufbauen, damit ich einspringen könnte, falls den Eltern einmal etwas zustösst oder sie zeitweise nicht für das Kind da sein können. Über das andere habe ich mir nie Gedanken gemacht. Nicht einen einzigen. Ich war mir dessen nicht bewusst.


Stephi: Das ist eigentlich schon faszinierend. Man übernimmt ein so wichtiges Amt, und dieser Gedanke ist nicht präsent.

Pamela: Gar nicht, ja.


Stephi: Dass ein Kind sterben könnte. Und es passiert doch häufiger, als wir alle denken.

Alexandra: Dass ein Kind vielleicht beeinträchtigt sein könnte, daran denkt man eher. Es ist ja auch nicht selbstverständlich, dass ein Kind gesund auf die Welt kommt. Aber dass es sterben wird, ist einem wirklich nicht bewusst, wenn man so etwas nicht erlebt hat.

Pamela: Es war generell nicht in meinem Bewusstsein, dass ein Kind sterben könnte. Auch nicht in meinem Umfeld. Vielleicht habe ich das auch ausgeblendet, bis es dann passiert ist.


Stephi: Ja, daran denkt man nicht. Ein Kind geht nach einem. Es geht nicht vor einem. Das entspricht nicht dem Lauf der Zeit. Wie habt ihr vom Tod eures Patenkindes erfahren? Bei dir, Ale, ist es natürlich noch einmal eine andere Geschichte. Bei dir kam es wahrscheinlich auch mitten in die Diagnose hinein. Ich weiss nicht, du darfst uns dort gerne hineinnehmen. Wie war es für dich? War bei der Diagnose schon klar, dass Tia sterben würde? Oder war das ein Prozess? Wie hast du davon erfahren? Und was hat das in dir ausgelöst?

Alexandra: Ja, ich habe nach und nach von diesem endgültigen Todesurteil erfahren. Zuerst war sie erkältet, und dann gingen sie zum Arzt, weil sie diese Beinschwäche hatte. Ich bin ja selbst in der Pflege, aber ich hätte nie an etwas so Schlimmes gedacht. Ich dachte immer, der Arzt sagte ja auch, sie sei etwas erkältet, und da könne es schon vorkommen, dass man geschwächt sei. Als es nicht besser wurde, gingen sie nochmals zum Arzt. Eine Hirnhautentzündung konnten sie ausschliessen, und das war für mich zuerst ein Aufatmen. Das stand für mich im Zusammenhang mit der Erkältung noch am ehesten im Raum. Ich dachte, jetzt könne ich einmal aufatmen und hoffen, dass es nichts Schlimmeres sei. Die Eltern liess es aber verständlicherweise nicht los. Sie sahen ja weiterhin diese Gangschwäche. Also gingen sie nochmals zum Arzt und danach ins Kispi. Ich war mit meinem Mann gerade schön am Abendessen, an einem ganz normalen Dienstag, glaube ich, als ich den Anruf meiner Schwester bekam. Sie sagte, sie seien im Kispi. Ich hatte nicht gewusst, dass sie nochmals zum Arzt gegangen waren. Sie sagte, sie hätten den CT-Befund und Tia habe einen Schatten im Kopf. Da war ich zuerst einmal sprachlos. Ich wusste wirklich nicht, was ich sagen sollte. Ich hatte eine sehr gefasste Schwester am Telefon. Sie war überhaupt nicht ausser sich. Sie hat es mir in diesem Sinn einfach mitgeteilt. Für mich war klar, dass wir den Abend abbrechen. Wir zahlten und gingen sofort. Sie waren ja im Kispi, und Liva, Tias Schwester, war bei meinen Eltern. Wir gingen zuerst zu meinen Eltern. Dann rief meine Schwester an und fragte, ob jemand zu ihnen kommen könne, und ich ging hin. Auch dort habe ich Tia nicht gesehen. Ich war nur vor dem Kispi und sprach mit Simona. Es war schon später, etwa halb zehn, bis ich dort war. Sie erzählte mir immer noch sehr gefasst davon. Wir merkten, dass wir traurig und geschockt waren, aber es war noch nicht angekommen, was das bedeutete. Man wusste ja auch noch nicht richtig, was es war. Trotzdem sagten sie bereits, dass ein MRI gemacht werden müsse. Es sei eine ernste Sache. Das wussten wir da schon. Danach ging es nach und nach weiter. Es musste noch eine Biopsie gemacht werden. Sie wussten schnell, dass es ein Tumor war, aber noch nicht, was für einer. Schon vor dieser Biopsie sagten sie jedoch, dass er ziemlich sicher bösartig sei und an einem Ort liege, an dem man nicht operieren könne. Er war ja im Hirnstamm. Ich weiss noch, wie wir auf das Ergebnis der Biopsie warteten. Sie sagten uns, es dauere maximal zehn Tage. Natürlich waren es zehn Tage, und es waren zehn lange Tage. Da erfuhren sie dann, dass es nicht heilbar ist, dass man es mit Bestrahlung hinauszögern kann, aber dass sie sterben wird. Bis dahin hatte ich immer noch einen Funken Hoffnung. Bitte, es soll nicht so sein. Aber es war dann halt so. Dann kommt man bereits in diesen Prozess hinein. Man sieht sie wieder und denkt, meine Güte, du musst die Welt verlassen.

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Zeitabschnitt

Das Ende wird absehbar

Lesezeit ca. 8 min
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Lesezeit ca. 8 min

Stephi: Mhm. Hat dich das in diesem Moment ohnmächtig gemacht? Oder hattest du das Gefühl, du müsstest jetzt stark sein für deine Schwester und handeln? Was macht das mit einem? Du bist ja nicht das Mami. Du bist in der Rolle daneben, als Patin, als Schwester.

Alexandra: Genau, ich habe in diesem Sinn sehr viele Rollen eingenommen. Ich hatte auch das Gefühl, ich müsse diese Rollen einnehmen. Ich bin das Gotti, ich bin die Schwester, ich bin die Schwägerin ihres Vaters. Zudem bin ich Ehefrau und Tochter der Grosseltern. Und ich war eben auch noch für die medizinische Beratung da. Ich hatte das Gefühl, auch das sei jetzt meine Aufgabe, oder zumindest die Begleitung im Medizinischen. Da habe ich schnell gemerkt, dass ich das nicht alles unter einen Hut bringe. Das hat mich ziemlich machtlos gemacht. Auch die letzte Zeit, also diese sieben Wochen, bis sie schliesslich gestorben ist, ist so schnell vergangen. Wir waren ja immer dort. Ich habe mein Arbeitspensum reduziert. Das war für mich von Anfang an klar. Ich wollte die Zeit mit ihr haben und nicht arbeiten. Trotzdem hat mir das Arbeiten gutgetan, um zwischendurch wieder an etwas anderes zu denken. Von den Gefühlen her war es ein Chaos. Man will das nicht, und doch ist es so. Ich bin die Schwester der Mutter und das Gotti des Kindes, das sterben wird. Das ist schon sehr anspruchsvoll.


Stephi: Ja, und du hast einen Prozess durchgemacht. Ihr habt die Diagnose bekommen. Danach konntet ihr diesen Prozess gemeinsam mit ihr durchlaufen. Ihr wusstet, dass sie daran sterben wird. Ihr konntet euch auch ein Stück weit verabschieden, Abschied nehmen, noch Zeit mit ihr verbringen und dir deiner Rolle bewusst werden. Das war bei dir aber ganz anders als bei Pamela oder bei Alia, in unserem Fall, wo es plötzlich passiert ist. Wie hast du vom Tod von Alia erfahren?

Pamela: Ich muss vielleicht vorausschicken, dass ich im selben Jahr im Frühling zum ersten Mal Mami geworden bin. Im Herbst ist dann Alia gestorben. An diesem Abend war ich im Rückbildungsturnen. Wir hatten dort das Handy abgegeben und mussten es in der Garderobe lassen. Ich machte die Stunde, und es war das letzte Mal Rückbildungsturnen. Wir hatten abgemacht, dass wir danach alle zusammen noch etwas trinken gehen. Als die Lektion fertig war, nahm ich mein Handy in die Hand und sah sehr viele Anrufe von meinem Mann. Ich rief ihn zurück, weil er wusste, dass wir danach noch etwas trinken gehen wollten. Er sagte nur, ich solle nach Hause kommen. Ich fragte, weshalb, und sagte, wir gingen doch noch etwas trinken, ich hätte ihm das doch gesagt. Dann sagte er, nein, Pamela, komm nach Hause. Ich fragte, was los sei. Da stieg zum ersten Mal Panik in mir hoch. Ich fragte, ob es allen gut gehe. Er sagte, er wolle es mir nicht am Telefon sagen, ich solle jetzt bitte nach Hause kommen. Dann war bei mir Panik da, weil ich an mein Baby dachte. Mein erster Gedanke war Lena. Ich sagte, er solle mir sagen, was los sei, ich halte es nicht aus, er müsse es mir jetzt sagen.


Stephi: Du hattest sie also nicht dabei bei der Rückbildung?

Pamela: Nein, sie war bei René zu Hause. Das ist ja schon eine Ablösung vom Baby. Bei mir war das zum ersten Mal beim Rückbildungsturnen. Das ist emotional. René sagte, es gehe Lena gut. Dann bin ich meine Familie durchgegangen und habe gesagt, er solle mir jetzt einfach sagen, was los sei. Dann sagte er, Alia sei gestorben. In diesem Moment war es wie ein Schock. Ich kann es nicht beschreiben. Ich stand völlig unter Schock und sagte nur noch nein. Meine Hebamme, die das Rückbildungsturnen leitete, übernahm dann. Sie sagte René am Telefon, sie schaue zu mir. René legte auf, und sie nahm mich in den Arm. Dann bin ich zusammengebrochen. Ich konnte es nicht glauben. Ich stand völlig unter Schock. Die Gruppe hat sehr gut reagiert. Jemand sagte, ich könne nicht mehr Auto fahren, und jemand werde mich mit meinem Auto nach Hause fahren. So hat mich jemand nach Hause gefahren. Als ich dort ankam, habe ich nicht mehr viele Erinnerungen. Ich wusste nur, dass ich zu Alias Familie wollte, also zu euch, Steffi. Das war für mich klar. Gleichzeitig wusste ich nicht, was ich mit meinem Baby machen sollte. Mein Baby schlief, und allein konnte ich nicht gehen. René musste mitkommen. Wir haben Lena wieder genommen, sie in den Maxi-Cosi gesetzt und sind zu euch gefahren. Es war eine völlige Überforderung. Der Wunsch, dieser innere Drang, war extrem stark. Ich wollte zu dir. Innerlich war ich ganz bei dir. Egal was war, ich musste einfach zu dir kommen. Gleichzeitig war ich mit der Situation völlig überfordert, auch weil ich noch ein Baby hatte. So war das bei mir. Und dazu kam dieser Schock. Das waren meine ersten Gefühle.


Stephi: Bei euch beiden kam also ein wenig dieser Impuls auf, zu helfen, da zu sein für das Mami, das jetzt sein Kind verloren hat, oder?

Alexandra: Mhm. Das war selbstverständlich. Das ist das Erste, was man anbieten kann. Man kann Zeit anbieten und unterstützen, wo immer es geht.

Pamela: Ja. Ich habe zwar meinen eigenen Schock wahrgenommen und gemerkt, was er mit mir gemacht hat. Aber mein Kopf und mein Herz haben sofort gesagt, dass ich jetzt für die Familie da sein muss. Sofort. Das stand über allem, auch über meinen eigenen Gefühlen.


Stephi: Und was heisst da sein für euch? Ich habe auch schon von Eltern gehört, die niemanden hatten, der gekommen ist, weil eine solche Situation schlicht überfordert. Es überfordert einen doch völlig, wenn man weiss, jetzt ist ein Kind gestorben, und dann steht man den Eltern gegenüber. Gerade in deinem Fall, Pamela, ist es ja plötzlich passiert. Du musst in die Wohnung gehen und weisst, da kommt jetzt eine Schwere auf mich zu. Da sind eine traurige Mami und ein trauriger Papi. Gehst du damit eigentlich in das Schlimmste hinein, was du dir vorstellen kannst?

Pamela: Diese Frage habe ich mir gar nicht gestellt. Ich hatte auch nicht den Drang, zu helfen. Gar nicht. Man kann in dieser Situation nicht helfen. Das ist einfach das Schlimmste oder etwas vom Schlimmsten, was passieren kann. Ich wollte einfach bei euch sein, weil ich dachte, das ist so schlimm. Ich muss einfach mit euch dort sein. Nicht helfen. Ich wusste, dass das nicht geht. Aber einfach da sein. Und ich musste dich sehen.


Stephi: Ja. Und bei dir war es aber schon auch ein wenig helfen, Ale, oder? Unterstützen in dieser Zeit des Krankheitsprozesses. Das ist es, oder? Ein Stück weit auch dort, wo du wirken konntest.

Alexandra: Ja, genau. Ich habe es auch so in Erinnerung. Ich bin damals mit meinem Mann bei ihnen eingezogen. Wir haben versucht, den Haushalt ein wenig aufrechtzuerhalten, schon nur mit den Mahlzeiten und einer gewissen Struktur. Das fiel uns sehr schwer, weil alle auf Halbmast liefen. Jeder funktionierte einfach. Den Haushalt so zu führen, wie man es sonst zu Hause macht, war kaum möglich. Man kam nicht vorwärts. Tia brauchte zunehmend mehr Unterstützung. Sie allein zu betreuen, war wirklich unmöglich. Sie war sehr frustriert, weil sie ihre Rückschritte bemerkte. Sie konnte es nicht sagen, aber sie zeigte es durch eine unglaubliche Unruhe. Helfen bedeutete in dieser Situation, rundherum abzudecken. Lea war zwar eine Zeit lang bei meinen Eltern, aber trotzdem musste man sie auch einmal holen oder mit Tia einen Ausflug machen. Ganz am Anfang ging das noch. Wir gingen noch in den Blättli-Zoo, zum Ponyreiten und solche Dinge. Das war noch möglich. Zwischendurch arbeitete ich auch. Sonst ging es auch darum, ein wenig zu koordinieren. Von allen Seiten kamen Angebote mit der Frage, was sie tun könnten. Und du hast schon recht, man kann nicht viel machen, ausser da zu sein. Das war wirklich wichtig. Aber zum Beispiel beim Kochen war es so, dass niemand Lust dazu hatte und man trotzdem etwas essen musste. Ich habe das dann ein wenig abgegeben und gesagt, die Leute könnten einen Auflauf oder etwas Ähnliches bringen, das man aufwärmen kann. So hatten wir wenigstens etwas zu essen, ohne Zeit fürs Kochen aufwenden zu müssen. Ich glaube, das war auch für das Umfeld hilfreich. Man muss ja nicht unbedingt für die anderen schauen, aber trotzdem wollen in einer solchen Situation alle helfen oder unterstützend wirken. Das ist sicher etwas, das alle tun können. Es gab auch viele Menschen, die den Kontakt eher gemieden haben, weil es einfach eine unangenehme Situation war.


Stephi: Gab es innerhalb der Familie oder im Bekanntenkreis Menschen, die den Kontakt gemieden haben?

Alexandra: Eher im Bekanntenkreis. In der Familie könnte ich das so nicht sagen. Aber im Bekanntenkreis gab es Menschen, die den Kontakt mieden und trotzdem Hilfe anbieten wollten. Manchmal haben sie einfach etwas vor die Tür gestellt. Und sie sind in dieser Zeit ja auch noch umgezogen. Sie hatten ein Haus gekauft, und ich habe zusammen mit meinem Mann den Umzug organisiert. Das hätte in dieser Zeit sicher nicht auch noch sein müssen. Trotzdem war es gut, dass wir es gemacht haben. Später wäre es ja nicht besser gewesen.

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Zeitabschnitt

Zeit des Sterbens

Lesezeit ca. 7 min
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Stephi: Warst du dabei, als sie gestorben ist?

Alexandra: Weil wir in diesem Sinn dort gewohnt haben, auch noch etwas über Tias Tod hinaus, war ich in der Nähe. Sie ist früh am Morgen gestorben. In den letzten paar Nächten, ich würde sagen etwa während einer Woche, war die Spitex noch involviert. Tia liess allerdings keine fremden Menschen mehr an sich heran. Ich würde sagen, in den letzten fünf bis sieben Tagen liess sie wirklich nur noch das Mami zu. Das war auch für alle rundherum sehr anspruchsvoll. Sie hat das wunderbar gemeistert. In der Nacht waren dann die Frauen von der Spitex da, um Tia ein wenig zu überwachen. Eine von ihnen kam uns am Morgen um vier Uhr wecken, natürlich zuerst die Eltern und danach uns, also mich. Mein Mann hatte am Open Air noch Nachtschicht. Er kam dann nach Hause. Die Spitex-Frau sagte, dass sich die Atmung verändere und es nicht mehr allzu lange dauern werde. Wir gingen dann noch einmal ins Zimmer, um Abschied zu nehmen, und redeten mit ihr. Sie war sehr entspannt, aber man sah, dass sie nicht mehr regelmässig atmete. Meine Schwester und ich schlafen gern. Wir sind noch einmal schlafen gegangen, weil wir es einfach nicht aushielten, dabei zuzusehen. Etwa eineinhalb Stunden später kam mein Mann nach Hause. Er dachte, er schaue einmal bei ihr hinein. Und dann machte sie ihren letzten Atemzug.


Stephi: Gerade wenn ein Kind einen so langen Sterbeprozess durchmacht und man in dieser Zeit auch sieht, dass es leidet, ist das ja auch ein Moment, in dem man sagen kann, sie hat es geschafft.

Alexandra: Ja. Ich kann bis heute sagen, dass es eine Erlösung war. Für sie in allererster Linie und auch für das Umfeld. Wenn ich daran zurückdenke, ist mir vor allem die letzte Woche am präsentesten, in der sie so leiden musste. Es war ein Prozess, wie wenn man altersbedingt stirbt. Man hat gesehen, wie sie sich in so kurzer Zeit stetig verschlechterte. Vom Laufen ging es ins Kriechen, dann ins Sitzen. Am Schluss konnte sie nicht einmal mehr richtig sitzen und nur noch liegen. Das auszuhalten, war sehr schlimm. Sie hatte dann schon Beruhigungsmedikamente, aber …


Stephi: Aber sie war nicht mehr die Tia, oder?

Alexandra: Genau. Sie hatte sich verändert.


Stephi: Sie war anders, ja.

Alexandra: Völlig verändert.


Stephi: Da finde ich den Unterschied sehr gross. In einem solchen Fall ist der Tod mehr oder weniger auch erlösend. Er ist schmerzhaft, und es ist furchtbar schlimm, dass sie gehen musste. Aber es ist eben auch, wie du es schön gesagt hast, für sie so, dass sie es dann geschafft hatte. Bei Alia war es so plötzlich, so überraschend, so einschneidend und so schwer zu glauben. Man muss zuerst überhaupt realisieren, was passiert ist.

Pamela: Ich finde auch, bei dir war es ja anders. Du konntest vorher sehr unterstützend sein. Du konntest vorher viel für die Familie tun. Dieser Teil kam bei Alia, denke ich, erst nachher. Bei dir war er vorher da, sicher auch nachher, ganz klar, aber vorher sehr intensiv.

Alexandra: Ja, das glaube ich auch. Im ganzen Trauerprozess ist man … Ich kann nicht sagen, man sei voraus, wenn man weiss, dass ein Kind sterben wird. Aber etwas beginnt schon und wird gleichzeitig immer wieder unterbrochen. Am Anfang begreift man es nur ganz wenig. Man denkt, das kann doch nicht sein, das stimmt nicht. Gleichzeitig erlebt man ihre Verschlechterung mit, und es kommt immer mehr an. Wenn der Tod dann da ist, ist es für sie eine Erlösung gewesen. Aber für uns beginnt dann die Zeit ohne sie. Dann beginnt man noch einmal. Ich bin sicher, man kann in diesem Sinn … Nein, vorholen ist nicht das richtige Wort. Aber es beginnt früher als bei einem plötzlichen Tod wie bei euch.


Stephi: Ja, das Leben bereitet dich mehr darauf vor. Auf das, was jetzt kommen könnte. Aber man weiss trotzdem nicht, was man damit macht.

Alexandra: Genau.


Stephi: Wenn es dann so weit ist. Bei uns war es einfach so, zack, bumm, und jetzt müsst ihr damit klarkommen. Ich fand es jetzt auch spannend, als du gesagt hast, ihr habt gekocht, wart da und habt geschaut, dass ein Alltag stattfindet. Bei uns ist es genau gleich abgelaufen, einfach alles nach dem Tod. Bei uns kamen sie auch kochen und gingen einfach ins Haus hinein. Ich weiss noch, es war wie in einem Bienennest. Die Leute kamen rein und raus, rein und raus. Pamela war eigentlich immer da, ganz konstant. Sie hat mich ausgehalten und mir immer zugehört, wenn ich ihr erzählt habe. Ich musste die Geschichte immer wieder erzählen. Was ich als betroffene Mutter wertvoll fand, war, dass einfach gehandelt wurde. Dass einfach etwas gemacht wurde, ohne dass ich darum bitten musste. Gleichzeitig merke ich, dass es nicht allen gleich geht. Es gibt Betroffene, die sich dann komplett zurückziehen und das gar nicht wollen. Das finde ich sehr schwierig. Ist es nicht eine Herausforderung, herauszufinden, was sie jetzt brauchen? Wie war das für euch? Ich meine, ihr habt einfach gemacht. Klar, Pamela, du kennst mich sehr gut. Wir sind schon sehr lange befreundet. Bei dir war es deine Schwester. Und trotzdem ist es eine Ausnahmesituation. Eine Situation, in der niemand weiss, was man jetzt tun soll. Es gibt keinen Ratgeber.

Pamela: Ich erinnere mich, dass du auch in dieser Situation kommuniziert hast. Ich habe dich ein paarmal gefragt, was du möchtest, ob du lieber hättest, dass wir gehen. Und du hast immer gesagt, nein, ich bin froh, wenn ihr da seid. Du hast es klar gesagt, und dadurch wusste man es. Ich finde, das ist wichtig, dass man es auch als trauernde Eltern sagt. Man darf auch ganz klar sagen, dass man jetzt allein sein muss. Aber zwei Stunden später darf es wieder anders sein. Als Angehörige muss man diesem Wechsel Raum geben und ihn zulassen. Vielleicht kann man auch Sicherheit geben und sagen, sag mir jederzeit, was du brauchst. Auch wenn es wechselt, ist das okay.

Alexandra: Mir war wichtig, nicht ständig nachzufragen, sondern zu sagen: «Bitte sagt mir, wenn wir gehen sollen.» Das habe ich auch immer wieder gesagt. Gleichzeitig habe ich gespürt, dass sie nicht allein sein wollten, Simona ebenso wie ihr Mann. Wir nahmen uns zwischendurch auch einmal eine Auszeit, mein Mann und ich. Aber das reichte dann höchstens bis zum Nachtessen. Der eigene Drang, bei der Familie zu sein, ist so gross, dass man eigentlich gar keine Pause braucht. Am liebsten würde man es ihnen abnehmen, damit sie es nicht aushalten müssen. So habe ich es empfunden und erlebt. Schwieriger fand ich eher, das Umfeld ein wenig zu begleiten. Ich fragte mich manchmal, ob ich jetzt zulassen kann, dass noch andere Menschen kommen. Ich finde, als trauerndes Paar ist es schwierig, sich abzugrenzen, wenn man niemanden verletzen möchte. Aber sie konnten das wunderbar. Ich musste da eigentlich nichts tun. Das eine ergibt sich aus dem anderen. Was einem nicht guttut, merkt man schnell, und das vermeidet man dann auch. So war es bei den Eltern, und so war es auch bei mir. Ich erinnere mich an eine Situation, als sie noch am alten Ort wohnten. Eine Frau klagte meiner Schwester ihr Leid. Ich war gar nicht in das Gespräch involviert, aber ich musste dieser Dame sagen: «Simona hat im Moment andere Dinge im Kopf, als sich deine Sorgen anzuhören. Ich bitte dich, das zu unterlassen.» Das ist die einzige Situation, an die ich mich erinnere, in der ich mich eingemischt habe. Sonst war es schon so, dass die Eltern trotz dieser ausserordentlichen Situation sehr klar waren und sagen konnten, was ihnen guttut und was nicht.

Pamela: Ja, man funktioniert in dieser Situation halt einfach. Alle. Ich als Gotti, aber auch die Eltern. Man muss funktionieren. Aber ich glaube, bei den Eltern reicht die Kraft manchmal nicht für alles. Sie haben eigentlich keinen Kopf für alles andere. Das habe ich bei dir manchmal gespürt. Man ist so mit sich selbst und mit dieser Situation beschäftigt, dass die Energie für alles andere nicht mehr reicht. Dann ist es gut, wenn einem so viel wie möglich abgenommen wird, damit man etwas Luft hat.

Alexandra: Ja, genau. Es geht auch darum, dem Alltag nach dem Tod wieder etwas Struktur zu geben und ihn wieder aufleben zu lassen. Ich denke, es ist schön, wenn einen dabei jemand unterstützt.

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Zeitabschnitt

Unmittelbar nach dem Tod

Lesezeit ca. 4 min
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Stephi: Ist es für dich nach dem Tod von Tia anders geworden, was den Aufwand, die Unterstützung und das Dasein für die Familie betrifft? Gab es allenfalls einen Rückzug, in dem Sinn, dass man sagte, jetzt lassen wir die Familie für den Moment allein?

Alexandra: Sie ist am frühen Morgen gestorben. Die Menschen, die in dieser Woche immer involviert gewesen waren, kamen eigentlich alle, um sich von ihr zu verabschieden. Das hat für Simona und Nicolas, so wie ich es einschätzen kann, auch gestimmt. Danach musste man funktionieren und die administrativen Dinge erledigen. Da muss ich ehrlich sagen, dass wir uns bewusst zurückgezogen haben, mein Mann und ich. Ich fand, es ist ihr Kind, und es muss für sie stimmen, wie der Abschied gestaltet wird. Es musste so passen, wie sie es sich wünschten. Meine Schwester zog sich dann schon ziemlich zurück, also im Haus. Sie schrieb eine Biografie von Tia für die Abschiedsfeier. Dafür investierte sie sehr viel Zeit, und man merkte immer wieder, dass ihr das auch bei der Verarbeitung guttat. Lia war ja auch noch da, und wir schauten dann einmal zu ihr. Ich arbeitete ja auch noch. Ich war nicht rund um die Uhr dort. Etwa zwei Wochen nach dem Tod sagten mein Mann und ich: «Jetzt müssen wir gehen.» Nicht wegen uns, sondern damit sie wieder in ihre eigene Struktur kommen konnten. Wenn immer jemand da ist, ist das ja verständlich. Ich hatte die Rolle übernommen, den Alltag ein wenig zu gestalten. Aber ich wollte ihnen nicht vorleben, wie sie jetzt zu leben haben.


Stephi: Es ist aber schwierig, diesen Moment einzuschätzen. Wann ziehe ich mich zurück? Wann traue ich ihnen wieder zu, allein auf eigenen Beinen zu stehen? Das war auch in unserem Fall so. Irgendwann musste ich wieder selbst weitergehen, und das ist hart. Das ist nicht ohne.

Alexandra: Ja, gerade weil vorher so viel läuft. Am Anfang sind viele Menschen da, die Hilfe anbieten. Und auf einmal ist das Haus fast leer. Wobei wir sehr nahe wohnen und noch oft dort waren, bis heute. Das hört ja nicht einfach auf. Aber dass sie wieder für sich dort wohnen, ist natürlich auch wichtig für sie als Familie. Sie mussten sich ja auch wiederfinden und sich in der neuen Situation zurechtfinden.

Pamela: Ich glaube, das ist ein Prozess, der nach und nach stattfindet, Schritt für Schritt.


Stephi: Ja. Ich weiss noch, Pamela, ich glaube, du hast mich einmal gefragt, ob ihr jetzt nicht mehr kommen sollt. Oder irgendjemand hat mich das gefragt, ich erinnere mich nicht mehr genau. Ich habe damals gesagt, dass ich auch einmal alleine sein können muss. Ich muss das können. Ich bin sehr hart mit mir selbst. Allgemein habe ich oft das Gefühl, ich müsse sehr viel alleine schaffen und können. Rückblickend denke ich manchmal, warum ich das gesagt habe. Es war so blöd. Hätte ich doch nur noch länger angenommen, dass Menschen sich um mich sorgen und mich unterstützen. Dann hätte auch die Trauer im Alltag Platz gehabt und noch etwas mehr Raum bekommen. Manchmal sind Trauernde, glaube ich, auch streng mit sich selbst. Das ist auch ein gesellschaftliches Thema. Man muss schnell wieder funktionieren, man muss zurück in den Arbeitsalltag. Jetzt ist es schon so lange her, jetzt muss es wieder gehen. Das ist schwierig. Wann ist der richtige Moment?

Pamela: So habe ich das bei dir auch wahrgenommen. Du wolltest schnell wieder, oder nein, du wolltest nicht. Du hattest einfach das Gefühl, jetzt müsstest du doch wieder. Diesen Anspruch hattest du an dich. Ich habe oft versucht, dir zu sagen, dass das überhaupt nicht nötig ist. Dass es noch viel länger so gehen darf und du dir die Zeit nehmen sollst. Aber auch das war ein Prozess für dich. Ich glaube schon, dass du dich immer wieder reflektiert und versucht hast, damit umzugehen. Eigentlich hast du gewusst, dass du nicht musst. Und trotzdem war dieser Drang da. Vielleicht war es auch der Wunsch, wieder zurückzufinden in die Normalität.

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Zeitabschnitt

Mit der Trauer Leben

Lesezeit ca. 15 min
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Stephi: Ja, es ist natürlich auch ein Halt, wieder ins Normale zurückzukehren.

Pamela: Vielleicht der Wunsch.


Stephi: Ja. Und trotzdem bleibt die Welt stehen. Man wünscht sich eigentlich die Zeit zurück, in der alles in Ordnung war.

Alexandra: In der es einfach so ist, wie man es kennt. Denn es wird nie mehr so, wie es gewesen ist. Auch für uns Gottis nicht. Das ist schon ...


Stephi: Ja. Wie hat es euch verändert? Ihr werdet ja auch nicht mehr die gleichen Menschen sein wie vorher.

Alexandra: Ich merke, dass ich um einiges dankbarer bin für das Leben, das ich habe. Es wird einem sehr bewusst, dass man nur ein Leben hat und das tun soll, was einem Freude macht, anstatt immer allen anderen gerecht werden zu wollen. Das ist mir viel bewusster geworden. Mir ist klar geworden, dass es schnell gehen kann, wenn es eng wird. Und dann kann man nicht mehr viel nachholen. Sonst muss ich sagen, dass ich etwas pragmatischer geworden bin. Den Tod hat niemand gern. Er ist nichts, was man gernhat. Und gleichzeitig finde ich, das Leben wäre nicht attraktiv, wenn man nicht wüsste, dass man einmal sterben wird. Sonst würde man vielleicht einfach ein bisschen vor sich hin leben. Das führt schon dazu, dass ich noch einmal bewusster lebe. Von der Belastbarkeit her würde ich sagen, dass ich dünnhäutiger geworden bin. Ich weiss nicht, ob es auch damit zu tun hat, dass ich, vor allem wenn ich andere Menschen berate oder mit ihnen rede, merke, wie wichtig es ist, dankbar zu sein für das, was man noch hat. Nicht für das, was man noch könnte oder sollte, sondern für das, was für einen selbst stimmt. Ich merke dann, dass ich weniger Geduld und Verständnis für Pipifax-Probleme habe. Und das ist schon sehr wertvoll. Bei allem Leid, das man erlebt, kann darin auch eine Art Erleuchtung für das Leben liegen. Dass man das macht, was einem Freude macht. Und dass man trotzdem nicht in Stress gerät, weil man das Gefühl hat, man müsse noch dies und das und jenes machen. Sondern dass man normal weiterlebt, aber so, dass es einem entspricht und Freude macht.

Pamela: Das nehme ich auch so wahr. Man wird bewusster und dankbarer, wie du gesagt hast. Und wenn man doch wieder in dieses Hamsterrad gerät, merkt man eher, dass es für einen nicht stimmt und dass man das so nicht im Leben haben will. Man wird sich bewusster, dass man nur ein Leben hat und nicht weiss, wie lange es dauert. Man wird dankbar für alle, die da sind. Es ist einem sehr tief bewusst, dass das nicht selbstverständlich ist. Man schätzt die Zeit und jeden Moment, auch die alltäglichen Momente. Auch mit den Kindern im Umfeld. Selbst wenn es manchmal Nerven braucht, kommt der Gedanke, dass es trotzdem ein Geschenk ist. Jeder Moment, auch die strengen. Auf der anderen Seite hatte ich gerade nach Alias Tod etwas damit zu kämpfen, weil dieses Bewusstsein kam, dass das Leben endlich ist und niemand eine Garantie hat. Auch mit meinen Kindern oder mit Lena könnte es plötzlich vorbei sein. Das weiss man nicht.


Stephi: Das kann auch Ängste auslösen, oder?

Pamela: Extrem, ja. Da musste ich mir aber sagen, und ihr habt mir als Alias Familie sehr dabei geholfen, dass ich mein Leben nicht in Angst verbringen will, sondern dankbar sein möchte für das, was ist. Das habt ihr in eurer Situation sehr stark vorgelebt. Und auch heute zeigt ihr für mich noch, wie dankbar man für das Leben sein kann. Dafür, dass wir es noch haben und noch da sein dürfen, was Alia nicht mehr hat. Also geniessen wir es auch in ihrem Sinn. Weil wir es noch können. Sie hätte es auch genossen, wenn sie noch da wäre.

Alexandra: Ja, genau. Ich habe es auch so erlebt, dass man traurig sein darf und auch traurig sein soll. Das gehört zum Prozess und zur Verarbeitung. Aber das Kind, das verstorben ist, in unserem Fall Tia, hätte niemals gewollt, dass wir ein Leben lang traurig sind. Für uns geht das Leben weiter. Und wir haben eben auch nur dieses eine Leben. Darum müssen wir das Beste daraus machen. Das gibt einem nochmals Dankbarkeit. Auch dafür, dass man wieder lustig und fröhlich sein darf. Das Leben ist nicht mehr wie vorher, das ist so. Aber das heisst nicht, dass man nicht mehr lachen darf oder dass nichts mehr lustig sein darf. Ich finde auch, dass meine Schwester und mein Schwager das sehr schnell wieder geschafft haben. Dass sie wieder schallend lachen konnten, etwas lustig fanden und auch am gesellschaftlichen Leben teilnahmen. Darüber habe ich sehr gestaunt. Gleichzeitig kommt es immer wieder zurück. Das ist so. Es heisst nicht, dass die Trauer für immer vorbei ist, nur weil man am Anfang viel geweint hat. Es ist ein wiederkehrender Prozess.


Stephi: Ja. Es ist das eigene Kind, das verstorben ist, und die Trauer hört nie auf. Ich würde sagen, nicht nur beim eigenen Kind, sondern allgemein, wenn ein Mensch geht, den man gernhat. Das hört nicht auf. Und nur weil eine Mutter wieder lacht und vielleicht auch wieder an Dingen teilnimmt, heisst das nicht, dass sie den Schmerz nicht weiterhin in sich trägt.

Alexandra: Ja, genau.


Stephi: Das finde ich nach wie vor einen sehr wichtigen Punkt. Wie hat es die Beziehung zur Familie verändert?

Pamela: Ich finde, es ist nochmals auf eine tiefere Ebene gekommen. Auch mit Urs. Die Freundschaft besteht ja schon lange, aber sie ist nochmals tiefer geworden. Auch der Zusammenhalt, wenn man eine solche Zeit miteinander durchgestanden hat.


Stephi: Es verändert ja auch die Person. Ich sage auch, dass ich nicht mehr dieselbe bin wie vorher. Du musstest mich als Freundin gewissermassen neu kennenlernen. Und du musstest wahrscheinlich deine Schwester auch wieder neu kennenlernen, weil es einen verändert. Das ist sicher auch nochmals schwierig, oder?

Pamela: Als schwierig habe ich es nie empfunden. Ich finde, wir haben immer gut miteinander gesprochen, und du konntest immer sehr klar sagen, wie es dir geht oder was gerade los ist. Das hat sehr geholfen. So konnte ich es einordnen und wusste, wo du gerade standest oder auch wo ich selbst stand. Ich finde, es entsteht dadurch nochmals eine andere Kommunikation. Aber es ist wichtig, dass Trauernde mitteilen, wie es ihnen geht. Für das Umfeld ist es sonst sehr schwierig zu erkennen, was Trauernde brauchen oder wo sie mit dem Erlebten gerade stehen.

Alexandra: Ja, die Beziehung zu meiner Schwester war schon immer eng, obwohl wir beide unser eigenes Leben haben. Wir sehen uns viel, und wir haben uns schon vor Tias Tod sehr oft gesehen, auch bevor sie Kinder hatten. Auch unsere Männer verstehen sich sehr gut. In diesem Sinn ist die Beziehung jetzt nicht intensiver geworden. Sie ist immer noch gleich intensiv, wie sie es vorher schon war. Aber sie ist anders. Ich geniesse die Zeit mit ihnen und auch mit Liva und Levi noch einmal anders, intensiver. Ich bin dankbarer, dass sie da sein dürfen, dass sie so viel Lebensfreude haben und dass sie die Trauer nicht überschatten, aber Ablenkung geben. Das ist schon hilfreich. Zur Beziehung selbst kann ich nicht sagen, dass sie erst dadurch so geworden ist. Sie war schon immer da. So etwas durchzustehen, das wünscht sich niemand. Wenn man es dann miteinander durchsteht, wird die Verbindung danach umso enger. Das ist eine Erfahrung, die man hoffentlich nie mehr machen muss, und sie verbindet.


Stephi: Ja. Wie war es für dich, deine Schwester dabei zu begleiten, wieder unter die Leute zu gehen? Ist ihnen das leichtgefallen, oder war es schon eine Hürde?

Alexandra: Es war sicher eine Hürde, aber sie haben das von Anfang an sehr gut gemacht. Sie haben sich nie völlig eingekapselt. Zurückgezogen haben sie sich schon, das stimmt, aber sie sind relativ schnell wieder unter die Leute gegangen. Vielleicht hat auch geholfen, dass viele zu ihnen nach Hause gekommen sind. Das nähere Umfeld haben sie dadurch nach dem Tod schon wieder gesehen. Wenn ich zurückblicke, sind sie wirklich schnell wieder in den Alltag gekommen. Vielleicht auch, weil es, wie du vorhin gesagt hast, ein Stück weit erwartet wird. Vielleicht spielte auch das mit. Nicolas ist in dieser Zeit immer wieder arbeiten gegangen, auch um sich etwas abzulenken. Diese Möglichkeit hatten meine Schwestern nicht in gleicher Weise. Sie mussten selbst schauen, dass sie wieder nach draussen kamen. Aber sie haben das wirklich gemacht und konnten leben. Ich glaube, es ist auch einfacher, wenn man das rasch wieder in Angriff nimmt. Es muss natürlich für einen selbst stimmen. Aber ich denke, je länger man es hinausschiebt, desto schwieriger wird es. Es können dann auch andere Gedanken dazukommen, je nachdem, auf wen man trifft.


Stephi: Das ist so, ja.

Alexandra: Ich finde, es ist auch für das Umfeld sehr schwierig. Wie geht man auf jemanden zu, der ein Kind verloren hat? Für viele Menschen ist es ja schon schwierig, auf jemanden zuzugehen, der jemanden verloren hat, zum Beispiel die eigenen Eltern. Und dann noch ein Kind. Das ist noch viel intensiver. Gerade da finde ich es wichtig, als Aussenstehende den Mut zu haben, die betroffene Person anzusprechen. Auch wenn man nicht weiss, was man sagen soll, oder wenn man nur diese Machtlosigkeit teilen kann und sagt, dass man nicht weiss …


Stephi: … was man sagen soll.

Alexandra: … was man sagen soll. Ja.


Stephi: Ja, genau das ist es. Wie geht man auf jemanden zu, der ein Kind verloren hat? Und das macht es für ein betroffenes Mami manchmal auch schwierig, wieder hinauszugehen. Man wird damit konfrontiert, dass vielleicht jemand die Strassenseite wechselt, wenn man kommt. Das macht schon etwas mit einem. Ich sage immer, es drückt einen ein Stück weit an den Rand der Gesellschaft. Es macht einen so speziell, obwohl man das gar nicht sein will.

Alexandra: Ja, genau.


Stephi: Durch die eigene Geschichte ist man schon speziell, weil man sie mitbringt. Ich finde aber, es gibt auch noch einen Unterschied in der Geschichte selbst. Tia hatte Krebs, sie war krank und hat einen Prozess durchgemacht. Bei Alia war es der Luftballon, den sie verschluckt hat und an dem sie gestorben ist. Das ist ein Tod, bei dem man jemandem Schuld geben kann, bei dem man den Eltern die Schuld geben kann. Oder der Person, die dort war. Und in diesem Fall war ich das. Man geht dann hinaus, gibt sich selbst die Schuld und merkt auch, dass einem Schuld gegeben wird. Das macht es noch einmal schwieriger. Ich finde, die Todesursache ist in diesem Punkt entscheidend. Wie geht ein betroffenes Mami danach damit um, und wie wird sie in der Gesellschaft wahrgenommen? Wie wird mit ihr umgegangen? Das ist schon auch ein grosser Punkt.

Pamela: Ja, das ist definitiv so. Ich weiss, oder ich habe es so wahrgenommen, dass du am Anfang auch mit dir gehadert hast, gerade mit der Schuldfrage. Weil das bei dir so viel ausgelöst hat, war es für dich schwierig, und du hast später gewisse Reaktionen stark auf dieses Thema bezogen. Wenn ich mit diesen Leuten ins Gespräch gekommen bin, weil viele auf mich zugekommen sind, wahrscheinlich, weil es einfacher war, mich anzusprechen als dich, kamen ganz andere Gefühle zum Vorschein. Es ging nie um Schuld, sondern vielmehr um Fragen wie, was können wir tun, wie können wir auf Steffi zugehen. In meiner Rolle konnte ich da, glaube ich, viele Brücken bauen und es den Leuten etwas einfacher machen im Umgang damit, wie sie reagieren sollen. Ich habe schon festgestellt, dass das Umfeld, also das weitere Umfeld, nicht die nächsten Menschen, völlig überfordert ist. Wie geht man auf so eine Person zu?


Stephi: Wie geht man auf so eine Person zu? Du hast es vorhin gesagt, Ale, dass man es auch aussprechen kann. «Hey, ich weiss im Moment nicht, was ich sagen soll.»

Alexandra: Es braucht Mut, da bin ich sicher. Es ist unangenehm, eigentlich für beide Seiten. In unserem Fall auch für Simona und Nicolas. Es ist schwierig, auch etwas anzunehmen. Oder wenn das Gegenüber etwas sagt, das man selbst vielleicht nicht so sagen würde. Aber es sagt etwas. Ich glaube, das ist angenehmer, als wenn man es einfach totschweigt, nichts macht oder den Kontakt abbricht. Oder wenn man wertend an die Sache herangeht. Das finde ich auch nicht in Ordnung.

Pamela: Ja. Ich glaube, man darf auch einfach auf sein Herz hören und einmal nicht mit dem Kopf, sondern, blöd gesagt, von Herz zu Herz aufeinander zugehen. Man darf vielleicht auch die eigenen Gefühle ehrlich aussprechen und sagen, wie es einem gerade geht. Und vielleicht auch ganz klar erwähnen, dass man nichts Falsches sagen will, sondern einfach irgendwie zeigen möchte, dass man Anteil nimmt.


Stephi: Oder eben, wie du vorhin gesagt hast, eine Geste vor der Tür. Etwas zu essen vor die Tür stellen. Das hatte ich auch, das gab es auch in unserem Fall, und das ist sehr schön. Solche Gesten zeigen einem, dass man vom Umfeld getragen wird. Zum Schluss habe ich noch etwas für euch. Ich finde gerade sehr schön, was ihr erzählt habt, und es ist ein runder Abschluss. Ich habe Simona, deine Schwester, Ale, gefragt, was für sie in dieser Zeit besonders wertvoll gewesen ist. Sie hat sofort gesagt, dass es für sie sehr wertvoll war, dass du dein Pensum reduziert hast, für sie da warst, bei ihr eingezogen bist und den Betreuungsplan für Tia gemanagt hast, ohne dass sie etwas sagen musste. Sie hat geschrieben, «Ihr seid seit dem ersten Tag, an dem unsere Tia-Sonnen-Ski-Geschichte ihren Lauf genommen hat, unsere wichtigsten Begleiter. Ihr tragt uns bis heute mit eurer Nähe, eurer Liebe und mit eurer grossartigen Stärke. Ihr seid unsere Anker. Meine Dankbarkeit euch gegenüber lässt sich nicht in Worte fassen. Ihr seid einfach unsere Helden.» Ja, das berührt. Es fliessen Tränen. Ich weiss nicht, ob man es hört, aber es ist wirklich sehr, sehr berührend. Und du, Pamela, warst in dieser ganzen Zeit eine unglaubliche Stütze für mich. Du bist Tag für Tag mit einem frischen Baby gekommen, hast dich in unsere Stube gesetzt und hast mich und meinen Schmerz ausgehalten. Jetzt werde auch ich emotional. Mein Gott, das gibt es selten in meinem Podcast. Alia hatte einfach das beste Gotti, und als Mami hatte ich die beste Unterstützung. Ich wünsche jedem Menschen eine solche Freundin und ein solches Gotti, wie du es bist. Ihr seid beide Heldinnen. Ihr seid Gottis, die da waren. Ihr seid eine Schwester, die da war, eine Freundin, die da war. Das ist nicht selbstverständlich. Das braucht ganz, ganz viel Kraft und auch ganz, ganz viel Mut. Ich hoffe für alle Betroffenen, die zuhören, dass sie ein so gutes Umfeld haben, wie ihr es seid. Und ich möchte euch ganz, ganz fest danke sagen, dass ihr bereit wart, heute zu erzählen und uns in eure Welt hereinzuholen. Denn diese Welt ist ganz, ganz, ganz wichtig.

Pamela: Darf ich noch etwas sagen?


Stephi: Du darfst sehr gerne noch etwas sagen.

Pamela: Etwas ist mir noch wichtig, um es nach aussen mitzugeben. Ich habe durch dich, Steffi, sehr gelernt, dass Trauer in Wellen kommt. Dass man gute Zeiten haben kann, und dass es einen manchmal trotzdem wieder überschwemmt und es einem nicht gut geht. Auch nach fünf Jahren kann noch eine solche Welle kommen, und auch nach zehn Jahren. Und dass die Trauer in der Gesellschaft einen Platz bekommt. Auch bei Menschen, die im Alltag ganz normal funktionieren und bei denen es von aussen so wirkt, als sei es schon lange her. Es muss in Ordnung sein, wenn irgendwann plötzlich wieder eine solche Welle kommt. Und die Gesellschaft sollte das anerkennen und sich dessen bewusst werden.


Stephi: Danke für deine Worte, Pamela. Das ist ein wichtiger Punkt. Möchtest du noch etwas sagen, Ale? Gibt es noch etwas, das dir auf dem Herzen liegt und das du mitgeben möchtest?

Alexandra: Ich habe den Austausch mit uns drei sehr geschätzt. Es tut immer wieder gut, darüber zu sprechen und auch anderen etwas mitzugeben. Sonst ist der Tod schon eher ein Tabuthema, und wenn es um ein Kind geht, erst recht. Darüber zu sprechen ist heilsam, so wie auch die Zeit heilsam ist. Wie du sagst, es kommt immer wieder eine Welle, die einen traurig macht oder zurückwirft. Trotzdem erlebe ich Trauer heute anders als damals, als jemand frisch gestorben ist. Als Tia frisch gestorben ist, blieb die Welt stehen. Man hat das Gefühl, es geht nicht mehr weiter. Und dann merkt man, wenn man es zulässt, recht schnell, dass es wieder weitergeht. Und ...


Stephi: Trauer ist eben auch nicht nur schmerzhaft. Sie kann auch schön sein. Sie ist eine Verbindung zu dem Menschen, der gestorben ist. Ich sage immer, Trauer ist auch pure Liebe.

Alexandra: Ja.


Stephi: Man kann nur trauern, wenn man jemanden unglaublich gern gehabt hat. Ich danke euch. Vielen, vielen Dank.

Alexandra: Danke auch.

Pamela: Danke euch vielmals.


Stephi: Es ist sehr schön gewesen. Es war ein sehr schönes Gespräch zwischen Pamela, Ale und mir, aber ich bin auch gottfroh, dass es vorbei ist. Weil Pamela als Gesprächspartnerin dabei war, war es für mich nicht einfach, das Gespräch zu leiten. Ich bin emotional betroffen. Es ist meine Geschichte, die Geschichte meiner Familie und die Geschichte von Alia. Das hat es für mich gerade sehr herausfordernd gemacht. Aber es war so wichtig und gut, dass wir diesen Podcast gemacht haben, weil die Angehörigen auch einmal eine Stimme bekommen und gehört werden sollen. Wenn ihr mich in meiner Arbeit unterstützen möchtet, dürft ihr sehr gerne ein Like hinterlassen oder einen Kommentar. Das macht meinen Podcast sichtbarer, und so erreicht er viel mehr Menschen und Betroffene. Vielleicht überlegst du sogar, selbst in meinen Podcast zu kommen. Ob du ein betroffenes Mami bist, ein betroffener Papi oder eine angehörige Person, spielt keine Rolle. Melde dich bei mir. Jetzt wünsche ich euch eine gute Zeit. Bis zum nächsten Podcast. Tschau zusammen.

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