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Sarah,Verwaiste Muttererzählt

Die Geschichte von Laura

An einem ganz normalen Freitagmorgen im November 2020 beginnt für Sarahs Familie ein Tag, der alles verändern wird. Laura, zehnjährig, grosse Schwester und gleichzeitig die aufbrausende, sensible Mitte zwischen ihrem älteren Bruder und der jüngeren Schwester, startet wie gewohnt in die Schule. Ihre langen, blonden Haare mussten auch an diesem Morgen perfekt sein – ein kleines Ritual, das viel über ihr Wesen erzählt. Als die Lehrperson später anruft und von starken Kopfschmerzen berichtet, denkt Sarah zuerst an bekannte Migräne in der Familie oder vielleicht an Corona. Sie holt Laura nach Hause, verdunkelt das Zimmer, bleibt nahe bei ihr und versucht, ihre Schmerzen zu verstehen. Was als vermeintlich „normales“ Kopfweh beginnt, entwickelt sich im Verlauf weniger Stunden zu einer unvorstellbaren Erfahrung, die die Familie in eine neue, schmerzhafte Realität führt.

TodesumstandAngeborene Krankheit
Erzählt am11. September 2026
Alter10 Jahre
Gesamtlesezeitca. 67 min
Für wen?Betroffene Eltern
TodesumstandAngeborene Krankheit
Erzählt am11. September 2026
Gesamtlesezeitca. 67 min

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Zeitabschnitt

Zeit des Sterbens

Lesezeit ca. 23 min
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Stephi: Ich mache mich jetzt auf den Weg zu Sarah. Ich freue mich sehr auf das Gespräch Hoi Sarah. Schön, darf ich heute bei dir sein. Danke viel, viel Mal. Das bedeutet mir sehr viel. Eure Geschichte ist extrem berührend und eigentlich unglaublich. Aber jetzt erzähl uns doch zuerst einmal, was passiert ist. Nimm uns mit in deine Geschichte, Sarah.

Sarah: Hallo. Zuerst, liebe Stephi, danke dir für das alles. Und jetzt zu Lauras Geschichte. Es war am 27. November 2020, ein ganz normaler Freitagmorgen. Wir sind alle aufgestanden. Laura sass mit ihrem Bruder, der zwei Jahre älter ist, am Tisch. Sie hatten ihre normalen Geschwisterstreitereien. Dann ging sie in die Schule.


Stephi: Wie alt war Laura?

Sarah: Da war sie zehn.


Stephi: Und sie hatte einen älteren Bruder.

Sarah: Genau, ja. Und eine jüngere Schwester. Sie war damals sechs. Und sie machte sich natürlich auch bereit für den Kindergarten. Aber sie war immer ein bisschen anders. Laura war sehr aufbrausend. Sie konnte schon am Morgen launisch sein, weil sie eigentlich am liebsten länger im Bett geblieben wäre. Man musste sie ein bisschen unter Druck setzen, damit sie sich bereit machte und die Haare strählte. Sie hatte wahnsinnig lange blonde Haare. Ihr war enorm wichtig, dass die Haare auch am Morgen immer perfekt gestrählt waren. Das brauchte alles Zeit. Dann ging sie in die Schule, und ich machte mich bereit. Ich fuhr noch schnell in die Ortschaft nebenan, nach Zwingen, in den Jumbo, um ein Rentier für Weihnachten zu holen. Ich wollte den Kindern damit eigentlich eine Freude machen für Weihnachten, weil wir noch nie so eine grosse Deko gehabt hatten. Danach ging ich noch schnell zu meiner Mutter einen Kaffee trinken. Um halb elf kam dann das Telefon von der Lehrerin, dass Laura seit der Pause sehr starke Kopfschmerzen habe und ob ich sie abholen könne. Da dachte ich, ja, natürlich, ich mache mich gleich bereit. Und meine Mami sagte dann noch, oh je die arme, das fängt bei ihr auch schon an. Das hatte einen Grund, weil meine Mutter schon sehr, sehr viel Migräne gehabt hatte, genau wie ich selbst und mein Bruder. Ich sagte, ich hoffe es jetzt nicht. Ich hoffe, es geht ihr bald besser, weil ich weiss, was man da am Ende durchmacht. Ich ging sie dann direkt abholen. Sie sass beim Schulhaus auf der Treppe mit ihrer besten Freundin, ganz zusammengenommen. Sie weinte noch ein bisschen und hielt sich an der Stirn. Dann stieg sie ins Auto ein. Ich schaute sie an und sagte, Laura, du hältst dich wieder an der gleichen Stelle wie vor zwei Wochen, an der Stirn, auf der rechten Seite. Du musst mir jetzt wirklich erzählen, ob du damals wirklich nicht angeschlagen hast oder sonst etwas passiert ist. Denn zwei Wochen vorher hatte sie mir am Mittag einfach einmal gesagt, Mami, mir tut es da immer wie eine Beule weh. Dann fragte ich, wieso. Sie sagte, sie glaube, vom Turnen. Sie hatte beim Aufstehen an einer Bank angeschlagen, aber nicht fest. Und jetzt fühle es sich immer an wie eine Beule. Dann schaute ich es an und sagte, ich sehe nichts Blaues oder so. Wenn ich darauf drücke, tut es weh? Sie sagte, nein. Dann sagte ich, ja, also, dann beobachten wir das. Aber in den nächsten zwei Tagen hatte sie schon nichts mehr. Und als ich sie dann eben wieder so sah, sagte sie, nein, Mami, wirklich, ich habe nichts angeschlagen. Es ist nichts passiert. Da fragte ich, seit wann das denn ausgelöst wurde. Sie sagte, in der Pause sei sie von so einem Klettergerüst heruntergesprungen, und seitdem habe sie Kopfschmerzen. Da fragte ich, ob es vielleicht hinten einen Schlag gegeben habe, der so wehgetan habe. Sie sagte, nein, ich weiss, was du meinst, aber nein, das war es eben nicht. Dann sagte ich, ja, also wenn du mir garantierst, dass dir niemand auf den Kopf geschlagen hat oder sonst etwas passiert ist, dann gehen wir jetzt heim. Ich gebe dir einmal ein Algifor, und dann schauen wir, wie es dir geht. Dann gingen wir heim. Ich verdunkelte alles, sie legte sich ins Zimmer, aber keine fünf Minuten später war sie wieder vorne auf der Couch. Sie sagte, sie fühle sich wohler in meiner Nähe. Da sagte ich, gar kein Problem. Und dann strich ich ihr immer wieder über den Kopf und fragte tausendmal nach, wie es ihr jetzt gehe. Aber natürlich braucht ein Medikament ja zuerst Zeit, um zu wirken.


Stephi: Ja, klar.

Sarah: Und da habe ich sie auch gefragt, ob es ihr noch schlecht gehe. Die Übelkeit war inzwischen auch gekommen. Dann habe ich ihr gesagt, dass sie sich auch übergeben dürfe. Sie kenne das von mir, meistens gehe es einem danach besser. Und sie sagte nur, ja, ja. Dann lag sie aber einfach da, und ich habe das Mittagessen vorbereitet. Kurz vor zwölf Uhr bin ich wieder zu ihr gesessen, habe ihr noch einmal über den Kopf gestrichen, und dann hat sie gesagt, es gehe ihr besser. Es sei einfach komisch, jetzt fange es beim Nacken an, und sie habe einen komischen Geschmack im Mund. Ich habe gesagt, okay, ein komischer Geschmack. Dann habe ich ihr noch in den Mund geschaut, aber nichts gesehen. Und wegen des Nackens habe ich gesagt, dass das typisch sei. Das habe ich auch immer. Bei mir kommt Migräne auch immer sehr stark vom Nacken her. Unterdessen kam der Sohn nach Hause, und als Erstes sagte er natürlich, jetzt habe sie sicher Corona. In ihrer Klasse waren damals viele, die Corona hatten.


Stephi: Ja, und dort ist Kopfweh ja eigentlich auch ein grosses Thema.

Sarah: Genau, ja. Und dann habe ich gedacht, ja, kann sein, aber hat man dann gleich so starke Kopfschmerzen? Dann habe ich das Essen fertig bereit gemacht, und mein Mann kam auch hervor. Er war damals wegen Corona im Homeoffice. Er fragte dann auch nach Laura, und ich habe ihm alles erklärt. Das vergesse ich nicht mehr. Ich lehnte an der Couch und fragte ihn ganz leise, ob er wirklich meine, dass es nur Kopfschmerzen seien. Ganz leise, weil Laura sehr ängstlich war, was solche Sachen anbelangte. Und dann sagte er, ja, was solle es denn sonst sein. Es gehe ihr jetzt ja ein bisschen besser, das habe sie gesagt. Dann könne es ja nichts Schlimmes sein. Aber sonst würden wir schauen und abwarten, und wenn es schlimmer werde, könne ich immer noch in den Notfall gehen.


Stephi: Ja, bei Kopfschmerzen rechnet man ja nicht mit etwas Schlimmem. Also nicht mit etwas wirklich Schlimmem, oder? Kein Fieber und … Oder?

Sarah: Aber ich war halt immer schon eher ängstlich, was solche Sachen betrifft. Vor allem bei den Kindern war ich immer wie eine Glucke. Ich habe mir immer x Gedanken gemacht. Und auch dort war es so. Ich weiss nicht, obwohl ich selbst so viel Kopfschmerzen habe, hat mich das Gefühl irgendwie nicht losgelassen. Ich kann das nicht beschreiben.


Stephi: Dass du es nicht hättest loslassen sollen. Als ob doch noch etwas sein könnte, dass du nicht siehst oder nicht …

Sarah: Genau. Natürlich war da auch immer wieder eine Angst. Ich hatte ja 2012 auch einen gutartigen Tumor, obwohl er nicht erblich ist, hat man trotzdem eine gewisse Angst. Aber wir haben dann alle gegessen. Sie mochte nichts essen. Dann sagte mein Mann, komm, wir bauen das Rentierli jetzt schon auf. Er meinte eigentlich, damit es am Wochenende, zum ersten Advent, schon aufgebaut sei. Also haben wir es schnell aufgebaut. Und plötzlich stand sie da und sagte, Mami, es geht mir einiges besser. Ob sie mit Aurora, ihrer kleinen Schwester, spielen dürfe. Und ich sagte, ja sicher, wenn du dich danach fühlst, natürlich darfst du. Dann fragte sie, ob sie auch etwas Kleines essen dürfe, aber sie möge nichts Grosses. Ich sagte, ja, bist du sicher? Ich koche sonst schnell etwas, oder ich habe da noch ein Süppchen. Aber sie sagte, nein, nein, und nahm ihre Salzstängeli. Das Päckchen habe ich heute noch, den Rest von ihr, hier in diesem Kasten eingepackt. Sie ging dann ein wenig mit ihrer Schwester spielen. Ich dachte, okay, dann kann es ja wirklich nichts Schlimmes sein. Irgendwann kam sie wieder hervor. Ihr sei ein wenig schwindlig. Da habe ich gesagt, ja, das sei normal. Bei mir könne das nach so einer Attacke auch mal zwei, drei Tage dauern. Ich sagte ihr, sie solle schon ein wenig auf die Couch gehen, Fernsehen schauen, und ich mache etwas mit der kleinen Schwester, damit sie Laura auch ein wenig in Ruhe lässt.


Stephi: Ja, ja. Wie Geschwister so sind.

Sarah: Genau. \[lacht\] Sie konnte das nicht so verstehen, wenn eine Schwester mal ein bisschen schlapp herumliegt. Gegen Abend war dann noch die Sache mit ihrer Besten Freundin. Sie hatten eigentlich für einen Kindergeburtstag abgemacht, zu dem sie eingeladen waren. Laura wäre dort auch bei der Kinderdisco in einem Restaurant dabei gewesen. Ich war mir nicht sicher. Bis am Abend konnte ich eigentlich keine Antwort geben. Innerlich dachte ich dann, wenn ich Nein sage, heisst es wieder, das Mami sei so streng. Wenn ich Ja sage, fühlt sie sich vielleicht doch nicht fit genug oder so. Dann habe ich Laura geholt und sie gefragt, was sie wolle. Sie sagte, Mami, ich weiss es ehrlich gesagt selber nicht. Und ich sagte ihr, sie müsse sagen, wie sie sich fühle. Wenn sie hierbleiben wolle, sei das für mich völlig in Ordnung. Oder wir könnten es so machen, dass sie hingehe und sich jederzeit bei mir melden könne, und ich würde sie sofort holen kommen. Dann sagte sie, ja, dann würde sie gerne gehen, weil ich ihr diesen Vorschlag gemacht hatte. Ich sagte also gut. Und sie hat sich sofort an den Kasten geworfen, sich schön angezogen und noch die Frisur gemacht. Ich vergesse auch nicht mehr, wie ich dort ihre Hand in meine Hand genommen habe und sagte, oh, deine Nägel, die machen wir morgen ganz schön. Das hat sie immer gern gemacht, die Nägel lackieren. Diese Hand ist mir so intensiv geblieben. Diese Berührung, die ich da hatte, ist die letzte Berührung, die ich noch sehr intensiv in mir habe und spüre. Danach weiss ich nicht mehr, es ist wie ausgeschaltet, ob ich sie noch einmal umarmt oder ob ich mich richtig von ihr verabschiedet habe. Dann war sie bereit, und ihre beste Freundin stand auch schon an der Tür. Ich habe sie natürlich hinausbegleitet. Sie ist total happy ins Auto gestiegen. Und ja, das ist ein Punkt, an den ich mich nicht mehr genau erinnere. Ich weiss nur noch, wie ich ihr im Auto sagte, bitte ruf an, wenn etwas ist, und ich komme dich holen. Du kannst es auch deiner besten Freundin sagen. Eigentlich wäre eben der Vater ihrer besten Freundin um neun Uhr nach dem Abschluss gekommen, um sie zu holen. Ich sagte ihr, du kennst mich, ich komme sofort. Kein Problem. Und so ist sie gegangen. Keine fünf Minuten später kam mein Bruder, ihr Götti, und hatte einen Adventskalender für sie bereit. Eigentlich fand er es gerade ein bisschen gut, dass sie nicht da war. So konnte er in ihrem Zimmer alles richtig aufstellen –mit Lichterkette und allem.


Stephi: Mit dem Gedanken, dass sie dann überrascht ist, wenn sie zurückkommt.

Sarah: Genau. Im Nachhinein hat er aber immer wieder ein wenig bereut, dass er sie wegen diesen fünf Minuten verpasst hat. Später haben wir noch schnell etwas Kleines gegessen, und dann sagte mein Bruder, er gehe. Es war, glaube ich, eineinhalb Stunden, bevor es fertig gewesen wäre. Nein, fast zwei Stunden vorher. Es war etwa um sieben Uhr herum. Und dann sagte ich, gut, dann gehe ich vielleicht doch zu Laura. So, wie ich es immer ein bisschen gemacht habe. Ich hätte dort etwas getrunken und gewartet, bis es fertig ist. Und dann kann ich sie entgegennehmen. Etwa um zwanzig nach sieben kam dann ein Telefon. Die Mutter des Geburtstagskindes rief mich an und sagte, Laura habe plötzlich wieder ganz starke Kopfschmerzen bekommen und habe sich ziemlich übergeben müssen. Ich sagte, okay, ja, aber komisch, es ging ihr doch besser. Aber kein Problem, ich komme gleich. Ja. Dann habe ich aufgehängt. Gleich danach kam noch einmal ein Telefon, und sie sagte, ich solle schnell machen, es gehe ihr irgendwie gar nicht gut. Und ich sagte, ja, ich bin ja schon bereit, ich komme. Ich sagte aber auch, sie solle lieber versuchen, sie zu beruhigen, statt nervös zu machen. Und dann hat sie mir noch einen Vorwurf gemacht. Sie sagte, wie ich ein Kind, das am Morgen noch wegen Kopfschmerzen von der Schule nach Hause geschickt worden sei, überhaupt an einen Geburtstag schicken könne. Ich hätte sie lieber mit der Ambulanz ins Spital geschickt.


Stephi: Also sie war eigentlich auch überfordert mit der Situation, oder? Und hat es dann auf dich übertragen.

Sarah: Ja, also im Nachhinein … sie hat schon ihren Charakter. Sie ist eine spezielle Frau. Und ich habe dann gesagt, dass ich ja nicht einmal ein MRI bekommen habe mit meinem … Also doch, irgendwann dann schon, aber es sind viele Jahre vergangen.


Stephi: So schnell geht das dann nicht.

Sarah: Genau, so schnell. Das fand ich komisch. Ich bin in der Montur los, die ich gerade angehabt hatte. Ich weiss nicht einmal mehr, welche Schuhe und welche Jacke ich angezogen habe. Ich weiss nur noch, dass ich meine Maske nicht angezogen hatte. Ich hatte noch Angst, ich müsste draussen stehen bleiben, weil ich keine Maske dabeihatte, damals, als alle so heikel waren. Und ich bin sogar mit dem falschen Auto gefahren. Mit dem anderen wäre ich noch schneller gewesen. Ich bin mit einem grossen Auto gefahren und eigentlich nur noch gerast. Und dann, kaum war ich um die Ecke, rief mein Mann wieder an und sagte, die Ambulanz komme, sie sei in Ohnmacht gefallen. Dann fiel mir noch das Handy herunter und, mein Gott.


Stephi: Also war dein Mann dann schon vor Ort?

Sarah: Nein, mein Mann war zu Hause. Er hatte eigentlich die Kinder fürs Baden parat gemacht. Und weil ich dort gerade mein Handy konfigurieren liess, habe ich ihm gesagt, er müsse einfach auf Zack sein. Ich habe gesagt, er solle jedes Telefon abnehmen, das komme. Und er solle mir immer sofort Bescheid geben, weil ich sein Handy mitgenommen hatte. Und er hat dann eben gleich angerufen. Aber ich muss sagen, ich glaube, auch er hatte innerlich nie die schlimmsten Gedanken.


Stephi: Mit dem Wissen, dass die Ambulanz unterwegs ist. Er hatte dich dann angerufen.

Sarah: Genau, ja. Die Ambulanz war noch nicht da, aber ganz viele Polizisten waren schon dort und sagten den Leuten irgendwie, sie sollten Platz machen. Ich nehme an, sie waren auch wegen der Ambulanz dort, weil die Parkplätze sehr, sehr voll waren. Es ist eine Bar und Disco gleichzeitig. Es ist ein grosses Restaurant, aber unten wie ein Club. Und ich nehme an, dort standen so viele Autos, dass zuerst alle Platz machen mussten, damit die Ambulanz direkt herankam. Ich bin dann nur noch hineingerannt, und ein Polizist hat mir, glaube ich, gesagt, ich solle bitte gerade durch. Ich glaube, er hat sofort erkannt, wer ich bin. Ich kam hinunter zur Tanzfläche und Laura lag hinter der Bar, am Boden. Sie lag auf der Seite und atmete so schwer. Das war der Moment, in dem es mich innerlich richtig gepackt hat. Ich dachte, oh mein Gott, das ist nicht einfach eine Ohnmacht, weil es ihr nicht gut geht. Zuerst hatte ich gemeint, es sei vielleicht ein bisschen Vitaminmangel oder so. Aber sie hatte wirklich so stark Mühe zum Atmen. Ich wollte gerade zu ihr hinunterbeugen, aber dann kamen schon die Sanitäter und fragte, wo sie sei. Ich sagte, dass sie da sei, und machte natürlich sofort Platz. Ich konnte leider nicht hinter der Bar bleiben, weil es dort sehr schmal war. Sie haben dann sofort alles parat gemacht und natürlich sehr viele Fragen gestellt. Ich stand hinter der Bar, über die Theke hinübergebeugt, und habe so mit ihnen geredet. Er fragte, was passiert sei, was sie gegessen und was sie getrunken habe. Ich habe alles beantwortet. Ich sagte einfach, sie habe Kopfschmerzen gehabt, mit Algifor sei es besser geworden. Und ja, ich konnte es mir auch nicht erklären. Ich sagte, sie hatte ihren Kopf nicht angeschlagen oder sonst etwas. Und dann fing sie plötzlich an zu zittern. Dann kam auch der Schaum aus ihrem Mund.


Stephi: So wie Krämpfe.

Sarah: Genau. Und ja, das ist für eine Mutter wahnsinnig schlimm. Weil man am liebsten alles hergeben würde, damit man diesen Schmerz selber hat. Und das hat die Sanitäter auch überrumpelt. Sie wollten sie eigentlich intubieren. Aber wegen des Schaums mussten sie sie wieder auf die Seite legen. Dann kam auch wieder Erbrochenes. Und da dachte ich, mein Gott, wie viel kann sie noch erbrechen? Es schien wie ein ganzer Kübel voll Erbrochenes, und dann kam noch mehr. Das war etwas, das die Sanitäter ziemlich überfordert hat, weil sie sie natürlich intubieren mussten. Sie sagten dann aber, das Mami müsse jetzt nach draussen gehen. Dann nahm mich der Polizist mit nach draussen.

Sarah: Und dann kam dieser Moment. Ich habe noch ein wenig mit dem Polizisten geredet. Ich wollte immer hören, was dort vorne passiert. Aber er sagte immer, er wisse es selber nicht. Dann sagte er mir, die Rega solle kommen, sie sei aufgeboten. Da dachte ich, oh mein Gott, die Rega. Und plötzlich bekam ich wirklich fast keine Luft mehr. Es fiel mir so schwer zu atmen. Dann sagte ich, jetzt müsse mein Mann kommen. Ich rief ihn an und sagte ihm, er solle alles liegen lassen. Er solle bitte die Kinder bereitmachen. Ich rufe meine Mami an, sie kommt die Kinder holen. Er solle sich bereitmachen und sofort hierherkommen. Die Rega komme. Und im schlimmsten Fall, falls ich es nicht schaffe – weil ich wirklich keine Kraft mehr hatte –, müsse er mitgehen.


Stephi: Hat er da schon realisiert, wie ernst es ist? Hast du ihm gesagt, dass es ernst ist, oder noch gar nicht?

Sarah: Nein, ich sagte ihm nur das, weil es so schnell gehen musste.


Stephi: Du wolltest ihm die Dringlichkeit klarmachen.

Sarah: Genau. Jetzt musst du kommen. Und ich glaube, das merkte er dann schon an meiner Stimme, weil ich sonst nicht so bin. Dann hängte ich auf und rief meine Mutter an. Ich sagte ihr, sie müsse sofort die Kinder bei mir zu Hause holen. Die Rega komme. Ich sei in Grellingen. Ihr erklärte ich es in groben Zügen, was vorgefallen war, damit sie nicht noch Fragen stellte. Für sie war klar, dass sie die Kinder sofort holt. Dann hängte ich auf. Und dann kam über Funk, während ich gerade beim Polizisten stand, dass die Rega nicht kommt. Sein Blick in diesem Moment. Ich schaute nur noch hinüber. Und die drei Blicke der Sanitäter vergesse ich einfach nie mehr. Nein. Sie schauten hoch, und es war wie … Für sie war es offensichtlich nicht nachvollziehbar. Damit hatten sie nicht geplant. Also jetzt war es an ihnen, sie mussten um ihr Leben kämpfen. Und ich dachte, das kann nicht sein. Ich flehte den Polizisten an. Bitte fahren Sie einfach ins Spital, oder ich fahre. Das ist mir egal. Aber jemand von euch muss jetzt fahren.


Stephi: War vorher schon ein Notarzt da?

Sarah: Ja, er war sofort dabei. Das war eigentlich gerade ein Zufall. Sie hätten das irgendwie im Gefühl gehabt, erklärten sie mir nachher. Der Notarzt hatte gerade zusammengepackt und kam auch gleich mit. Er war gleichzeitig mit der Ambulanz da. Dann hiess es plötzlich, die Mutter müsse weg, sie solle am besten hinausgehen. Der Polizist brachte mich hinaus. Ich wollte eigentlich nicht, aber er packte mich und sagte, jetzt gehen wir hinauf und ein bisschen an die Luft. Dann lief ich draussen x-mal hin und her, und es fiel mir immer schwerer. Mir wurde so schlecht, schwindlig, mir fehlte die Luft. Aber dann merkte ich, dass es immer schlimmer wurde. Ich hatte ja immer noch die Corona-Schutzmaske an. Dann wollte ich schnell aufs WC, in der Hoffnung, dass der Polizist vielleicht einen Moment nicht hinschaut und ich hinunterkann, weil das WC gleich neben der Tür war. Dann war ich wieder im WC und dachte, wieso sind so viele Polizisten da? Ich komme nicht zu meiner Tochter durch, ich muss wieder hinaus. Dann sagte ich, wir machen es so, weil ich glaube, er hatte immer die Vermutung, dass ich einfach hinuntergehen will. Ob er hinuntergehen und mir dann einfach sagen könne, wie es ihr geht. Er sagte, er mache das. Dann ging er hinunter. Und ich dachte, wenn er schon so nett ist, dann bleibe ich wirklich hier oben. Dann kam er zurück, und sein Blick, er hatte zwar eine Maske an, aber viele Tränen in den Augen. Dann sagte ich, oh mein Gott, das sieht ja nicht gut aus. Er schaute mich an und sagte, dass könne ich ja nicht wissen. Wir lassen uns jetzt nicht darauf ein und wir gehen jetzt ein wenig nach draussen.


Stephi: Aber du wärst am liebsten zu ihr gegangen. Und die Polizei hat dich davon abgehalten?

Sarah: Ja, oben habe ich mich dann hingesetzt und gewartet. Ich habe x-mal gesagt, dass es einfach wahnsinnig lange geht, dass die Ambulanz immer noch da ist. Und er hat immer gesagt, er könne mir nicht mehr Antworten geben. Ich glaube, er begann selber zu verzweifeln, weil er einfach nicht wusste, wie er mich sonst beruhigen sollte. Dann kam der Notarzt. Und sein Blick, das war wirklich wie in einem Film. Er schaute, wo ich war, sah mich, und dann ging sein Kopf nach unten. Ich habe nur noch geschrien, dass ich es nicht hören will. Ich habe mir die Ohren zugehalten, sass am Boden und sagte, ich wolle seine Worte gar nicht hören, weil ich es schon weiss. Dann kam der Polizist wirklich zu mir hinunter, setzte sich auch auf den Boden, hielt mich und nahm mir die Hände weg. Er sagte, es tue ihm so leid, aber es müsse leider sein. Dann sagte der Notarzt, es tue ihm leid, aber sie hätten leider nichts machen können. Sie hätten es versucht, aber es gehe nicht. Ich war so wahnsinnig wütend, dass sie nur vierzig Minuten reanimiert hatten. Und das ist auch ein Punkt, wo ich sie nicht entlasten will, bei dem ich immer wieder sage, sie hätten fahren sollen. Ich hatte dort schon immer gesagt, statt hier zu bleiben, geht doch einfach ins Spital. Es ist ja klar, dass nur das Spital helfen kann. Sie konnten nichts mehr machen, auch wenn sie bis zu diesem Punkt alles richtig gemacht hatten. Aber er sagte, es gehe nicht. Es sei unmöglich. Sie sei nicht stabil gewesen, und ich wusste damals nicht, was stabil heisst. Das war für mich wahnsinnig schwer. Ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, zu ihm aufzustehen. Ich sass zusammengesunken, völlig niedergeschlagen am Boden. Und dann vergesse ich nie mehr, wie mir der Vater von Lauras bester Freundin entgegenkam. Sie hätten eigentlich die Kinder vom Geburtstag abholen sollen. Dann sah er mich, nur noch schreiend am Boden. Er wollte zu mir kommen, aber er durfte nicht. Sie sagten, er müsse weg. Und ich habe nur noch geschrien, geht weg, Laura sei tot. Dann ist er nur noch gegangen. Er war völlig entsetzt. Er hat die Welt nicht mehr verstanden. Und ich lag dort und wartete eigentlich nur auf meinen Mann oder irgendwie auf irgendjemanden, den ich kenne. Weil es wahnsinnig schlimm war. Auf alles, was rundherum zu sehen war, war ich nur wahnsinnig wütend. Ich wollte sie gar nicht sehen. Und Laura durfte ich ja sowieso auch nicht mehr sehen. Und dann sah ich endlich meinen Mann. Oh, der war so … Ich vergesse seinen Blick nie mehr. Er wirkte überrascht wegen der vielen Leute, der Polizei, der Ambulanz. Dann rief ich ihm zu, sie sagen mir, Laura sei tot. Er stand nur noch völlig entsetzt da und sagte, was? Ab diesem Moment konnte er nicht mehr … Also, er sackte wirklich auf den Boden. Er sagte, das könne nicht sein. Dann kam er zu mir, und ich sagte, ich wisse es auch nicht, sie sagen das, aber … Dann kamen sie auch zu ihm und sagten ihm, dass es so sei. Wir hatten uns eigentlich nur noch im Arm, und ich konnte es nicht verstehen. Kurz darauf stand auch schon meine Mutter da. Sie sagte mir dann im Nachhinein, sie habe es auch gespürt. Sie habe irgendwie gespürt, sie müsse hierherkommen. Aber damit hatte sie nie gerechnet. Das war für sie also auch … Ich vergesse ihren Blick nicht. Und sie ist eine wahnsinnig starke Frau, eine unglaublich starke Frau. Aber so verzweifelt habe ich sie auch noch nie gesehen. Und sie war wirklich da. Und dann kam eben die zweite Ambulanz für uns.


Stephi: Für euch?

Sarah: Genau. Und ich sagte, ich steige nicht ein. Ich war wahnsinnig wütend. Ich sagte ja, jetzt kommt schon die zweite Ambulanz, statt dass die erste Laura hätte ins Spital bringen können. Jetzt kommt sie für mich. Ich brauche sie nicht. Meine Mutter hatte unterdessen meine Familie angerufen. Dann fand ich, weil es meinem Mann plötzlich wahnsinnig schnell schlecht ging. Er hatte Mühe mit dem Herzen und mit dem Atmen. Ich habe ihm dann x-mal gesagt, er solle sich beruhigen, weil wir sonst wirklich noch ins Spital müssten und nicht hier bei Laura bleiben könnten. Und ich habe dann auch für ihn seine Schwester angerufen. Seine Eltern konnte ich nicht anrufen, weil sein Vater mit dem Herzen schon Risikopatient ist. Sie waren dann auch schnell da und eine Stütze für Salva. Sie sassen im Krankenwagen und haben x-mal auf ihn eingeredet, um ihn irgendwie zu beruhigen. Das war in diesem Moment wahnsinnig wichtig für ihn. Es kommen so viele Gefühle. Aber ich hatte immer Angst, dass er dann doch noch zusammenbricht. Am Schluss landen wir noch beide im Spital, und ich wollte einfach dortbleiben. Und dann war unterdessen auch meine ganze Familie gekommen, und alle waren geschockt. Mein Bruder war auch gerade erst zu Hause angekommen. Er war eine Stunde unterwegs, Richtung Olten, und hatte ihr noch den Adventskalender gebracht. Am Anfang war er sogar noch sehr wütend auf das Mutter, weil er fand, solche Telefonate macht man doch gar nicht so. Es könne ja gar nicht sein. Sie sei gesund gewesen und alles. Und sie waren dann auch wirklich da. Irgendwann sagte die Polizei, wir müssten ins Restaurant. Sie hatten alles leergeräumt, es waren keine Leute mehr dort. Mittlerweile war ein Care-Team gekommen. Genau, die kamen auch noch. Ich war ehrlich gesagt am liebsten für mich allein. Ich wollte gar nicht mitten in all dem sein. Ich wollte gar nichts hören. Ich war immer noch so wütend auf alles. Meine Mutter bekam dann aber mit, wie die Gerichtsmediziner kamen. Und der Staatsanwalt kam auch noch.

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Zeitabschnitt

Unmittelbar nach dem Tod

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Sarah: Alle gingen direkt hinunter. Meine Mutter hatte Bedenken, dass ich ab diesem Moment gar nicht mehr zu meiner Tochter kann.


Stephi: Ja. Also du durftest aber bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu ihr hinein?

Sarah: Nein. Absolut nicht. Das wurde mir im Nachhinein dann auch erklärt. Ich kann es ein bisschen nachvollziehen, aber als Mutter ist es wahnsinnig schwer. Für sie geht es auch darum, herauszufinden, was passiert ist. Sie wissen das alle gar nicht. Ich sage natürlich, sie hatte Kopfweh. In ihrem Fall kann es aber auch eine Vergiftung sein. Ein Schlag auf den Kopf oder sonst x mögliche Sachen. Und sie wollten zuerst die ganzen Spuren sichern. Genau, sie wollten sie kontrollieren. Einfach alles, damit …


Stephi: Ja, damit auch Fremdeinwirkung ausgeschlossen werden kann.

Sarah: Genau. Es hatte auch fremde Leute dort. Und das ist mir im Nachhinein irgendwie schon klar, aber in dem Moment war mir das einfach gar nicht klar. Wir sassen dann alle im Restaurant und wurden ausgefragt, zum Tagesablauf, zu allem. Es war ihnen irgendwie schon klar, dass es höchstwahrscheinlich irgendetwas im Kopf gewesen sein muss. Also eine Hirnblutung. Aber es ist natürlich schwierig ohne richtige Kontrolle. Aber sie haben dort schon ein wenig in diese Richtung gesprochen. Und sie haben auch versucht, mir die Schuld ein wenig zu nehmen, weil ich mir so wahnsinnig Schuld gegeben habe. Ich dachte, was habe ich den ganzen Tag übersehen? Hätte ich doch in den Notfall gehen sollen. Oder auch dieser Moment, dass ich sie an einen Geburtstag geschickt hatte. Hätte ich sie zu Hause gehabt, wäre ich schon direkt gefahren. Ich hätte gar nicht so viel Zeit verloren. Und ich habe mich so hineingesteigert. Und dann war ich wütend, dass sie nicht gefahren sind. Und dann sagten sie aber immer wieder, sie würden das Abklären. Sie wollten mir eigentlich einfach die Schuld ein wenig abnehmen.


Stephi: Ja klar.

Sarah: Und meine Mutter hat in dieser Zeit wirklich x-mal bei ihnen gestürmt. Sie sagte, wir gehen nicht von hier weg, bis ich meine Tochter gesehen habe. Sie sagten dann x-mal eigentlich, nein, das gehe nicht. Es sei einfach ein Gesetz. Und irgendwann sagten sie, also … Die Eltern durften gehen, und sie durften je jemanden mitnehmen. Dann haben wir aber die Schwestern mit dem Schwager zu den Schwiegereltern geschickt, damit sie es zuerst ihnen sagen, bevor das Care-Team zu ihnen fährt. Und dann sind meine Mutter und mein Vater mitgekommen. Dann durften wir endlich hinuntergehen. Ich weiss noch, zuerst hatte ich ein bisschen Angst. Dann ging die Tür auf, und ich sah sie auf dieser Tanzfläche – mit dieser weissen Decke. Nur der Kopf war aufgedeckt. Und in dem Moment dachte ich nur noch, oh Laura. Ich war froh, sie zu sehen. Ich bin zu ihr hingegangen. Und doch dieses Unvorbereitete, dieses weisse Tuch und sie einfach dort liegen zu sehen. Aber sie hat so bildschön ausgesehen. Unglaublich. Als hätte sie nichts gehabt. Dann habe ich sie nur noch am Gesicht berührt. Und dann diese Kälte. Ich bin zurückgewichen. Dann schaue ich meine Mutter an und sagte, sie ist wahnsinnig kalt. Ist das normal? Meine Mutter vergesse ich nicht mehr. Sie ist eigentlich jemand, der immer sofort eine Antwort gibt, aber sie stand selber wie geschockt da. Dann schaue ich meinen Mann an, und mein Mann war wirklich selbst … Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er sie überhaupt berühren konnte. Er hat so geweint, es tat mir so leid. Dann habe ich meinen Vater angeschaut, und sein Blick, er war wirklich … Also beide, alle, wir sassen da und wussten nicht, wie wir mit dem Ganzen umgehen sollten. Und mir hat es so das Herz zerrissen, dass ich sie jetzt dort lassen musste. Der Gedanke, sie wird nie mehr zurückkommen. Sie wird diesen Weg nicht mit uns machen. Ich muss sie fremden Leuten mitgeben.


Stephi: Hat man sie … Also hattet ihr lange Zeit bei ihr? Durftet ihr lange bei ihr bleiben?

Sarah: Nein. Vielleicht gerade mal fünf Minuten. Der Bestatter war zwar sehr freundlich. Er hat uns schon Zeit gelassen, aber er hat doch immer wieder gesagt, im anständigen Rahmen. Nicht so, jetzt müsst ihr raus und gehen. Und es waren eigentlich auch alle sehr, sehr ruhig. Aber irgendwie habe ich dann einfach gemerkt, sie müssen gehen.


Stephi: Wieso?

Sarah: Sie haben sie in die Rechtsmedizin nach Basel gebracht. Der Bestatter hat sie dann so bereit gemacht, dass sie sie mitnehmen und dorthin bringen konnten. Ja, und so sind wir dann gegangen. Wir sind zuerst zu den Schwiegereltern gefahren, und diese Fahrt ist innerlich so eingeprägt. Das ist unglaublich, diese Fahrt, ins Auto einzusteigen ohne das Kind. Mit dem Gedanken, nie mehr mit dem Kind einzusteigen. Bei den Schwiegereltern angekommen waren alles Verwandte meines Mannes dort. Und wir haben eigentlich nicht einmal gross geredet. Einfach nur umarmt. Bei den Schwiegereltern sind wir einfach gesessen, haben einander gehalten. Dann sind wir zu meiner Mutter gefahren, weil unsere Kinder dort schliefen und ich bei ihnen sein wollte. Wir haben dort geschlafen, die erste Nacht. Irgendwann bin ich doch eingenickt, mit sehr viel Schmerz unruhig eingeschlafen. So viel Dunkelheit. Kein Gefühl. Und doch den Schmerz so stark spüren. Weil es ist wirklich, man kann es nicht in Worte fassen. Also du verstehst es.


Stephi: Ja, ich, ja.

Sarah: Man kann nicht beschreiben, was man innerlich eigentlich fühlt. Das ist wirklich so eine Leere.


Stephi: Ja, es ist eine Leere. Es ist eine absolute Leere und so ein Ohnmachtsgefühl. Du bist irgendwie da und irgendwie gleichzeitig nicht. Aber hast du es den Kindern dann schon gesagt?

Sarah: Nein, erst am Morgen. Wenn ich jetzt noch eine Erinnerung habe, dann glaube ich, dass sie der Mann von der Mutter hat es gesagt. Ja, aber irgendwie glaube ich, dass sie es nicht so richtig realisiert haben. Als ich es ihnen dann am Morgen gesagt habe, als sie aufgestanden sind, war die erste Frage noch einmal, was mit Laura sei. Wo sie sei. Ob sie komme. Und dann habe ich gesagt, nein, sie ist leider tot. Sie ist jetzt im Himmel. Bei den Grosseltern. Für mich waren es die Grosseltern, für sie die Urgrosseltern.


Stephi: Wie haben sie reagiert?

Sarah: Mein Sohn hat ziemlich geweint. Und bei der Kleinen ist es wahnsinnig schwer. Sie hat das irgendwie gar nicht … ich glaube, sie konnte es nicht wahrhaben. Sie konnte es nicht glauben. Wie kann man das sagen?


Stephi: Dazu kommt auch das Alter, oder nicht? Das Alter, in dem man vielleicht auch noch fragt, was heisst das, was bedeutet das?

Sarah: Ja. Ich glaube, das macht wahnsinnig viel aus. An diesem Tag kam dann der Rest meiner Familie. Also auch Cousinen und Tanten. Der Pfarrer kam auch, und wir haben ziemlich viel geredet. Es tat sehr gut. Er hat immer die richtigen Worte gehabt. Am Montagmittag kam dann der Anruf von der Rechtsmedizin. Nein, nicht von der Rechtsmedizin, sondern vom Bestatter, dass sie sie holen dürfen. Sie hätten Bescheid bekommen. Es sei alles gemacht. Und jetzt dürften wir entscheiden. Und das ist noch beeindruckend, weil ich meiner Mutter zu Hause immer gesagt habe, am liebsten hätte ich sie in einem Sarg wie Schneewittchen. Einfach bei mir zuhause.


Stephi: Ja, damit man sie immer anschauen und zu ihr kann. Ja, das kann ich so nachvollziehen.

Sarah: Genau. Und dann sagte mir der Bestatter, dass wir sie parat machen dürften, wenn wir wollten. Sie könnten es aber auch machen. Für sie spiele das keine Rolle. Wir dürften als Eltern entscheiden, was wir wollen. Und sie würden sie auch sofort zu uns nach Hause bringen, wenn wir das wollten.


Stephi: Wie schön. Also mega schön. Das habe ich noch nie so gehört.

Sarah: Und meine Mutter sagte noch einmal, Sarah, dein Wunsch könnte ja eigentlich sozusagen in Erfüllung gehen. Und ich so, ja. Dann habe ich meinen Mann angeschaut und gefragt, ob wir das machen wollen. Ob wir sie zusammen parat machen wollen. Und dann sagte er, ja. Und dann sind wir am Abend dorthin gefahren. Wir haben ihr Kommunionskleid mitgenommen, ihre Schuhe, wir haben alles mitgenommen. Ich habe auch den passenden Nagellack mitgenommen. Und dann waren wir dort. Eigentlich hatte ich mich so gefreut wieder bei Laura zu sein und dann sah ich sie doch in diesem Tuch. Es tat mir dann so weh, weil sie überall Narben hatte.


Stephi: Ja, von der Gerichtsmedizin.

Sarah: Genau. Und das war unglaublich schwer. Und dann sagte ich zu meinem Mann, machen wir sie hübsch. Und plötzlich merkte ich, er stand einfach da. Er konnte es nicht.


Stephi: Blockiert.

Sarah: Er war wie einfach weg und hat nur noch geschaut. Und ich fand dann, ich mache das jetzt. Irgendwann hat er dann mitgeholfen. Ich habe angefangen, ihr über die Haare zu streichen. Und plötzlich merkte ich, ich habe Haare in den Händen. Dann wollte ich sie anziehen und ein wenig waschen. Und dann hat sie angefangen zu bluten, da ist Blut herausgelaufen. Das hat mir … Dann habe ich aufgehört, den Bestatter angeschaut und gefragt, ob das normal sei und ob ich ihr wehtue. Er hat gesagt, nein. Aber der eine ist dann auch hinausgegangen. Er konnte das nicht mehr. Es war für ihn zu viel.


Stephi: Es war auch zu viel. Emotional ist das eine hochbelastende Situation.

Sarah: Genau. Er hat dann jemand anderen geholt, und dann kam der Erfahrene, der schon länger dort arbeitet. Er sagte, wir machen das jetzt zusammen. Wir haben sie hochgehoben und angezogen. Aber Wahnsinn, auch das spüre ich jetzt noch in meinem Körper, diese Schwere, diese Kälte und einfach dieses Leblose. Und trotzdem wollte ich sie nur noch mal im arm halten.


Stephi: Ja. Ich habe das auch ein wenig ähnlich erlebt wie du. Nicht, dass wir sie hätten bereitmachen dürfen, aber im Krematorium durften wir unsere Tochter noch einmal anschauen. Und als ich sie berührt habe, war sie so hart. Das Weiche war nicht mehr da. Und die Haare waren auch anders. Also nicht die Haare selber, aber die Kopfhaut ist teilweise am Kopf geblieben. Es war einfach nicht mehr so, wie man es kennt. Für mich war das aber ein sehr wertvoller Moment, weil es gezeigt hat, was Leben eigentlich ist. Was es ausmacht, wenn nur noch der Körper da ist. Hast du das auch so erlebt, dass du gemerkt hast – das ist eigentlich nicht mehr sie, oder?

Sarah: Ja. Enorm. Sie sah so bildschön aus, aber all das …


Stephi: Aber das, was sie ausmacht – ist wie nicht mehr dort. Und eigentlich ist das sehr wertvoll, finde ich, für die Verarbeitung, oder? Zu sehen, sie ist irgendwo anders hin, oder das ist nur noch der Körper. So.

Sarah: Ja. Das ist genau so, ja. Und auch, weil ich mich vorher nie so mit dem Tod befasst hatte oder so etwas gesehen oder beachtet hatte. Sie hatte auch so blaue Flecken. Das tut einer Mutter wahnsinnig weh. Das geht so hinein. Und natürlich auch einem Vater.


Stephi: Klar.

Sarah: Ich wollte es irgendwie durchziehen, weil ich fand, ich brauche das, ich muss. Und ich habe ihr noch die versprochenen Nägel gemacht.


Stephi: Ach schön.

Sarah: Ja, mit zitternden Händen. Ich glaube, ich habe noch nie so schlimm Nägel lackiert, aber ich habe sie gemacht. Weil ich es ihr versprochen habe.


Stephi: Weil du es versprochen hast.

Sarah: Ja. Und dann wurde sie in den Sarg gelegt. Wunderschön. Sie sah wirklich schön aus, mit ihren langen blonden, gewellten Haaren. Ihren blauen Augen. Also sie hatte auch die Augen immer noch ganz leicht offen. Sie hatte sie nie ganz geschlossen. So, als würde sie immer noch ein wenig durchblinzeln und schauen, was man macht. Und dann haben wir den Rest der Familie hereingelassen. Meine Mutter war mit meinen Geschwistern da. Dann haben wir sie noch mit Blumen und Rosen geschmückt und ihr noch ihr Nuschi dazugelegt. Aber nicht ihr Lieblingsnuschi, sondern ihr Zweitnuschi. Beim Lieblingsnuschi fanden wir, das müssen wir für uns behalten. Wenn wir es brauchen, dann benutzen wir es. Aber damit sie trotzdem genug warm hat. Ich glaube, das hast du auch einmal beschrieben, dass du wegen der Kälte daran gedacht hast. Und ich habe die Decke auch so gemacht, dass sie schön warm hat.


Stephi: Warm. Ja, ich weiss auch nicht, das ist irgendwie so ein Mami-Instinkt. Also weisst du, als du jetzt beschrieben hast, dass sie so kalt war, als du sie berührt hast. Das hatte ich auch. Mein erster Gedanke, als ich sie in den Arm genommen habe, war, sie ist so kalt, sie braucht eine Decke. Die ungläubigen Blicke rundherum habe ich schon mitbekommen. Also dieses, dass sie jetzt keine Decke mehr braucht, dass sie nicht mehr kalt hat. Aber für mich war es so. Und dass man mir dann eine Decke gegeben hat, in die ich sie einkuscheln konnte, war auch wichtig.

Sarah: Ja, genau, und das haben wir auch so gehabt. Dann sind wir heimgekommen und später mit den Kindern wieder hin, weil die Kinder ja nicht dabei gewesen waren. Als wir die Kinder holen wollten, wollten die die Verwanden meins Mannes den Rosenkranz beten. Da habe ich gesagt, dass sie das machen können, ich aber nicht dabei bin. Sie haben dann in dieser Zeit bei Laura gebetet. Und mein Mann sagte, weisst du, was wir jetzt machen? Wir bemalen den Sarg, den Deckel. Mit ganz vielen Fotos. Wir sind zuerst noch nach Hause und haben alle Fotos zusammengesammelt. Dann haben wir ihn mit den Kindern schön dekoriert. Wir haben Handabdrücke gemacht. Wir fanden, dass jeder darf. Es kam dann auch immer wieder jemand vorbei und hat hineingeschaut. Dann habe ich gesagt, ob er oder sie auch möchte, natürlich sehr gern. Und jeder hat irgendetwas darauf gemacht, worauf er einfach Lust hatte.


Stephi: Mega.

Sarah: Genau. So haben wir den Sarg schön dekoriert. Sie waren dann fertig, und dann sind wir mit den Kindern hinüber. Nein, in dem Fall waren die Kinder dort noch nicht dabei, weil Aurora … Ich sage ja, ich habe dort auch immer wieder Lücken. Es ist unglaublich, was man für Lücken hat. Sie haben sie dann am Dienstag das erste Mal gesehen. Das heisst, da bin ich noch nicht hineingegangen. Sie haben nur geschmückt, und dann sind wir in dem Fall heimgegangen. Am Dienstag haben wir den Sarg in Besitz genommen, und sie haben Laura nach Hause gebracht. Genau. Und dort habe ich noch etwas erlebt, das ich ein wenig hart fand. Also hart, wenn man nicht weiss, wie man es den Kindern gegenüber genau machen soll. Ich habe beim Care-Team angerufen und gefragt, was für die Kinder am besten ist. Sollen sie ihre Schwester sehen? Sollen sie ihre Schwester nicht sehen? Und dann hat er gesagt, wir wüssten schon, was richtig sei. Wir sollten es einfach nach dem Mami-Gefühl machen.


Stephi: Aber das war ja nicht das, was du hören wolltest.

Sarah: Nein, eben nicht. Dann habe ich gesagt, ja, okay, das ist wahnsinnig schwer. Ich wollte es nicht dramatisieren.


Stephi: Ja, das ist ja voll schwierig. Du willst nichts falsch machen, oder? Du willst wissen, was richtig ist, was falsch ist. Was sind Erfahrungswerte?

Sarah: Genau, ja. Dann haben wir aufgelegt, und ich habe meinem Mann gesagt, am Dienstag kommt sie, und dann lassen wir einfach die Kinder entscheiden. Das war dann auch der Grund. Die Bestatterin hat Laura mit dem Sarg nicht in ihr Bett gelegt, sondern auf unser Bett gelegt. Sie hat sie dorthin gelegt, wo wir sie haben wollten, damit wir den letzten Abschied so machen konnten, wie wir es fühlten und wollten. Und das fand ich wahnsinnig erleichternd. Wir haben dann aber wegen der Kinder entschieden, dass wir sie bei uns im Schlafzimmer mit dem Sarg aufs Bett stellen, damit es doch irgendwo eine Abgrenzung gibt. Auch das mit dem Sarg, fand ich, macht es für die Kinder vielleicht doch noch ein klein wenig …


Stephi: Nicht so hart.

Sarah: Genau. Und ich war dort den ganzen Morgen. Mein Mann war auch sehr lange bei ihr. Wir sind neben ihr gelegen. Ich habe die ganze Zeit ihre Hand gehalten. Wir hatten die Fenster ganz offen.


Stephi: Ja, das Zimmer muss ja kalt sein.

Sarah: Genau. Damit sie natürlich auch noch länger so bei uns sein konnte. Und man merkt es ja auch dort, wo ich lange ihre Hand gehalten habe, dass die Haut dann anfängt, gelblich zu werden. Und das wollte ich nicht. Ich wollte immer, dass sie so lange wie möglich bei mir bleiben kann, aber mit ihrer Haut so. Und das hat mir wahnsinnig gutgetan. Ich bin dann auch neben ihr eingeschlafen, und ich habe ihr noch x Sachen gesagt, die ich ihr sagen wollte. Mein Mann auch. Ich bin dann auch einmal hinausgegangen, damit er seinen Moment mit ihr hat. Am Mittag kamen dann die Kinder, weil sie von Anfang an wieder in die Schule und in den Kindergarten gingen. Genau, du hast das auch beschrieben, den normalen Tagesablauf wieder machen. Die Kinder kamen die zur Tür rein und fragten, Ist Laura da? Dürfen wir sie sehen? Dann habe ich gesagt, dass sie sie sehen dürfen, aber wissen müssen, ob sie das wollen oder nicht. Sie dürfen es selbst entscheiden. Wenn nicht, sei es für mich und Papi nicht schlimm. Sie sagten, doch, sie wollen. Dann sind sie hineingegangen. Mein Sohn stand am Bett und weinte, unglaublich fest. Und meine Tochter ging ans Bett, lachte sie an und sagte: „Laura, da bist du ja endlich.“ Sie war so glücklich. Dann fragte sie: „Mami, darf ich sie berühren?“ Und ich sagte: „Ja, natürlich.“ Und dann war diese Berührung für sie wie …


Stephi: Es hat sie beruhigt.

Sarah: Fast so hat ihr Blick ausgesehen. Dann ging sie weinend in ihr Zimmer. Ich bin ihr nachgegangen, und dann hat sie geweint. Das war das erste Mal, dass alles möglich war, sie hat geweint bis zum Gehtnichtmehr. Und ich glaube, dort war der Punkt, an dem sie es realisiert hat.


Stephi: Sie hat realisiert, was es bedeutet. Aber gut. Weisst du, so schlimm und so emotional es ist, es war so gut, dass sie dabei sein durfte und dass ihr so offen wart. Dass ihr euch nicht vor ihr verschlossen habt. Für ihre Verarbeitung war das sicher auch sehr wichtig.

Sarah: Ja, das denke ich im Nachhinein auch. Sie durften das noch. Mein Mann hat ihnen dann Teigwaren gemacht, so ein schnelles Essen. Am Nachmittag sind sie dann noch einmal in die Schule gegangen, nein, sogar beide noch einmal. Danach haben wir sie nochmals gerufen und gesagt, wenn sie möchten, dürfen sie noch einmal hineingehen. Aber man hat schon gemerkt, sie sind dann nicht mehr gross hineingegangen. Wir haben sie auch gefragt, ob wir ihr noch Sachen mitgeben sollen, etwas, das ihnen wichtig ist. Ob sie einen Brief mitgeben möchten oder irgendetwas, bei dem sie sagen, doch, das wollen sie ihr mitgeben. Wir hatten Adventskalender von ihr. Wir haben dann die ersten Sachen geöffnet und ihr mitgegeben. Dann hatten wir noch Zeichnungen, und Briefe haben sie geschrieben. Ich habe alles nachgeschaut. Sie durften alles machen, was sie wollten, und es ihr dann einfach mitgeben. Und sie hat es dann irgendwo in ihren Sarg hineingesteckt.


Stephi: Ja. Darf ich dich fragen, habt ihr Fotos gemacht?

Sarah: Ich ja. Die sind bei mir im Geheimen, also auf dem Handy. Ich muss bei den Jüngsten immer schauen, dass sie mir da nicht … Ich wüsste jetzt nicht, ob sie das noch einmal so sehen sollte. Für mich habe ich das Foto gemacht, ja. Mein Mann wollte, glaube ich, keines für sich. Aber er weiss ja, dass ich es im schlimmsten Fall habe.


Stephi: Ja. Ich finde es unglaublich wichtig, dass man sich traut, ein Foto zu machen.

Sarah: Also ich will sowieso bildschön aussehen. Also so. \[lacht\]


Stephi: Ja, klar, oder?

Sarah: Sie hat wirklich wie ein Dornröschen im Schlaf ausgesehen. Das ist auch einer der ersten Gedanken, den ich nie mehr vergesse. Als der Pfarrer hereinkam, am Nachmittag ist ja noch der Pfarrer gekommen. Dann stand er im Zimmer und musste auch sagen: «Sie sieht so friedlich und erlöst aus, aber sie sieht auch so schön aus.»


Stephi: Schön.

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Zeitabschnitt

Mit der Trauer Leben

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Sarah: Jetzt aber zur Frage, was der Grund war, dass sie gestorben ist, das nimmt uns alle wunder. Was hatte sie?

Sarah: Genau, das ist erst zwei Monate später herausgekommen. Wir haben fast ein bisschen mit dem Staatsanwalt gestürmt, damit sie endlich vorwärtsmachen. Und im Februar ist dann endlich herausgekommen, dass sie eine AVM hatte. Das ist eine arteriell-venöse Malformation. Ich finde, am einfachsten erklärt ist es so, dass sich eine Arterie und eine Vene verknoten. Wie wenn man in eine Schublade schaut mit ganz vielen Stromkabeln. Das gibt so einen richtigen Knüppel. Und so sieht eigentlich eine AVM aus. Es können sich auch Aneurysmen bilden. Irgendwann funktioniert das dann halt nicht mehr. Der Fluss funktioniert nicht mehr. Und wie in ihrem Fall, kann es dann immer wieder mal eine kleine Öffnung geben. Dadurch gibt es eine leichte Blutung. Und deswegen ist das so wahnsinnig schwer. Das Aneurysma, das man kennt, platzt ja direkt. Und dann haben die Leute sofort Reaktionen. Also unbeschreibliche Kopfschmerzen, sie fallen entweder direkt in Ohnmacht und können gar nicht gross reagieren, oder … Und eine AVM spielt ein bisschen. Eine richtig gemeine Krankheit. Also sie öffnet sich einmal, oder sie kann sich auch wieder schliessen. Und irgendwann im Wachstum kann sie sich vergrössern. Darum passiert das auch oft bei Kindern, genau in diesem Alter, im Wachstumsalter. Es kann vielleicht auch mehr ziehen. Es sind eben dünnwandige Gefässe, alles so kleines, nicht normales Gewebe. Und in ihrem Fall war es dann in dem Moment, als sie erbrochen hat und den epileptischen Anfall hatte, dass die AVM geplatzt ist. Und darum war es auch so wahnsinnig schwierig, als ich in diesen zwei Monaten bei Google gesucht habe. Es gab nichts. Auch die Obduktion, ob wir dort etwas sehen würden, dazu sagten sie nur, dass sie eine Hirnblutung gesehen haben. Sie konnten ausschliessen, dass es ein Schlag auf den Kopf war. Das konnten sie ausschliessen. Für sie war auch wichtig, dass es wirklich nicht von aussen kam.


Stephi: Keine Dritteinwirkung.

Sarah: Genau. Und für mich war natürlich auch wichtig, ob sonst irgendetwas passiert ist. Aber mehr konnten sie nie beantworten. Das kam wirklich erst bei der Obduktion in diesen zwei Monaten heraus.


Stephi: Sehr ungewiss.

Sarah: Und dann hatte man eigentlich endlich einmal eine Antwort. Vor allem für mich war diese Antwort wahnsinnig wichtig, weil ich mir bis dahin so viel Schuld gegeben hatte. Und irgendwie hat nichts übereingestimmt. Ein Tumor hätte sein können, aber der platzt ja nicht einfach so. Und ein Aneurysma konnte es nicht sein, weil das von den Symptomen her nicht passte. Und damit war ich sehr viel im Internet unterwegs. Ich habe auf Facebook wahnsinnig tolle Gruppen gefunden. Von AVM-Betroffenen. Ich bin dann auch in eine Kindergruppe hineingegangen. Und ich glaube, im März, ein paar Wochen später, habe ich meinen Mann gefragt, ob ich dort einfach einmal hineinschreiben soll. Er meinte dann, ob ich nicht denke, dass das sehr hart sei, wenn ich das so hineinschreibe. Es gebe ja auch solche, die kämpfen. Dann sagte ich, ich wisse es nicht, aber vielleicht gebe es auch solche, bei denen es sich eben nicht so äussert. Und mir ging es mehr darum, dass ich mir so wahnsinnig Schuld gab und wissen wollte, was ich übersehen hatte. Und eigentlich konnten sie mir am ehesten helfen. Das sind Leute, die betroffene Kinder haben.


Stephi: Total. Ja.

Sarah: So habe ich dann einen Text geschrieben. Mein Mann hat ihn mir auf Englisch korrigiert, weil dort alle Englisch sprechen. Es ist eine Gruppe aus Amerika. Dann habe ich das hineingeschrieben. Ich glaube, innerhalb von weniger als einer Stunde hatte ich hundertvierzig Nachrichten. Von ganz vielen Leuten. Von Leuten, die eben auch Kinder verloren haben und das verstehen. Und dann sind sogar noch Väter in die Gruppe hineingekommen, damit sie mir auch schreiben konnten.


Stephi: Schön.

Sarah: Weil sie genau verstehen, was man meint. Man gibt sich eigentlich so eine Schuld. Was hat man nicht gesehen, was hätte man sehen sollen? Und dann gab es auch Leute, die geschrieben haben, ihre Kinder hätten auch viel Migräne gehabt. Sie hätten zuerst auch gedacht, es sei eine Migräne. Ein Vater schrieb, er habe Glück gehabt, weil das Spital gerade nebenan gewesen sei. Keine fünf Minuten Autofahrt. Sonst hätte es seinem Kind nicht das Leben gerettet.


Stephi: Ich muss da kurz eine Verständnisfrage stellen. Das ist nicht von Geburt an eine Fehlbildung, sondern das kann jederzeit kommen?

Sarah: Doch, von Geburt an.


Stephi: Und die kann man behandeln?

Sarah: Ja, wenn man sie entdeckt. Bei den meisten ist es ein Zufallsbefund. Oder eben durch Symptome.


Stephi: Und Symptome sind häufiges Kopfweh?

Sarah: Ja, ich finde, das ist immer eine ärztliche Sache. Aber bei der Umfrage, die wir dort einmal gemacht haben, war es wirklich, ich sage fast bei achtzig Prozent, wie bei Laura. Es kam dieser plötzliche, starke Kopfschmerz. Das war eigentlich die richtige Beschreibung von ihr. Es kam wirklich von null auf hundert. Bei den meisten fängt dann auch noch das Augenflattern an. Sie haben grosse Mühe mit der Sicht. Irgendwann kommt dann dieses Ohnmachtsgefühl, ein epileptischer Anfall.


Stephi: Aber wie bei dem Vater, der das beschrieben hat, kann man, wenn man schnell ist, ins Spital kommt und es gerade erkennt, gut herauskommen.

Sarah: Nicht immer. Es kommt dann auch immer noch darauf an. Auch dort ist es immer unterschiedlich. In seinem Fall ist es gut gekommen. Es kommt immer darauf an, welche Art und welche Grösse die AVM hat. Es gibt Stufen von eins bis fünf, und fünf ist die grösste. Und dann kommt auch noch die Hirnregion dazu. Genau, auch in Lauras Fall. Im Kleinhirn ist es sehr nahe am Hirnstamm, und das bildet immer eine Gefahr. Ich glaube, es kommt auch auf die Blutung selber an, also darauf, wie stark sie ist. Der erste Schritt bei einer geplatzten AVM ist eigentlich immer, den Druck im Kopf zu lösen. Wenn sie in den OP-Saal gehen, öffnen sie als Erstes den Schädel und lösen den Druck. Und dann kommt es immer auf die Person an. Es gibt viele Fälle, die wahnsinnig gut ausgehen. Und es gibt wahnsinnig viele Fälle, bei denen man dann denkt, wie bei Laura, warum ist es dort nicht gut gegangen? Eine Mutter hat auch eine ähnliche Geschichte. Ihr Sohn hatte am Nachmittag einfach Kopfschmerzen. Sie dachte auch, ja, eben. Schlussendlich ist er dann im Spital gestorben, als er auch im OP-Saal lag. Und dort hat man ja auch eher die Chance, dass es gut erkannt wird, und trotzdem ist die Chance dann nicht da. Ich glaube, es ist schon sehr … Und das Hirn ist natürlich auch so, wenn man in den OP geht, weiss man nie, wie man wieder herauskommt. Sie sagen auch, in Lauras Fall, mit so langem Sauerstoffmangel wäre es vielleicht auch ein schwerstbehinderter Fall gewesen. In der AVM-Gruppe war das für mich auch wahnsinnig schwer zu erkennen. Früher habe ich nicht so daran geglaubt, weil ich immer wieder festgestellt habe, dass jemand, der fünf Minuten Sauerstoffmangel hatte, manchmal vielleicht schwerer behindert ist als jemand, der dreissig Minuten Sauerstoffmangel hatte. Für mich ist das wahnsinnig schwer. Aber ja, das ist immer so eine Sache, die für mich wahnsinnig schwer ist. Ist es so? Oder wenn ich die Leute reden höre, ist es immer anders. Man kann sich irgendwie nicht darauf verlassen. Es hätte natürlich auch so sein können. Aber die Gruppe hat mich wahnsinnig gestärkt.


Stephi: Ja, das glaube ich.

Sarah: Wahnsinnig gut auch. Gleichzeitig hatten wir nebenbei, ja, diese psychiatrischen Sachen. Das war wahnsinnig schwer, finde ich. Es war auch Corona-Zeit. Alles war überfüllt. Dann hat man mir immer wieder gesagt, auch wegen der Kinder … Und ich habe gesagt, ja, aber wenn man anruft, heisst es, sie seien überfüllt. Sie hätten keinen Platz, auch für uns nicht.


Stephi: Also musstest du dich selber um Unterstützung kümmern?

Sarah: Ja, genau. Wir mussten immer selber anrufen. Wenn ich angerufen habe und diesen Satz zu hören bekam, habe ich mich mega genervt. Weil ich fand, es ist etwas, das von null auf hundert passiert. Wir haben kein psychisches Problem oder sonst etwas.


Stephi: Du hast keinen Vorlauf. Es braucht jetzt Hilfe.

Sarah: Genau, wir haben ein Trauerproblem. Wir haben etwas, das … ja. Aber wir haben nie einen Platz bekommen. Bei den Kindern muss ich sagen, habe ich irgendwann gemerkt, dass sie … Eben, wir haben den Ablauf auch sehr schnell wieder in einen normalen Ablauf gebracht. Am Anfang waren noch viele Ängste da. Ich bin eher ein Mensch, der vieles immer allein machen will. Und ich habe dann immer gefunden, ich will meine Ruhe haben, und habe einfach gesagt, nein, es ist okay. Dann habe ich den Rhythmus für die Kinder wirklich von A bis Z wieder normal laufen lassen. Aber wenn dann einmal ein Helikopter geflogen kam, wenn irgendetwas war, dann merkte man die Panik. Dann hat es bei der Kleinen angefangen mit der Angst vor dem Tod. Und innerlich habe ich dann immer gedacht, ja, und wenn sie jetzt zu einem Psychiater gehen, sie haben ja Angst vor dem Tod. Sie kämpfen mit dem Tod. Sie haben Angst davor, dass man von null auf hundert plötzlich nicht mehr existiert. Oder sie fragen, was ist mit Laura? Ist sie wirklich im Himmel? Diese Frage kam auch von Aurora. Sie fragte, ob es den Himmel wirklich gebe und wo sie das bestätigt bekomme. Ja, gute Frage. Ich kann das nicht hundertprozentig bestätigen. Und dann habe ich sehr viele Trauerbücher gelesen, auch von Pascal Voggenhuber, ja genau, und habe mich sehr damit befasst. Parallel zur AVM-Gruppe und zu dem anderen hat mein Bruder im Internet einmal eine Seite mit Trauergruppen gefunden. Dort habe ich dann eine Trauergruppe für Eltern gefunden. Da sind ganz viele betroffene Eltern drin. Und dann habe ich Annika aus Österreich kennengelernt, die auch eine Tochter verloren hat. Sie schrieb dann, dass sie wisse, wie man die Tochter treffen könne. Und das hat mich wahnsinnig interessiert.


Stephi: Ja, natürlich.

Sarah: Das ist unglaublich. Dann war ich auf vielen Internetseiten, habe mega viel gelesen, auch ihre Bücher, und mich damit beschäftigt. Sie hat mir dann erklärt, dass sie eigentlich das Klarträumen übt. Also das luzide Träumen sozusagen. Ein bisschen bekannt ist das ja aus dem Film mit Leonardo DiCaprio, aus Inception, oder? Und dann habe ich gedacht, dass das wahnsinnig interessant ist. Ich habe mir Bücher bestellt und eigentlich das gemacht, was sie gesagt hat, auch mit diesen spezifischen Übungen. Sie hat dann eben gesagt, dass man irgendwann so etwas wie eine Astralreise machen könne, und sie konnte ihre Tochter so treffen. Und das hat ihr wahnsinnig geholfen. Je mehr ich mich damit befasst habe, desto mehr habe ich gemerkt, dass ich wahnsinnig viele Dinge aufnehme, Botschaften, Zeichen. Gewisse Sachen, die mich dann plötzlich irgendwie erreicht haben. Oder in den Büchern habe ich Dinge gelesen und gedacht, ja, das war jetzt wie eine Botschaft. Also das ist wirklich … Parallel dazu hat mich dann noch jemand gefragt, auch eine Mutter, deren Sohn in Lauras Klasse war. Sie hat gesagt, sie mache viel Meditation und Zirkelsachen, und ob ich nicht auch dazukommen wolle. Dann bin ich auch in diese Gruppe gegangen. Ich habe dann immer am Mittwoch meditiert, und ab und zu, an einem Dienstag im Monat, bin ich in den Zirkel gegangen. Da hat mein Körper angefangen, wahnsinnig mit dem Glauben zu arbeiten. Früher war ich überzeugt, dass es danach nichts gibt. Und das war eine enorme Dunkelheit in mir. Mit Laura hat sich diese Angst in mir dann noch verstärkt. Ich hatte schon vorher grosse Angst vor dem Tod. Laura hat noch ein paar, ich glaube zwei Monate vor ihrem Tod, nachts im Bett geweint und gesagt, Mami, ich habe mega Angst vor dem Tod, wenn ich sterbe. Dann habe ich gesagt, wieso solltest du sterben?


Stephi: Wirklich?

Sarah: Ja. Und dann sagte sie, ich weiss nicht, was danach passiert. Was gibt es nach dem Tod? Ist dann nicht Dunkelheit? Bin ich nicht im Ewigen … Genau diese Sätze, die eigentlich von mir hätten sein können, obwohl ich das bei den Kindern nie geäussert habe. Dann habe ich gesagt, nein, Laura, zu hundert Prozent kann ich das nicht sagen. Wir hoffen natürlich, dass es den Himmel gibt, Engel und in deinem Fall Grosseltern. Und bis du stirbst, sind wir dort, und dann kann ich dir ja die Botschaft schicken.


Stephi: Aber schon sehr speziell, dass sie sich auch damit befasst hat.

Sarah: Ja, wirklich. Ich denke immer wieder darüber nach. Sie war eben eine Ängstliche, wie ich. Und ich habe dann gemerkt, dass mir das alles wahnsinnig gutgetan hat. Ja, und bei meinem Mann war es interessant. Er hat immer wieder nachgefragt, aber er konnte es nicht so richtig glauben. Bis ich ihm einmal ein Quantenphysikbuch gekauft habe, weil ich gesagt habe, schau, das sind Wissenschaftler, die das ein bisschen belegen. Dann hat er angefangen, sich ein wenig damit zu beschäftigen. Und als dann teilweise wirklich ganz klare Botschaften gekommen sind, also auf Knopfdruck, hat er richtig angefangen … ja, sich auch ein bisschen damit zu befassen. Er hat dann auch gemerkt, dass es natürlich eine Erleichterung ist, auch für die Kinder, wenn man ihnen zeigt, wie sie das machen können, wie sie ein Zeichen holen können. Und dann sind wir das erste Mal zu einem Medium gegangen. Ich war beim ersten Mal wirklich geflasht. Die Frau wusste nichts. Nichts. Ich habe am Telefon nicht meinen Namen gesagt. Ich habe meine Telefonnummer unterdrückt. Sie konnte nichts wissen und hat alles so genau beschrieben. Das ist unglaublich.


Stephi: Ja, das habe ich jetzt schon ein paar Mal gehört.

Sarah: Ja, und das ist dann schon erschreckend, oder? Ich war so happy. Ich bin so erleichtert hinausgegangen und habe gedacht, doch, dann ist das wirklich so. Beim zweiten Mal ist mein Mann gegangen, und ich habe zu ihm gesagt, er solle mir glauben, er werde erleichtert sein, wenn er wieder hinauskomme. Er solle das Wissenschaftliche, dieses ganz Verkrampfte, loslassen, dann komme es auch. Dann ist er hineingegangen, und er war begeistert. Sie hat Dinge über ihn gesagt, die nicht einmal ich so genau gewusst habe. Also, das war … Und er ist dann wirklich einfach dagestanden.


Stephi: Wahnsinn. Hast du spezielle Fragen zum Medium mitgenommen?

Sarah: Nein, ich wollte nur wissen, wie es ihr geht. Ja. Aber diese Frage habe ich ganz am Schluss gestellt. Zuerst redet sie einfach. Ja, zuerst erzählt sie, wodurch Laura quasi zu dir kommt. Genau, ja. Und am Schluss hätte ich dann eigentlich fragen können, aber Laura hatte ihr die Antworten schon automatisch gegeben. Sie wusste schon, was meine Fragen waren. Sie wusste auch, dass es mir körperlich sehr schlecht ging. Dass ich mir enorm die Schuld gebe. Und sie hat immer wieder versucht durchzugeben, dass man es nicht hätte ändern können. Ja, und mittlerweile gehe ich ja selber immer noch fleissig in den Zirkel, meditiere, und ich hatte damals auch diese volle Überzeugung. Darum konnte ich es den Kindern dann wirklich zu hundert Prozent bestätigen. Ich habe ja dann endlich einmal meine Astralreise geschafft. Und sie in diesem Moment persönlich zu treffen, das war für mich so unglaublich. Wirklich unglaublich, ihr diese Umarmung geben zu können.


Stephi: Die letzte Umarmung quasi, oder? Wo du auch nicht weisst, ob du sie ihr mitgegeben hast. So konntest du sie da irgendwie nachholen.

Sarah: Genau. Und darum wusste ich dann auch, dass ich einfach daran weiterarbeiten muss. Aber mittlerweile kann ich auch mit gutem Gewissen sagen, ja, sie ist immer da. Und ich habe das auch den Kindern so weitergegeben. Wir hatten damals wirklich heftige Botschaften, bei denen wir gesagt haben, das kann nur von Laura sein. Der komplizierteste Fall. Aber das ist ja auch so, weil ich so viel gearbeitet habe, viel Stärke gezeigt habe und eigentlich immer für die ganze Familie da gewesen bin. Ich habe für viele versucht, mit dieser Trauer umzugehen, mit den Kindern und allem. Und sie haben sich so gut entwickelt, dass ich ihnen eigentlich selber die Angst nehmen konnte. Es ist alles gut gegangen. Aber im zweiten Jahr hatte mein Körper dann einen totalen, kompletten Absturz, wirklich von null auf hundert. Ich lag nur noch wie ein Haufen Elend da. Im Geschäft hatte ich meine erste Panikattacke. Ich bekam keine Luft mehr. Mein Herz, ich meinte, es explodiert. Dann ist mein Körper rapide hinuntergegangen, und ich hatte nur noch Zittern und innere Unruhe. Ich konnte nicht mehr klar denken. Es ging wirklich nicht mehr. Ich sass nur noch wie ein Haufen Elend auf dieser Couch.


Stephi: Also wie ein Burnout.

Sarah: Genau. Da ging nichts mehr. Die Ärzte sagten dann, ich müsse zu einem Psychiater, so gehe es nicht weiter. Und da habe ich gesagt, ich würde ja wohl zu einem Psychiater gehen, aber ich bekomme ja keinen Termin.


Stephi: Ja, ihr hattet ja keine Zeit.

Sarah: Genau. Vielleicht musste es aber auch so sein, denn ich bin dann zu einem älteren Psychiater gegangen. Ein wunderbarer Mann, auch von der Art zu reden her. Im Nachhinein sage ich eben auch, es hätte vielleicht doch so sein müssen, dass ich zu ihm komme. Er hat mir dann Aufgaben gestellt. Nach ein paar Wochen hat er festgestellt, dass ich mit der Trauer eigentlich sehr gut am Verarbeiten bin. Aber was er festgestellt hat, war, dass ich nicht mehr wusste, wie ich in der Normalität mit meinem Körper umgehen soll. Und er hat gesagt, so gehe es nicht mehr. Das müssten wir jetzt wegstellen. Er hat gesagt, er gebe mir jetzt eine ganz simple Aufgabe für daheim. Ich solle nach Hause gehen und vielleicht einmal für drei, vier Tage die Wäsche liegen lassen. Ich solle auch einmal das Geschirr liegen lassen.


Stephi: Schwierig.

Sarah: Ja. Unglaublich. Ich weiss nicht, was das mit mir gemacht hat. Es hat mich fast wahnsinnig gemacht, aber innerlich war ich ja sowieso schon unruhig. Ich hatte ja schon diese innere Unruhe und alles. Und er hat gesagt, ich solle jetzt eine Tasse Kaffee, Tee oder Wasser trinken, was ich gerne habe. Eigentlich spiele das keine Rolle. Ich solle mich auf die Couch setzen, fernsehen, ein Buch lesen, was ich gerne mache, oder, wenn ich lieber draussen bin, auf ein Bänkli sitzen. Und ich habe festgestellt, dass mir das in all dem gefehlt hat. Ich habe immer parallel weitergemacht. Ich war wieder arbeiten gegangen. Ich habe immer funktioniert, damit es für alle gut ist, aber innerlich bin ich zusammengefallen. Mein Körper hat mich gezwungen. So, jetzt ist fertig, es geht nicht mehr. Und es hat lange gebraucht, wirklich lange, bis mein Körper wieder in einen Zustand gekommen ist, in dem es einfach ging. Das hat mir wahnsinnig wehgetan, weil ich in diesen Monaten, in denen es für mich nicht ging, nicht mehr an Laura herangekommen bin. Es war wie eine Wand. Und ich hatte damals so einen wichtigen Termin mit einem Medium, mit der Rösi heisst sie, glaube ich. Sie ist eine Schweiz weit bekanntes Medium. Sie hatte einen Termin frei, und ich hätte hingehen sollen. Aber ich konnte nicht gehen, weil ich körperlich so schlapp war. Als Zeichen wollte ich etwas, das niemand weiss und das auch viele in meinem Umfeld nicht wissen. Ich habe eine Kette und in dieser Kette, die ich geschenkt bekommen habe, ist eine Haarsträhne von ihr. Und die trage ich ja immer bei mir.


Stephi: Wirklich?

Sarah: Ja.


Stephi: Ich habe noch Haare daheim und will schon die ganze Zeit etwas daraus machen. Ach, schön.

Sarah: Das habe ich auch noch dazu.


Stephi: Das ist eine Herzform. Ja. Und da sind ihre Haare drin.

Sarah: Ich bin noch froh, dass meine Mutter mir damals gesagt hat, ich solle ihr doch ein Stück Haar abschneiden, damit ich etwas habe. Und ich konnte das irgendwie nicht. Ich dachte, Laura wird ihre Haare, das ist …


Stephi: Sie wird, ähm, jucken. \[lacht\] Ja, mir wurde damals wirklich gesagt, ich solle Haare abschneiden. Und vor ein paar Tagen habe ich die Erinnerungskiste hervorgenommen und ihre Haare wieder in die Hand genommen. Und jetzt denke ich, ich hätte noch mehr Haare abschneiden sollen. Aber ich habe eine Strähne. Das ist das, was noch bleibt.

Sarah: Genau. Also, das trage ich ja immer. Das wissen viele nicht. Und das habe ich damals bekommen. Wir haben an Weihnachten immer gewichtelt, gerade an diesem ersten Weihnachten. Es ist Ende November passiert, dann kam das erste Weihnachten, und ich sass schon völlig emotionslos da. Wir wussten nicht, wie wir das machen sollten. Am Tisch waren alle zusammen, und irgendwie habe ich noch nie so ruhige Weihnachten gefeiert wie damals. Die Frau meines Bruders war mein Wichteli, und sie hat mir das geschenkt. Und seither ist es so, dass ich das eigentlich fast immer trage. Dann habe ich mit Laura abgemacht, dass sie dem Medium diese Kette als Zeichen erwähnen muss. Das weiss niemand, dass ich die Kette immer bei mir habe. Also wäre das eine wichtige Botschaft. Eine Woche später rief mich die Frau an, bei der ich meditieren gehe. Sie sagte, sie sei an einem Kurs gewesen und habe einen Mann kennengelernt. Ich fasse es jetzt ein bisschen kurz. Sie waren in so einer Übungswoche, und irgendwann am Schluss musste dieser Mann auf die Bühne. Dann sagte er, dass bei ihm in der Meditation immer ein Mädchen auftauche. Und diesem Mädchen sei es wahnsinnig wichtig, weil es der Mami so, so, so schlecht gehe, ihr gehe es gar nicht gut. Dann fragte ihn Gordon Smith, bei dem sie den Kurs gemacht hatten, ob das jemandem etwas sage. Und Sie sagte, ja, sie habe eine Mutter in ihrer Gruppe, zu der das passen würde. Er erzählte dann noch ein bisschen weiter und bekam am Schluss meine Nummer. Sie fragte mich, ob ich das möchte. Da sagte ich, sehr gern, weil ich ja wahnsinnig traurig gewesen war, dass ich nicht zu diesem Medium gehen konnte.


Stephi: Ja, klar.

Sarah: Als er mich anrief, sagte er mir alles, was er bekommen hatte. Ihm war einfach unglaublich wichtig, dass ich weiss, ich soll mir endlich die Schuld abgeben. Ich soll nach vorne schauen. Sie ist ja da, und das weiss ich, weil er sagte, ich fange ja selber damit an. Das heisst, eigentlich weiss ich es ja selber. Aber ich sagte, das sei einfach ein Mutterherz. Das ist wahnsinnig schwer, und es wird immer irgendwo da drinnen streifen. Es ist einfach … Und dann sagte er, er müsse mir irgendwie noch etwas sagen. Ich hätte irgendetwas mit Haaren und einer Kette, aber er habe keine Ahnung, was.


Stephi: Ich habe wirklich gelacht.

Sarah: Ja, und dann war ich da. Und dann habe ich gesagt, ich wisse etwas. Er sagte, dann sei er ja froh, wenn ich etwas mit den Haaren anfangen könne. Ich konnte nichts damit anfangen. Ich weiss nur, dass ihre Haare unglaublich wichtig sind. Sie zeigt ihre blonden, langen Haare immer. Ihr Äusseres ist ihr wahnsinnig wichtig. Aber irgendwie mit dieser Kette, mit dem Herz, eben, er hat alles wahnsinnig gut beschrieben. Dann habe ich gesagt, ja, ich weiss. Aber ich habe ihm das auch nie gesagt. Und er hat noch einen anderen Punkt genannt, den auch niemand wissen konnte. Aber er weiss es eben. Er hat so viel aufgezählt. Das ist unglaublich.


Stephi: Dass es für dich klar war, das kann nur von ihr kommen.

Sarah: Und ich bin ihr dankbar, dass sie das auf diesem Umweg für mich gemacht hat. Dafür bin ich ihr unglaublich dankbar. Und das sind immer so mega wichtige Punkte, die mir eigentlich sehr weit geholfen haben und durch die ich die Kraft auch der Familie weitergeben kann, eben auch meinem Mann und den Kindern. Ich kann ihnen das immer wieder mit auf den Weg geben. Doch, sie ist da. Man muss nur offen sein und hören.


Stephi: Mega schön. Wie hat dich das verändert, der Tod von Laura? Und wie gehst du heute mit der Schuld um? Hast du das abgeben können?

Sarah: Ja. Nein, hundert Prozent nicht.


Stephi: Gell. Das gibt man nicht ab. Ja, das geht mir gleich. Ich sage immer, ich bin nicht schuld an ihrem Tod, weil ich ja nicht wollte, dass mein Kind stirbt. Aber man hat immer das Gefühl, man habe ein bisschen versagt, oder? Man hätte es erkennen müssen.

Sarah: Genau, ja, das habe ich auch in deinem Buch genau in diesen Worten gesehen. Darum habe ich mich auch so verstanden gefühlt. Das ist ein Mutterherz. Also als Mami, das richtig …


Stephi: Da gibst du dir immer die Schuld am Tod, oder? Irgendwo gibt man sie sich immer.

Sarah: Man tut es schon. Es ist leichter geworden. Man tut auch ein wenig so, eben, es ist Alltag. Ich war ehrlich gesagt auch wieder froh, aber die Gefühle, muss ich sagen, sind, glaube ich, erst nach zwei, drei Jahren wieder gekommen. Ich hatte megalange Angst. Bei meinen Kindern habe ich wie nichts gefühlt. Wenn sie irgendetwas in der Schule hatten, sass ich einfach dort. Ich hatte keine Emotionen. Und das hat mir wahnsinnig wehgetan für die Kinder, weil sie ja auch verdient haben, eine Mutter zu haben, die …


Stephi: Ja, die da ist, die sie spürt.

Sarah: Genau. Ich war schon da, um zu helfen, aber ich habe nichts gefühlt.


Stephi: Ja, das höre ich oft. So ein emotionales Abgestumpftsein.

Sarah: Genau. Und das ist dann aber auch wieder zurückgekommen. Darüber bin ich jetzt auch froh, weil ich sagen kann, doch, ich fühle wieder für meine Kinder. Die Freude und die Liebe. Aber ich sage immer, es ist, wie wenn man einem Herzen einen Drittel herausgerissen hat. Die Dunkelheit, das spüre ich im Alltag immer. Das ist präsent, egal was ich mache. Ich kann zum Kühlschrank gehen, ich kann putzen, ich kann irgendetwas machen. Es ist immer da. Es ist immer da. Also es ist …


Stephi: Es ist immer präsent, und den Rucksack trägst du jetzt mit dir.

Sarah: Ja, genau. Aber man kann jetzt im Alltag irgendwie damit umgehen. Aber es ist immer ein Teil. Und irgendwann kommt es dann wieder, wenn ich in der Nacht überlege, ob ich nicht doch gekonnt hätte, ob ich nicht dieses oder jenes hätte tun sollen. Eben, das sind unzählige Dinge. Ja, und dann kann ich es aber wieder zurückstellen. Aber natürlich, in den ersten Monaten konnte ich das gar nicht. Ich glaube, bis zu einem Jahr habe ich mich in meiner Schuld richtig verfressen. Das Mediale und das Ganze haben das in mir immer mehr gelockert. Weil viele daran arbeiten. Und auch mit meinem Mann darüber zu reden, ist megaschwer, weil er halt ein Mann ist. Er hat von Anfang an nie die Schuld bei mir gesucht, und dafür bin ich ihm wirklich wahnsinnig dankbar. Wirklich. Und er kennt mich ja auch. Ich sage immer, ich glaube, niemand kennt mich so wie er. Und trotzdem konnte man mit ihm darüber nicht reden, weil er das natürlich zu locker sieht. Und ich habe es eben nicht so gesehen. Ich wollte ihm eigentlich zeigen, weshalb er nicht versteht, dass ich die Schuld bei mir suche … Ja, aber irgendwie ist es auch schön, dass er das nicht macht.


Stephi: Ja, und wenn er es machen würde, wäre vielleicht auch eure Beziehung noch einmal eine andere, oder nicht?

Sarah: Genau. Darum bin ich ihm immer dankbar, dass er … Aber es ist natürlich dann auch schwer, wenn man es irgendwie … Darum habe ich mich dann langsam auch bei trauernden Eltern verstanden gefühlt. Zwei, drei Monate nach Laura … Ich weiss noch, der Pfarrer war für die Beerdigung bei uns. Das war ja auch so eine Entscheidung, bei der wir lange nicht wussten, was wir wollten. Wir haben lange mit meinem Mann hin und her überlegt. Wir haben uns dann für die Beerdigung entschieden. Danach sagte der Pfarrer noch, er habe einen Brief und einen Kontakt von einer trauernden Mami aus einer Ortschaft daneben, die auch eine Tochter verloren hat. Wenn wir wollten, dürften wir uns jederzeit melden. Und ich glaube, wir haben uns erst nach zwei, drei Monaten dafür bereit gefühlt. Aber auch das Gespräch mit ihnen … Sie hat mich so verstanden. Und darum habe ich dann fast gewusst, dass es für mich einfacher ist, mit trauernden Eltern zu reden als mit einem Psychiater, weil sie verstehen, was wir durchmachen.


Stephi: Ja, das musst du ihnen nicht erklären.

Sarah: Genau. Und irgendjemand von den Eltern, vielleicht kann es auch einmal der Vater sein, irgendjemand gibt sich immer irgendwo eine Schuld. Man sucht immer.


Stephi: Ist so.

Sarah: Genau. Und der andere Partner sieht es dann wahrscheinlich nicht so. Das ist schon das, was du sagst, vielleicht hält es auch deshalb. Und das ist dann das, was einen irgendwie zusammenbindet. Aber auch meinem Mann hat es gutgetan, mit ihm zu reden. Er hat das dann auch gemerkt. Und sie haben sich dann auch noch ein paar Mal getroffen, mit trauernden Vätern und ich mit trauernden Müttern. Das hat schon gutgetan, ja. Das ist etwas, das ich trauernden Eltern auch oft mit auf den Weg geben kann, dass das wahnsinnig hilfreich ist.


Stephi: Ja, schön. Und jetzt hast du oder habt ihr sehr viel daraus gemacht. Ihr habt eine Homepage, www.4laura.ch. Und wenn du willst, darfst du auch noch kurz erzählen, was ihr dort macht. Ihr sammelt auch Spenden.

Sarah: Genau. Ich habe lange im Internet gesucht, bis ich einen Arzt gefunden habe, der wirklich … Ja, weil ich ja selbst Patientin in Basel bin. Aber wenn ich dort über AVM geredet habe, ist niemand darauf eingegangen. Und in Zürich habe ich dann Herrn Esposito kennengelernt. Das ist ein Arzt, der wirklich sofort darauf eingegangen ist, auch auf Lauras Geschichte. Und jetzt haben wir uns mit ihm zusammengetan. Wir unterstützen seine Projekte. Letztes Jahr hat er unser ein Überraschungsprojekt Laura gewidmet, also der AVM-Forschung.


Stephi: Ah, schön.

Sarah: Genau. Er hat drei Projekte, die wahnsinnig großartig sind, und wir sammeln Geld für die Forschung, die unglaublich wichtig ist. Bei der AVM hat er auch das Ziel, die AVM-Bestimmung über das Mark, also das Blut Mark, zu machen, nur anhand einer Blutprobe. Es sind drei wertvolle Projekte. Wir haben uns vor einem Jahr zusammengetan, und er hat immer gesagt, dass er das vorhat. Letztes Jahr hat er uns dann überrascht und angerufen, dass er es jetzt wirklich eingereicht hat. Das sind diese Projekte. Und das erste Projekt, auch sein Herzensprojekt wie unseres, ist wirklich die AVM-Forschung. Schön. Genau. Die Homepage dient gleichzeitig auch der Aufklärung, so wie es das Ziel ist. Wenn ich jemandem trotzdem eine Chance geben kann, wenn er von meiner Geschichte gehört hat, etwa mit dem plötzlichen Kopfweh. Ich habe auch das Algifor noch hineingeschrieben. Ich würde nicht mehr Algifor geben, sondern wenn ein Kind wirklich so starke Schmerzen hat, eher ein Dafalgan, hier bei uns hat man sehr lange so einen Boom mit dem Algifor gesehen.


Stephi: Immer noch überall, würde ich sagen, oder?


Stephi: Ja, Algifor ist das Wundermittel für alles.

Sarah: Genau. Ich sehe das jetzt eher anders, weil ich dann auch festgestellt habe, dass es in anderen Ländern nicht so ist, dass Ibuprofen so stark eingesetzt wird, sondern eher Paracetamol. Und ich denke, in ihrem Fall, wenn man eine Hirnblutung hat, ist erstens ein Blutverdünner nicht gerade eine gute Situation. Und zweitens hat es den Schmerz vielleicht nicht so stark genommen, dass man vielleicht anders hätte reagieren können. In der Hoffnung, dass irgendjemand das liest und sagt, doch, ich habe das einmal gehört, und dann anders reagiert. Das ist eine Herzensangelegenheit. Ich möchte jemandem das Leben retten, aber auch einer Familie ersparen, das alles durchmachen zu müssen. Das macht mir jedes Mal so weh. Und wenn man jemand anderem dieses Schicksal nehmen kann, dann wäre ich einfach nur dankbar.


Stephi: Es ist wahnsinnig, wie stark ihr als Familie seid. Wir haben ja selber auch unsere Tochter verloren, aber es beeindruckt mich immer wieder, welche Schicksale es gibt und was man daraus macht. Und ich finde auch, Laura bewirkt unglaublich viel über ihren Tod hinaus. Das ist so schön zu sehen. Wer euch unterstützen möchte, soll unbedingt auf die Homepage schauen und euch sehr gern dabei unterstützen. Und ich glaube auch, wenn irgendjemand mit dir in Kontakt treten möchte, du darfst mich korrigieren, dann dürfen wir das sehr gern ermöglichen. Wenn ihr Fragen habt, macht das. Wendet euch an Sarah über die Seite forlaura.ch. Ich möchte mich ganz herzlich bei dir bedanken für das schöne Gespräch.

Sarah: Ich bedanke mich bei dir \[lachen\] fürs Zeitnehmen.


Stephi: Sehr gern.

Sarah: Und ich finde wirklich, dass du etwas wahnsinnig Tolles machst. Auch für viele andere Eltern.


Stephi: Danke vielmals.

Sarah: Und auch für die Kraft, die du natürlich hast.


Stephi: Ja, natürlich. Und ich finde, wie du vorhin gesagt hast, geteiltes Leid ist auch halbes Leid. Wenn man hineinhören und etwas aus einem Podcast mitnehmen kann, oder wenn man so eine Geschichte hört und vielleicht auch dann reagieren kann, ist das für mich etwas sehr Schönes und Wertvolles. Danke vielmals.

Sarah: Merci auch. \[lachen\]

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