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260626 Darshan Lila 03

Sefora,verwaiste Muttererzählt

Die Geschichte von Darshan

In Seforas Leben kommt ihr Sohn Darshan 2019 zur Welt – ein ersehntes zweites Kind. Die Schwangerschaft verläuft unauffällig, ja sogar besonders schön. Doch direkt nach der Geburt zeigt sich, dass Darshan schwere Schwierigkeiten hat zu trinken und zu atmen. Es folgen Wochen im Spital, intensive Pflege und das langsame Kennenlernen eines Alltags, in dem vieles anders ist, als es sich seine Eltern erträumt hatten. Trotz aller Einschränkungen erlebt Sefora wertvolle, zarte Momente mit ihrem Sohn und staunt über seine kleine, grosse Kraft. Während des Lockdowns findet die Familie etwas Ruhe und kann von der belastenden Spitalzeit ein wenig heilen. Umso härter trifft sie der plötzliche Tod von Darshan mit knapp 14 Monaten, der ohne erkennbare Anzeichen kommt und ihr Leben von einer Stunde auf die andere grundlegend verändert.

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Zeitabschnitt

Zeit des Sterbens

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Stephi: Hallo und herzlich willkommen zu einer weiteren Podcast-Folge. Seid ihr spirituell? Ich habe mich das schon oft gefragt. Bin ich es oder bin ich es nicht? Wenn mir jemand direkt die Frage stellt, ob ich spirituell bin, sage ich meistens, dass ich es nicht bin und dass Spiritualität in meinem Alltag keinen festen Platz hat. Aber als verwaistes Mami, unsere Tochter ist 2018 im Alter von fast zwei Jahren verstorben, hoffe ich und wünsche ich mir, dass es nach dem Tod irgendwie weitergeht. Dass Alia bei mir ist, dass sie uns als Familie sieht, dass sie stolz auf uns ist und sieht, dass wir gelernt haben, ihren Verlust zu tragen. Ich spüre auch die Liebe zu ihr. Ich spüre die Verbundenheit mit ihr. Und manchmal habe ich im Alltag das Gefühl, dass sie mir ein Zeichen schickt. Vielleicht bin ich also doch spirituell. Ich weiss es nicht. In meinem Alltag ist es auf jeden Fall nicht fest integriert. Aber der Gedanke hilft mir, dass sie da ist, bei mir ist, um mich herum ist und mir vielleicht ab und zu ein Zeichen schickt und mich sieht. Mein heutiger Podcast-Gast ist Sefora Cuoco. Sie ist Medium und hat selbst einen Kindesverlust erlebt. Ihr Sohn Darshan ist ganz plötzlich und völlig unerwartet sehr früh gestorben. Sie wird uns heute erzählen, was passiert ist und wie sie einen Weg gefunden haben, dieses Schicksal zu tragen. Ich bin mir sicher, dass sie uns auch davon erzählen wird, wie ihr die Spiritualität geholfen hat, mit dem Verlust von Darshan umzugehen, und was sie als Medium macht. Ich finde diese Kombination sehr spannend. Sefora, vielen Dank, dass ich heute hier sein darf und dass du bereit bist, deine Geschichte mit uns allen zu teilen.

Sefora: Ja, vielen Dank für den Besuch. Das freut mich sehr.


Stephi: Magst du uns mitnehmen und erzählen, was passiert ist?

Sefora: Ja. Mein Ex-Mann und ich haben 2019 unser zweites Kind bekommen, unseren Sohn. Er kam mit einem Gendefekt auf die Welt, mit einer Muskelmyopathie, also einer Krankheit, bei der sich die Muskeln nicht richtig entwickeln. Man kennt das nicht, bis man damit konfrontiert ist. Man ist sich gar nicht bewusst, wie stark die Muskeln mit allem zusammenhängen, mit Schlucken, Trinken, Essen und dem ganzen Bewegungsapparat.


Stephi: Hat man das schon in der Schwangerschaft gesehen?

Sefora: Nein.


Stephi: Gar nicht. Er ist also auf die Welt gekommen, und danach habt ihr erfahren, dass er das hat.

Sefora: In der Schwangerschaft war alles gut. Von meinen drei Schwangerschaften war es sogar die beste, die angenehmste.


Stephi: Wahnsinn.

Sefora: Mhm. Nach der Geburt war es dann ziemlich hart, wirklich auch sehr traumatisch. Danach ging alles sehr schnell. Wir kamen ins Kispi, auf die Intensivstation, auf die Neo. Er konnte nicht trinken und nicht selbstständig atmen. So war es wirklich. Danach begann er aber, sich unter den Umständen recht gut zu entwickeln. Also unter den Umständen mit diesem Gendefekt. Im Vergleich zu unserer Tochter, die in allem recht schnell war, war er natürlich deutlich zurück. Dann kam der Lockdown, COVID, im Jahr 2020. Für uns war das eigentlich eine sehr schöne und angenehme Zeit, weil wir gemeinsam ein Stück weit von dieser Spitalzeit heilen konnten. 2021, er war noch nicht einmal 14 Monate alt, knapp 14 Monate, ist er an einem Donnerstagmorgen plötzlich gestorben. Abgesehen davon, dass es sehr schlimm war, kam es für uns völlig unerwartet. Er hatte etwas Grippeähnliches, einen leichten Infekt, aber nichts Auffälliges. Es gab keine Anzeichen, die darauf hingedeutet hätten.


Stephi: Ja. Und er hatte auch keine entsprechende Prognose.

Sefora: Nein. Die Ärzte sagten uns, sie würden ihn beobachten. Er ging zweimal pro Woche in die Physio. Wir würden schauen. Sollte es schlechter werden, würden wir weitersehen. Solange er sich entwickelte, auch wenn verzögert und langsam, war das im Rahmen seines Krankheitsbildes. Mit 14 Monaten konnte er noch nicht krabbeln. Er konnte sich nicht wirklich selbstständig bewegen. Aber das war bei diesem Krankheitsbild normal. Darum war es für mich so plötzlich, weil es keine Anzeichen gab. Es war nicht so, dass sich schon etwas angedeutet hätte oder dass er in der Entwicklung nochmals Rückschritte gemacht hätte. Gar nicht. Es geschah wirklich innert Stunden. Es ging wirklich ganz plötzlich. Ich dachte nur, er atmet nicht mehr richtig. Dann kam der Notarzt, und plötzlich war die ganze Wohnung voller Polizei, Ermittler und allem.


Stephi: Das ganze Prozedere.

Sefora: Ja, genau. Spurensicherung und all das.


Stephi: Also ein unerklärlicher Kindstod.

Sefora: Zum einen war da das Medizinische, die Notärzte und alles. Zum anderen hast du plötzlich die Polizei zu Hause und wirst auf einmal zu einer Verdächtigen. Was ist passiert? Gab es Anzeichen für Kindesmisshandlung? All das. Dieses Detail haben wir völlig ausgeblendet.


Stephi: Ja, dir war in dem Moment gar nicht bewusst, worum es ging.

Sefora: Nein, gar nicht.


Stephi: Als die Polizei gekommen ist. Du hast dich gefragt, weshalb sie überhaupt da sind.

Sefora: Ja, auch wegen all der Fragen, die sie gestellt haben. Wir haben dann erst etwa fünfzehn oder sechzehn Monate später vom Bezirksgericht Bescheid bekommen, dass die Ermittlungen eingestellt worden sind.


Stephi: Ach wirklich?

Sefora: Ja. Sie haben eine Autopsie gemacht und natürlich alles genau angeschaut, weil er auch so klein war. Es war kein Unfall, und es gab keinen klaren Ablauf. Es war einfach plötzlich da. Das haben wir damals nicht verstanden. Wir haben es ausgeblendet. Erst später konnten wir es wirklich einordnen. Aha, deshalb waren sie dort. Deshalb haben sie unsere ganze Wohnung fotografiert. Deshalb haben sie alles angeschaut und Fragen gestellt. Das haben wir in dem Moment nicht registriert.


Stephi: Aber vielleicht war es gut, dass ihr das nicht registriert habt.

Sefora: Ja, ich glaube schon.


Stephi: Bei uns war es auch so. Bei uns kam ja auch die Polizei, und es gab ebenfalls ein Verfahren. Eben auch wegen unerklärtem Kindstod. Eigentlich war es dasselbe wie bei euch. Ich habe das auch überhaupt nicht realisiert. Ich fragte mich, weshalb sie jetzt da sind. Gleichzeitig hatte ich den Gedanken, dass sie recht haben und prüfen müssen, ob ich eine gute Mutter bin. Bei mir war es natürlich anders, es war ein Unfalltod. Bei euch ist es so plötzlich passiert. Was hat das mit dir gemacht?

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Zeitabschnitt

Unmittelbar nach dem Tod

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Sefora: Ich vergleiche es ein wenig mit der Zeit im Spital nach der Geburt. Diese Zeit war für mich schwieriger auszuhalten, weil alles ungewiss war. Man war rund um die Uhr wie auf Nadeln, frisch nach der Geburt. Unsere Tochter war damals zwanzig Monate alt, also auch noch ein Baby. Es war immer die Frage, ob sie anrufen oder nicht. Jedes Mal, wenn das Telefon klingelte. Und dann konnten wir nicht bei unserem Sohn sein. Das war schlimmer, weil wir nicht wussten, wo das Ende ist. Ob es überhaupt ein Ende gibt. Was passiert. Der Tod war auf eine Art etwas Definitives, klar. Aber damit konnten wir dann irgendwie umgehen. Es war dann so, dass es jetzt ein Ende hat und wir nun damit umgehen müssen. Das ist sehr schräg. Schräg, ja. Ich meine, wie macht man das? Man weiss nicht, dass Kinder sterben, solange es einem nicht selbst passiert.


Stephi: Es gibt keine Anleitung. Man hört eigentlich nicht davon.

Sefora: Ja. Schräg war auch, dass das ganze Umfeld nicht wusste, wie es damit umgehen sollte. Es gab niemanden, der sagte, dass wir es jetzt so machen und dass das der Plan ist. Unsere Tochter war knapp drei, als es passierte. Im März wurde sie dann drei. Für mich war es fast schlimmer, sie dadurch zu begleiten. Ich dachte, ich komme irgendwie damit zurecht, mit Therapie und indem ich darüber reden kann. Aber was macht das mit ihr? Sie meinte zum Beispiel sehr lange, dass Polizisten in Uniform Engeli seien. Wir hatten ihr gesagt, die Engeli hätten Darshan geholt. Irgendwann, zwei oder drei Jahre später, sah sie in der Stadt Polizisten und sagte, Mama, schau, die Engeli. Ich fragte mich, ob sie jetzt Engel sieht.


Stephi: Ja, logisch.

Sefora: Sie sagte, sie seien dort, dort vorne stünden sie. Ich sagte ihr, dass das die Polizei sei. Und sie sagte, ja, die hätten doch Darshan abgeholt. So haben wir dann diese Verknüpfung verstanden.


Stephi: Und dann merkt man einmal, wie Kinder denken.

Sefora: Ja. Wenn ich heute zurückschaue, nach fünf Jahren, bald fünfeinhalb, weiss ich nicht mehr, wie wir dieses erste Jahr überlebt haben. Für mich ist es wie ein Vortex, wie ein Vakuum, als wären wir die ganze Zeit in Watte gepackt gewesen. Ich weiss wirklich nicht mehr, ob wir gegessen haben, ob wir geschlafen haben. Manchmal war ich morgens um vier wach und konnte nicht schlafen. Ich fühlte mich wie bestellt und nicht abgeholt. Da war eine grosse Leere, und ich wusste nicht, was ich tun sollte. Und gleichzeitig war da noch unser Kind, das auch das Bedürfnis hatte, dass ich eine normale Mami bin. Dieser Anfang war schon sehr schräg.


Stephi: Ja. Dein Kind ist tot, und danach musst du eine Beerdigung planen. Das ist ja völlig schräg. Aber es gibt einem eine Aufgabe. Wie hast du das erlebt?

Sefora: Wir haben uns tatsächlich gegen eine Beerdigung entschieden. Wir haben den Körper kremieren lassen. Aber es ist schon etwas sehr Schräges. Ich weiss noch, wie ich in die Aufbahrungshalle ging. Das war völlig unwirklich, auch weil ich in meiner Familie nicht viel Tod erlebt hatte. Wenn jemand gestorben war, dann in Italien. Und man konnte nicht für jede Tante hinunterfahren und das ganze Drumherum mitmachen. In der nahen Familie ist zum Glück niemand gestorben. Darum war dieser ganze Prozess für mich völlig schräg. Und es war auch so, dass wir sehr für uns sein wollten. Ich hatte das Gefühl, es stehe mir auf der Stirn geschrieben. Als könnten es alle sehen. Gleichzeitig musste ich in der Gesellschaft funktionieren, und jede Interaktion war zu viel. Jedes Grüezi, jedes Ade und …

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260626 Darshan Lila 03
Zeitabschnitt

Mit der Trauer Leben

Lesezeit ca. 31 min
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Sefora: Das wurde dann ein Stück weit unsere Realität. Plötzlich gab es in der Nachbarschaft erwachsene Menschen, die sagten, dass sie ein Geschwister verloren haben. Auf einmal tauchte dieses Thema überall auf. Und wir dachten, dass es wirklich passiert. Es passiert nicht nur uns, sondern es passiert. Es spricht einfach niemand darüber. Das hat uns dann auch wieder etwas Antrieb gegeben. Einfach etwas zu machen. Als wir begonnen haben, uns damit auseinanderzusetzen, auch mit verschiedenen Stiftungen, sind wir irgendwann auf Pro Pallium gestossen. Danach haben wir einen Spendenlauf für die Stiftung organisiert. Das hat uns wieder ein wenig Antrieb gegeben, etwas zu tun. Es war dann so, dass wir merkten, dass wir nicht allein sind. Es ist ja ähnlich wie wenn man schwanger werden möchte und plötzlich sind alle schwanger. Oder wenn man ein neues Auto kauft und plötzlich haben alle dieses Auto.


Stephi: Ja, man fühlt sich ein wenig unter Druck, oder? Man fragt sich, was die Gesellschaft jetzt erwartet und wie man reagieren muss.

Sefora: Ja, genau. Zum einen hatte ich das Gefühl, ich dürfe nicht wieder lachen. Bloss nicht zu früh wieder glücklich sein. Auf der anderen Seite aber auch ja nicht zu lange trauern. Das ist auch nicht okay. Das macht man auch nicht.


Stephi: Nein, dann nimmt es niemand mehr wahr.

Sefora: Genau. Sonst heisst es schnell, man müsse schauen, ob du Medikamente brauchst, Stimmungsaufheller oder was auch immer. Das war wirklich schwierig für uns. Wir haben uns auch ziemlich isoliert.


Stephi: Ihr habt euch ein wenig zurückgezogen.

Sefora: Ja. Im Mai danach haben wir entschieden, die Wohnung zu kündigen, alles zu verkaufen und für drei Monate nach La Palma auf die Kanaren zu gehen. Es war im Januar passiert. Wir wollten uns einfach von allem abkoppeln.


Stephi: Habt ihr dort Wurzeln?

Sefora: Nein.


Stephi: Das wäre ... Es ging einfach nicht mehr.

Sefora: Wir waren noch nie dort gewesen. Wirklich nicht.


Stephi: Bis dahin nicht. Ja. Das ist etwas, was mein Mann zum Beispiel immer sagt. Wenn er keine Familie gehabt hätte, wäre er geflüchtet. Er wäre gegangen. Koffer gepackt und adieu.

Sefora: Ja. Bei uns war es so, dass eine Begegnung in der Migros den Ausschlag gegeben hat. Also wir waren dort, wo du jetzt bist. Dort bin ich aufgewachsen, und dort haben wir auch gewohnt, einfach in einem anderen Teil des Quartiers. Einmal stand ich in der Migros bei den Dosen, meine Tochter neben mir, und eine Mutter kam zu mir und sagte: «Dein Kind ist doch gestorben.» Einfach so, mitten in der Migros. Da dachte ich nur, das kann wirklich nicht sein. Nur in einem anderen Kanton zu sein, in Bern oder so, wäre auch nicht das Richtige gewesen. Dann konnten wir genauso gut weiter weggehen. Traurig ist es sowieso, weinen müssen wir sowieso, scheisse ist es jetzt ohnehin. Dann können wir auch bei 25 Grad in der Sonne weinen, an einem Ort, an dem uns niemand kennt. Dort hatten wir wirklich unsere Ruhe, wenigstens am Strand. Statt hier zu sein und jeden Tag in der Migros oder beim Bringen unserer Tochter in die Spielgruppe diesen Reaktionen zu begegnen. «Oh nein», «oh ja», «oh, denen ...» Nein. Das hat so gutgetan. Für uns war es wirklich so, dass wir uns wieder lebendig gefühlt haben. Wir konnten herunterfahren, Abstand gewinnen und uns fragen, was wir überhaupt vom Leben wollen. Alle sagten ja: «Ihr seid noch jung, ihr könnt noch einmal ein Kind haben.»


Stephi: Ja, das ist der Spruch, den man hört, oder? Vielleicht haben sie recht, und vielleicht hat man später auch wieder ein Kind. Aber das nimmt den Schmerz ja nicht weg.

Sefora: Ja, absolut.


Stephi: Es löst das Problem nicht.

Sefora: Genau. Ich war 28 oder 29, als das passiert ist.


Stephi: Also jung.

Sefora: Sehr jung. Ich bin mit 24 Mami geworden. Nein, es war sogar noch früher, mit 26, 27 ist es passiert. In diesem Alter studieren andere noch oder machen ihr Austauschjahr in Australien. Und wir mussten damit umgehen. Und dann hiess es: «Ihr seid ja noch jung.» Ja, schon. Ich hätte problemlos noch 15 Jahre Zeit, um Kinder zu bekommen. Ich könnte noch 15 Kinder haben. Aber das ist nicht ...


Stephi: Es ist nicht dasselbe.

Sefora: Ja, eben. Es fehlt trotzdem immer eines. Ich werde trotzdem nie ein Bild mit allen meinen drei Kindern haben. Oder mit vier, oder wie viele es später auch immer sein werden. Solche Sprüche sind teilweise ... Ich hatte dann auch eine Phase, in der es mir sehr schwerfiel, anderen Menschen wirklich zuzuhören und ihre Probleme aufzunehmen.


Stephi: Ja, weil man das Gefühl hat, was sind das für Probleme?

Sefora: Ja. Im Verhältnis dazu war es für mich so, dass es mich nicht interessierte. Ich hatte die emotionale Kapazität nicht, Empathie für ein Problem aufzubringen, das für mich wirklich keines war.


Stephi: Ja. Aber du warst dann auf den Kanaren. Und dort begegnet man ja auch Menschen. Man lernt Menschen kennen. War Darshan dort nie ein Thema?

Sefora: Ich hatte eine Phase, in der ich es auf eine Art allen erzählen wollte. Weil es für mich hiess, dass er gelebt hat, auch wenn man ihn nicht sieht. Er ist da, ich habe noch ein weiteres Kind. Gleichzeitig war da auch die Erfahrung, dass es das Gegenüber überfordern kann. Da die Balance zu finden, war nicht einfach. Es erklärt auch teilweise, warum wir zwischendurch nicht die Kapazität hatten, unter anderen Menschen zu sein. Das war lange ein grosses Problem, vor allem für mich. Ich habe es nervlich wirklich nicht ertragen, mit anderen Menschen zu reden oder unter Menschen zu sein, weil es mir dann zu viel wurde. Ich habe es aber immer schön gefunden, und es hat mir wirklich gutgetan, wenn Menschen Fragen gestellt haben und keine Berührungsängste hatten.


Stephi: Wahrscheinlich auch, wenn du gemerkt hast, dass es eine aufrichtige Frage ist.

Sefora: Ja, genau.


Stephi: Dass es nicht einfach lapidar ist oder ...

Sefora: Genau.


Stephi: Nicht so, wie gesagt, in der Migros zwischen den Dosen.

Sefora: Genau. «Dein Kind ist gestorben.» Da war meine Reaktion eher, ja, aber wie bitte? Sondern wirkliche Fragen wie: «Was ist passiert? Wie ist das gewesen?» Ich war schon immer jemand, und bin es auch jetzt noch, der gern und offen über Themen spricht, die unbequem sind. Schon immer. Ich finde das auch schön, weil es passiert. Es ist wichtig. Gleichzeitig ist es in unserer Gesellschaft schon so, dass man über unbequeme Dinge nicht gern spricht. Oder man tut so, als würden sie gar nicht passieren. Bei mir war das ja auch so.


Stephi: Ja, logisch. Wir sind alle so aufgewachsen.

Sefora: Genau. Kinder sterben nicht. Punkt. Das ist nicht Teil der Realität. Bis es dann passiert. Inzwischen ist es bei mir nicht mehr so stark Thema. Es bestimmt meine Realität nicht mehr so sehr. Es ist Teil von mir, aber es ist nicht mehr so präsent. Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal an diesen Punkt komme. Dass es irgendwann nicht mehr so heftig omnipräsent ist, auch der Schmerz. Aber man kommt wirklich dorthin. Das ist schon eindrücklich.


Stephi: Man kommt dorthin, das finde ich auch. Und trotzdem holt es einen manchmal wieder ein.

Sefora: Ja, ja. In einem völlig unerwarteten Moment.


Stephi: Ja, genau. Aber man kann wieder Freude empfinden. Und man kann wieder Momente von Glück empfinden. Das ist schon auch schön zu hören. Gerade wenn man sein Kind frisch verloren hat, sieht man ja gar nichts.

Sefora: Ja, ja. Man kann sich das auch nicht vorstellen. ch weiss noch, dass ich einer Frau begegnet bin. Sie hatte, glaube ich, auch ihr Kind aufgrund einer Krankheit verloren. Sie war ganz fröhlich, empfand Lebensfreude und organisierte mit uns zusammen den Spendenlauf. Für mich war es damals nicht vorstellbar, dass man wieder so fühlen kann. Für mich wurde das wirklich ein Stück weit zum Ziel. Es war eine grosse Inspiration. Ich fand das auch wichtig. Kurz nach dem Tod hatten wir zum Beispiel eine Trauerbegleiterin. Sie hatte keine Kinder und dementsprechend auch kein Kind verloren. Mit dem, was sie mir sagte, konnte ich überhaupt nicht umgehen. Ich musste sie wirklich rausschicken. Ich bin davongelaufen und habe gesagt, sie solle gehen.


Stephi: Sie konnte es nicht nachvollziehen, oder?

Sefora: Nein. Das war für mich sehr schwierig. Es ging einfach nicht.


Stephi: Ihr wart nicht auf derselben Ebene.

Sefora: Ich habe mich dort überhaupt nicht abgeholt gefühlt. Man braucht wirklich ein Gegenüber, auch in einer Therapie oder was auch immer, das es ein Stück weit nachvollziehen kann. Sonst ist es einfach schwierig. Sie meinte dann, die Schuldgefühle werde ich immer haben. Und ich sagte, dass ich diese Schuldgefühle auf keinen Fall immer haben will. Wenn ich die Schuldgefühle wirklich immer habe, überlebe ich das Ende des Jahres nicht.


Stephi: Genau. Ja, dann machst du ja nichts mehr.

Sefora: Ja, wirklich.


Stephi: Man muss es irgendwie lernen.

Sefora: Damit umzugehen. Dieses Navigieren, auch im Umfeld, und auch einmal einfach aufzustehen und zu gehen, hat mir sehr stark beigebracht, für mich selbst einzustehen. Wirklich Grenzen zu setzen und mich zu fragen, wie ich mein Leben leben will. Denn es kann so schnell vorbei sein.


Stephi: Ja. Das macht einem sehr viel aus, gell. Und mit eurer älteren Tochter? Wie habt ihr sie begleitet? Ich weiss, wie es ist. Das ist eine riesige Herausforderung.

Sefora: Ja.


Stephi: Aber was war dir dabei wichtig?

Sefora: Wichtig war für mich, dass wir es thematisieren. Und auch das Verständnis, dass es nicht einfach aufhört. Dass es nicht linear verläuft. Dass wir auch heute, sie ist jetzt acht und es ist fünf Jahre her, nicht den Anspruch an sie stellen, dass sie irgendwann aufhören muss zu trauern. Oder dass ihre Trauer zu viel ist, zu mühsam, oder dass es jetzt gut sein müsste. Nur weil es vielleicht gerade für uns okay ist. Oder weil es für uns nicht thematisiert werden muss. Im November desselben Jahres wurde ich wieder schwanger. Das war sehr herausfordernd, vor allem für mich. Mein Ex-Mann hat das eigentlich recht gut gehandhabt. Ich bin total in ein Loch gefallen, und unsere Tochter hat das eigentlich auch recht gut gehandhabt. Als wir später erfahren haben, dass es ein Bub wird, kam wegen des Gendefekts noch einmal eine zusätzliche Angst dazu. Die Wahrscheinlichkeit ist bei einem Buben grösser als bei einem Mädchen. Da war diese ganze Angst wieder da. Wir sind mit ihr und ihrer Trauer mitgegangen. Wir haben versucht, ihr das zu geben, was sie gebraucht hat. Wir haben sie darin bestätigt und gesagt, dass es okay ist, dass sie ihn vermisst, dass er ihr fehlt und dass es schwierig ist. Am Anfang hat ihr, glaube ich, vor allem der Spielkamerad gefehlt. Die beiden waren vom Alter her sehr nahe beieinander, und das war für sie schön. Zu ihrem zweiten Bruder hat sie jetzt vier Jahre Abstand. Das ist noch einmal anders. Und er ist ganz anders. Er ist viel aktiver. Sie sagt manchmal auch, dass sie ihn ärgert, weil sie eigentlich lieber den anderen Bruder hätte. Der hat sie natürlich nicht so herausgefordert. Wir thematisieren es immer dann, wenn sie es braucht. Das war mir sehr wichtig. Später habe ich interessanterweise viele Frauen in unserem Alter kennengelernt, die selbst ein Geschwister verloren haben und gesagt haben, dass sie in den letzten fünfundzwanzig Jahren nie darüber gesprochen haben.


Stephi: Ja, das ist wirklich ein Phänomen. Ich glaube aber, dass das in unserer Generation damals oft so war. Man hat nicht darüber gesprochen.

Sefora: Ja. Es war dann, als wäre es nicht passiert. Ich möchte es den Eltern auch nicht verübeln, weil ich meine, mit dem ...


Stephi: Es ist so ein einfacherer Weg. Es ist so ein bequemer, einfacher Weg, und man muss sich dem eigenen Schmerz nicht stellen.

Sefora: Genau. Für uns war ganz klar, dass wir das nicht wollen. Sie hatte einen Bruder, wir hatten einen Sohn, die Grosseltern hatten einen Enkel. Sie haben drei Enkel, nicht zwei, auch wenn man nur zwei sieht. Wenn jemand fragt, gehört auch dieser Bruder dazu. Das ist passiert. Es ist Teil ihrer Geschichte. Es wird sie prägen. Es prägt sie auch, weil sie in einem Alter mit dem Tod konfrontiert wurde, in dem ich noch gar nicht wusste, was der Tod ist.


Stephi: Ja. Würdest du sagen, dass es sie auch stärker macht?

Sefora: Ja, aber auch empathischer, habe ich das Gefühl. Ich habe stark gemerkt, dass es bei meiner Tochter ihren Zugang zum Feinstofflichen ein Stück weit bewahrt und geöffnet hat. Sie sagt auch, dass sie ihn spürt und manchmal mit ihm spricht. Dieses ganze Empfinden ist da. Ich finde, es braucht manchmal gar nicht so viel. Wir sind nicht in die Maltherapie gegangen oder von einer Therapie zur nächsten gerannt. Wir haben es sich eher entwickeln lassen und geschaut, was sie braucht. Wir haben es immer wieder thematisiert und immer wieder darüber gesprochen. Auch unserem Sohn zeigen wir heute kleine Fotos und sagen, dass das sein Bruder ist. Es ist ein Thema, aber mit einer gewissen Leichtigkeit und zugleich mit dem Verständnis, dass der Tod passiert. Dass das Mami irgendwann sterben wird, der Papi irgendwann sterben wird, dass du irgendwann sterben wirst, die Grosseltern, alle. Das gehört zu diesem Circle of Life. Uns war auch wichtig, dass wir unsere Themen nicht zu ihren Themen machen. Nur weil es für uns sehr, sehr schlimm ist, muss es für sie nicht gleich schlimm sein. Für sie ist es anders. Sie war auch viel zu klein, um zum Beispiel in die Aufbahrungshalle zu gehen. Wir hätten sie nie dorthin mitgenommen. Wir haben sie aber ins Spital mitgenommen, damit sie sehen konnte, dass er nach der Geburt dort war. Dass das ihr Bruder ist und dass es ihm nicht so gut geht. So konnte sie verstehen, dass er eine andere Begleitung braucht. Danach haben wir aber einen Schnitt gemacht und gesagt, dass sie das nicht sehen muss. Ich konnte selbst kaum in diesem Raum sein. Es war so ...


Stephi: Ja, ja, es ist so ...

Sefora: Komisch.


Stephi: Ein schräger Moment und gleichzeitig auch ein natürlicher Moment. Aber es war auch ein Moment, den ich unserer Tochter, oder den wir unserer Tochter, nicht zugemutet hätten. Wir haben uns auch gefragt, ob das wirklich sein muss. Du hast erzählt, dass du danach wieder schwanger geworden bist. Das war für dich herausfordernd. Hattest du Angst wegen des Gendefekts?

Sefora: Ja.


Stephi: Hattest du auch Angst, dass das neue Kind den Platz von Darshan einnehmen könnte?

Sefora: Ich hatte sehr stark das Gefühl, dass ich nicht noch einmal einen Sohn lieben kann. Das war für mich unmöglich. Ich hatte einen Sohn, und der hatte seinen Platz bei mir. Da war ich wirklich hart, auch nicht wohlwollend gegenüber der ganzen Situation. Und ich habe auch noch lange damit gerungen, als er geboren war. Ich dachte immer wieder, was ist, wenn jetzt plötzlich etwas passiert? Oder wenn der Gendefekt noch einmal auftaucht? Oder wenn plötzlich irgendwie … Das war schon seltsam. Für mich war das wirklich so eindrücklich, wie stark die Angst im Körper festsitzt.


Stephi: Ich habe es auch immer so beschrieben. Als ich danach wieder schwanger wurde, war es für mich so, dass ich wieder Ja zu einem Leben sage. Damit sage ich aber auch wieder Ja zum Tod. Und ich wollte nicht Ja zum Tod sagen. Aber ich wollte Ja zum Leben sagen. Gleichzeitig konnte ich nicht Ja zum Leben sagen, weil der Tod dazugehört. Diese Angst war bei mir sehr stark.

Sefora: Ja. Man weiss es halt nicht. Es ist wirklich …


Stephi: Voll. Ich meine, wir mussten diese Erfahrung machen. Man weiss es nicht. Es kann jeden Moment passieren. Und das ist danach schon schwierig. Bei mir war es auch so, dass ich eigentlich kein neues Kind wollte. Ich wollte Dalia zurück. Das kann ich auch nachvollziehen. Dass es mitschwingt, dass man sagt, man wolle dann eben nicht ein neues Kind. Und dann ist da auch die Frage nach dem Geschlecht, von dem man vielleicht denkt, es wäre einfacher gewesen.

Sefora: Ja, wenn es ein Mädchen gewesen wäre.


Stephi: Wenn es ein Mädchen gewesen wäre, wie auch bei uns. Wir haben wahrscheinlich so sehr auf ein Mädchen gehofft.

Sefora: Ja, wirklich. Ich dachte, das wäre der einfache Weg hinaus. Aber meistens ist es das ja dann nicht. Und jetzt ist er so herzig und so robust. Mein Gott, er ist schon überall hinaufgeklettert und heruntergefallen, alles Mögliche. Für uns war das ein grosser Vertrauenstest, vor allem für mich. Mein Ex-Mann war dabei viel entspannter. Er sagte immer, ich solle ruhig bleiben, das passiere jetzt nicht noch einmal. Und ich dachte, doch. Er sagte, nein. Und ich dachte, okay. Da war er viel pragmatischer. Darüber bin ich sehr froh, weil ich manchmal wirklich nicht rational bleiben konnte. Ich bin dann sehr schnell erschrocken. Wenn er erbrochen hat, dachte ich schon, jetzt stirbt er. Dabei war es einfach ein Magen-Darm-Infekt, völlig in Ordnung und normal. Wenn er etwas höheres Fieber hatte, dachte ich, jetzt stirbt er. Oder wenn er wieder irgendwo angeschlagen hatte und riesige Beulen am Kopf hatte, wirklich fast wöchentlich, dachte ich, jetzt stirbt er, jetzt hat er ein geschwollenes Gehirn. Das war völlig … Das war ein neuer Kontext. Und es hat wirklich lange gedauert, bis ich sagen konnte, dass es in Ordnung ist. Wirklich bis zu dem Zeitpunkt, als er über das Alter hinaus war, in dem Darshan damals war.


Stephi: War das für dich ein magischer Moment?

Sefora: Ja, es war so, dass ich dachte, jetzt fängt er auch ein wenig an zu reden und kann sich mitteilen, wenn etwas nicht in Ordnung ist. In diesem kleinen Alter hat man ja am meisten Angst, dass man etwas verpasst. Wenn meine Tochter heute sagt, sie habe Kopfweh oder ihr tue das Bein weh, oder wenn sie sagt, sie müsse erbrechen, oder sie zeigt mir, dass sie etwas gebissen hat, kann sie es mitteilen und wir können reagieren. Mit dreizehn, vierzehn Monaten geht das noch nicht, jedenfalls nicht in diesem Ausmass. Dort war die Angst sehr gross, wieder etwas zu verpassen wie bei unserem Sohn. Und um diese Fragen sind meine Gedanken lange gekreist. Hätten wir es sehen sollen? Hätten wir es spüren müssen? Gab es Anzeichen, die wir nicht gesehen haben? Waren wir so übermüdet? Wir waren völlig k. o.


Stephi: Ja, logisch.

Sefora: Zwei Kinder unter zwei. Ja.


Stephi: Wie hast du es geschafft, die Angst abzulegen? War es die Zeit, die dir geholfen hat? \[3Stephi:56.584\] Sefora: Also Therapie natürlich. Aber auch Zeit. Und in diesen Momenten musste ich mich immer wieder ganz bewusst rational zurücknehmen und mir sagen, dass es okay ist. Ich musste mich auch wieder in meinen Körper zurückholen. Mir hat es sehr geholfen, dass mein Ex-Mann dabei war. Er ging danach nicht einfach arbeiten und war weg. Wir waren damals selbstständig und hatten unsere eigene Firma, unsere Agentur. Familienleben und Arbeitsleben lagen dadurch sehr nahe beieinander. Ich war deshalb selten allein in einer Situation, die mich überfordert hätte. Das hat schon auch geholfen.


Stephi: Du konntest dich nicht so hineinsteigern, weil er dich immer wieder aufgefangen hat. Das ist sehr wertvoll.

Sefora: Ja, sehr. Und wenn etwas war, wenn wir zum Arzt oder in den Notfall mussten oder wenn sonst etwas anstand, konnte er das übernehmen. Dafür war ich sehr dankbar, weil es für mich lange einfach nicht ging.


Stephi: Ja. Wie hat es dich verändert?

Sefora: Zum einen hat es mich viel mutiger gemacht. Es war wirklich so, dass ich dachte, jetzt erst recht will ich so leben, wie ich es möchte. Wir sind ausgewandert, waren selbstständig und konnten unseren Tag im Grunde so gestalten, wie wir wollten. Unsere Kinder sind so aufgewachsen, wie wir es wollten. Wir haben wirklich so gelebt, wie wir leben wollten. Jetzt erst recht. Wenn so etwas passiert, wenn dir das Wertvollste genommen wird, denkst du, dann mache ich jetzt alles, was ich schon immer machen wollte. Auf der anderen Seite hat es mich auch sehr ängstlich gemacht. Weil einem so stark bewusst wird, wie fragil das Leben wirklich ist. Es ist nicht die Grossmutter, die stirbt, weil sie alt ist. Es ist dein Kind, das du beerdigst. Lange, lange bevor es so weit sein sollte. Bevor es ein Leben gelebt hat, das für dieses Kind wirklich lebenswert hätte sein dürfen. Bevor es Dinge erfahren und ausleben durfte. Das hat mich auch viel stärker mit meinen Gefühlen in Verbindung gebracht. Man kann es dann nicht kontrollieren, wenn die Tränen fliessen. Ob das an der Kasse ist, im Flugzeug, beim Autofahren, beim Spazieren, egal. Und es hat mich auch empathischer gemacht. Auch durch das Verständnis für Schmerz und dafür, was geschieht, wenn man durch so etwas hindurchgeht. Ich glaube, es musste auch geschehen, damit ich heute die Arbeit mache, die ich mache, und Menschen dadurch begleiten kann. Ja.


Stephi: Wenn du an Darshan denkst, wo ist er jetzt für dich? Für mich ist das immer auch wichtig. Wo ist dein Kind danach? Man stellt sich das so vor, oder ich habe es mir damals so vorgestellt. Wo ist sie jetzt? Ich sage immer, für mich ist sie ein bisschen dort, wo ich bin. Wir haben sie auch nicht beerdigt. Wir haben sie kremiert. Ich habe jetzt keinen Ort, an den ich gehen muss, um bei ihr sein zu können. Für mich ist sie einfach immer auch bei mir. Und wo ist Darshan für dich?

Sefora: Das war eigentlich genau die Frage, die mich danach auch auf diese Suche gebracht hat. Es war wirklich die Frage, was jetzt ist.


Stephi: Ja, eben. Ja.

Sefora: Es kann ja nicht einfach …


Stephi: Und jetzt ist es fertig.

Sefora: Ja. So nach dem Motto, nein, überhaupt nicht. Für mich war es wirklich so, dass ich ihn sehr stark um mich herum gespürt habe. Auch körperlich, also mit Empfindungen am Körper. Für mich begleitet er uns als Familie. Am Anfang war er natürlich sehr stark bei uns, später auch bei unserer Tochter. Jetzt habe ich das Gefühl, dass er mehr bei unserem Sohn ist und ihn stärker begleitet. Wir haben dieses Bedürfnis nicht mehr so stark, weil es nicht mehr so schlimm ist, nicht mehr so akut schlimm. Schlimm ist es ja immer, aber nicht mehr dieser akut schlimme Schmerz. Dieses Loch ist nicht mehr da. Es ist, wie wenn man sich verletzt. Dann hat man eine Wunde. Am Anfang ist sie sehr schlimm, sehr präsent, man sieht sie, und es fühlt sich fast an, als falle einem der Arm ab. Man muss sich um diese Wunde kümmern. Später spürt man noch, dass man sie gehabt hat. Sie ist Teil des Ganzen geworden, aber sie braucht nicht mehr die gleiche Pflege. Für mich ist er einfach da und begleitet uns. Vor allem Kinder spüren das, habe ich das Gefühl.


Stephi: Ja, es ist speziell, dass du das sagst. Bei uns war es mit der jüngeren Tochter ähnlich. Ich hatte das Gefühl, dass sie eine Zeit lang sehr präsent war. Sie hat auch viel von ihr erzählt, dass sie sie sieht und dass sie in ihrer Nähe ist. Für mich war immer die Frage, ob das stimmt. Ich habe es ihr aber nie abgesprochen. Ich habe es einfach so stehen lassen und angenommen. Ich finde, auch das ist ein schmaler Grat, weil es dafür keinen Ratgeber gibt. Wie geht man damit um? Wie begleitet man ein Kind, das danach auf die Welt kommt, in all dem? Dieses Kind bringt ja automatisch schon einen Rucksack mit.

Sefora: Ja, genau.


Stephi: Obwohl es selbst gar nichts davon weiss. Genau. Es kommt mit diesem Rucksack auf die Welt.

Sefora: Ja, das ist so.


Stephi: Das ist irgendwie auch verrückt. Es ist eigentlich Wahnsinn.

Sefora: Ja. Genau dort fand ich es sehr herausfordernd, unserem Sohn nicht aufzubürden, dass er den Platz von Darshan einnehmen muss. Dass er wirklich er selbst sein darf. Dass er völlig anders sein darf und nichts ersetzen muss, was wir nicht mehr haben.


Stephi: Ja, oder eine Erwartung erfüllen.

Sefora: Genau. Es ist spannend, dass du das sagst, denn das hat unser Sohn auch immer gesagt. Als wir noch in Spanien waren, sagte er immer «Niño». Er sehe einen Buben. Und kürzlich konnte er wirklich eins zu eins erzählen, wie Darshans Todestag war, also wie es passiert ist. Wir haben das nie so mit ihm thematisiert. Wir haben einfach gesagt, dass er gestorben ist. Nicht so salopp natürlich, aber schlicht. Das war für mich sehr eindrücklich. Auch in meiner Arbeit als Medium, obwohl ich von solchen Dingen weiss, dieses Gespür und diese Empfindungen habe, war das für mich sehr eindrücklich. Oder auch, dass unsere Tochter manchmal sagt, er kenne Darshi doch gar nicht. Was rede er da?


Stephi: Ja, ja, das sagt sie uns auch. \[lacht\]

Sefora: Und dann sagt unser Sohn, doch, sie seien zusammen im Himmel gewesen. Darshan habe dann nicht noch einmal kommen wollen. Er sei gekommen, weil er habe kommen wollen. Dann habe Darshan ihm einen Check gegeben, so ein Give me five, und er sei heruntergekommen.


Stephi: Sehr herzergreifend.

Sefora: Er erzählt das mit einer solchen Klarheit und Sicherheit. Das finde ich schon sehr eindrücklich. Auch wie spielerisch sie damit umgehen können, weil wir sie lassen. Für uns ist es auch in Ordnung. Es muss nicht etwas Schweres sein, ein Kreuz, das wir ewig tragen.


Stephi: Ja, ich glaube, genau das ist es, dass es nicht diese Schwere hat.

Sefora: Ja. Und dass beide Gefühle nebeneinander bestehen können. Dass man wirklich himmeltraurig sein kann, aber auch glücklich und froh. Und dass das Leben trotzdem schön sein kann.


Stephi: Ja, trotzdem. Nur weil man wieder lacht, wieder fröhlich ist, an ein Konzert geht, in die Ferien fährt, an eine Hochzeit geht oder die schönen Momente des Lebens geniesst, heisst das ja nicht, dass man den Schmerz nicht in sich trägt. Aber das ist in sehr vielen Köpfen verankert. Früher gab es doch das erste Trauerjahr. In Schwarz. Man war schwarz angezogen. Es war richtig schwer. Heute ist das schon anders, denke ich. Sicher nicht bei allen, aber ich glaube, bei vielen ist es so.

Sefora: Ich glaube, wenn jemand altersbedingt stirbt, ab einem gewissen Alter, kann man es irgendwie noch hinnehmen, weil es Sinn ergibt. Aber wenn ein Kind stirbt, ergibt es keinen Sinn. Es gibt nichts, was das erklärt. Ich hatte kürzlich auch eine Klientin, die eine Todgeburt hatte, weil das Kind einen Gendefekt hatte. Egal, was ich sage, es nimmt den Schmerz nicht weg. Es gibt nichts, bei dem ich sagen könnte, ich könne dir den Tod, das Leben, das Universum und alles Mystische erklären. Nichts kann es rechtfertigen, besser machen oder einfacher machen. Im Endeffekt ist es einfach nicht okay. Es ist etwas, das mich häufig wirklich an der Gerechtigkeit des Lebens zweifeln liess. Zeitweise war ich auch einfach wütend und dachte, ob das wirklich sein könne. Was ist das für ein Scheiss? Was ist das für ein Witz? \[4Stephi:40.254\] Stephi: Was soll das? \[4Stephi:40.994\] Sefora: Ja, genau. Wer verarscht mich? Wirklich. Denn man kann es drehen und wenden, wie man will. Ein Kind kann nicht sterben. Es ergibt keinen Sinn. Es geht nicht. Damit umgehen zu lernen und auch diesen Gefühlen Raum zu geben, fand ich mitunter fast schwieriger als die Trauer. Diese gesunde Wut zuzulassen, sie dann aber auch wieder abzulegen und zu sagen, dass es in Ordnung ist. Dass es eben auch schöne Momente gibt und dass es einen Grund hatte, was auch immer. Aber genau das.


Stephi: Ja, die Frage nach dem Warum ist eine riesige Frage. Wenn ein Kind an Krebs stirbt, warum? Oder bei uns, so plötzlich zu Hause, warum? Was will das Leben sagen? Was muss ich lernen? Ich dachte für mich, was ich in meinem Leben lernen muss, dass mir das passiert ist. Und hoffentlich habe ich es jetzt gelernt. Das waren meine Gedanken, damit es mir nicht noch einmal passiert.

Sefora: Damit es mir nicht noch einmal passiert, ja.


Stephi: Oder damit ich es nicht meinen Kindern weitergebe und sie wieder daraus lernen müssen. Weisst du, was ich meine?

Sefora: Ja, ja.


Stephi: Ich bin wirklich kein spiritueller Mensch, aber das war etwas, bei dem ich dachte, ich müsse es irgendwie auflösen. Ich muss daraus lernen, damit es nicht weitergeht. Du erzählst sehr viel von dir und von dem, was du machst. Ich beobachte dich auch ein wenig auf Instagram. Ich habe gerade gesagt, dass ich wirklich nicht spirituell bin, aber ich finde es trotzdem sehr faszinierend. Magst du uns kurz erzählen, was du machst?

Sefora: Ja. Für mich war Spiritualität eigentlich schon immer ein Teil meines Lebens, schon immer ein Interessengebiet. Ob das nun die christliche Mystik war, mit den Heiligen und den Visionen, die sie hatten, das hat mich interessiert. Mich haben aber auch die Texte interessiert und all das. Schon als Kind habe ich Dinge gesehen und Dinge gewusst, die ich nicht hätte wissen können. Ich bin in Zürich aufgewachsen, und dort war es nicht unbedingt cool, solche Dinge zu wissen oder so feinfühlig zu sein. Nach Darshans Tod habe ich mich wirklich wieder auf die Suche gemacht. Für mich war es, als würde ich denken, dass ich das jetzt verstehen muss. Wohin gehen die Seelen? Sind die Seelen um uns herum? Was ist mit Nahtoderfahrungen? Wohin gehen die Menschen? Was passiert? Was passiert nicht? Dann sind tatsächlich ein paar andere, schräge Dinge passiert. Ich habe Dinge gesehen, die später eingetroffen sind. Für mich waren das wirklich Zeichen dafür, dass diese Fähigkeiten da sind. All das führte mich immer wieder an denselben Punkt. Ich muss damit umgehen können und irgendwie andere Menschen begleiten. Für mich war das Gegenmittel zu meinem eigenen Schmerz, zu meinen eigenen Traumata und zu allem, was in meinem Leben schon passiert ist, immer, andere Menschen in ihrem Schmerz zu begleiten, damit sie weniger leiden. Ihnen nicht den Schmerz abzunehmen, aber sie zu begleiten. Das hat dann dazu geführt, dass ich heute als Medium arbeite. Ich begleite Menschen dabei, sich mehr mit ihrer Intuition und mit ihren Hellsinnen zu verbinden, vor allem auch Kinder. Kinder sind sehr feinfühlig. Nicht nur, wenn ihre Eltern spirituell sind, sondern auch, weil die Zeitqualität das ein Stück weit von uns fordert, dieses spirituelle Erwachen. Gleichzeitig geht es auch darum, Spiritualität zu entknüpfen von Uriella, Mike Shiva, Birkenstock, völlig abgehoben sein und nackt unter dem Vollmond tanzen.


Stephi: Ja, weil einem genau das sofort in den Sinn kommt, oder?

Sefora: Genau. Darum sagen auch sehr viele Menschen, und das auch berechtigt, dass sie nicht spirituell seien und mit dieser Spiritualität nichts am Hut hätten. Was viele Menschen aber eigentlich wieder möchten, ist der Zugang zu dieser Sensitivität, zu diesem sechsten Sinn, wenn man so will, zu diesem Bauchgefühl, das wir alle haben. Für mich hat das sehr stark mit Spiritualität zu tun. Im Gegensatz zu diesem anderen Bild von Mike Shiva und dem Blick in die Glaskugel. Das ist ein bisschen ein eindrücklicher Partytrick, hat für mich aber viel weniger mit Spiritualität zu tun. Auch die Art, wie ich versuche, Spiritualität den Menschen näherzubringen, ist sehr bodenständig und alltagstauglich, wenn man so will. Spiritualität muss etwas sein, das trägt. Wenn du mit deiner Familie in die Ferien gehst und am Rand des Wahnsinns bist, weil dich alle verrückt machen, oder wenn die Schwiegereltern zu Besuch sind, bei der Arbeit oder in irgendeiner Alltagssituation. Für mich geht es darum, eine Brücke zu schlagen zwischen dieser feinstofflichen Welt, die ich verstehe, und dieser 3D-Welt, in der wir leben. Und darum, das den Menschen näherzubringen.


Stephi: Ja. Wenn ich den Begriff Medium höre, würde ich also nicht automatisch sagen für mich ist das jemand, der mein verstorbenes Kind vielleicht sieht. Oder spürt. Ist das so? Würdest du von dir sagen, dass du diesen Zugang hast? Ja. Dann habe ich das richtig verstanden. Gut. Wenn sich nun jemand darauf einlassen möchte und gerne mit dir in Kontakt kommen würde, also Kontakt aufnehmen möchte, kann man das machen? Wo kann man das machen?

Sefora: Am einfachsten über Instagram. Ja, genau. Ich bin immer sehr dafür, den Menschen auch Werkzeuge in die Hand zu geben. Ich frage zum Beispiel, welches Zeichen sie mit ihrem Kind haben. Oder ob es etwas gibt, das sie immer wieder spüren. Elektrizität ist zum Beispiel so ein Phänomen. Plötzlich flackert ein Licht, das eigentlich nicht flackern müsste, Türen fallen zu, Kerzen gehen aus. Solche Dinge, solche Empfindungen. Das sind Zeichen aus der anderen Welt. Oder wenn man plötzlich eine Hand auf der Schulter spürt, obwohl es keinen Durchzug gibt, nichts. Solche Dinge. Ja.


Stephi: Ja, ich bin ein bisschen so gross geworden. Meine Mutter geht auch in diese Richtung, würde ich sagen. Wir haben früher in einem sehr alten Haus gewohnt, und sie sagte immer, dass dort noch Seelen seien, die dort gelebt hätten, und dass sie sie spüre. Manchmal hat der Vorhang geflackert, und dann hat sie das auch so eingeordnet. Darum bin ich dem nicht völlig fern, aber es ist nicht die Welt, in der ich mich bewege. Ich merke aber, dass es für sehr viele betroffene Eltern enorm wichtig ist, wenn das Kind gegangen ist, gerade wenn es plötzlich gegangen ist, noch einmal in Kontakt kommen zu können. Und zu hören, wie es meinem Kind jetzt geht. Ich finde, das ist schon wichtig, oder?

Sefora: Ja, sehr. Das begegnet mir auch häufig in der Praxis. Da geht es wirklich oft um diese Themen, vor allem im Zusammenhang mit Verstorbenen. Wo sind sie, geht es ihnen gut? Meistens geht es ihnen besser als uns, weil sie diesen Schmerz nicht haben. Sie gehen, wenn man so sagt, ins Licht. Sie sind mit allem verbunden. Wir hingegen vergessen manchmal diese Verbundenheit, und das führt zu dem Schmerz, den wir spüren. Es führt auch dazu, dass wir die Verbundenheit nicht mehr spüren. Dadurch entsteht der Schmerz darüber, dass du physisch nicht mehr da bist. In der feinstofflichen Welt ist die Verbundenheit aber noch da. Darum spüren die Seelen diesen Schmerz nicht, den wir spüren. Ja.


Stephi: Ja, das ist sehr spannend und sehr komplex. Wer gerne mit dir in Kontakt treten möchte, findet deinen Instagram-Account in den Shownotes. Was würdest du Eltern, die gerade erst ein Kind verloren haben, oder Eltern, deren Verlust schon länger zurückliegt, gerne noch mit auf den Weg geben? Gibt es etwas, von dem du sagst, dass es dir sehr geholfen hat? Gedanken vielleicht, oder auch Gesten von anderen Menschen, die dir sehr geholfen haben?

Sefora: Für mich ist die ganze Thematik rund um den Austausch mit anderen Betroffenen sehr wichtig. Ich habe gemerkt, dass mir dieser Austausch am Anfang sehr gutgetan hat. Später kam aber auch der Moment, in dem ich gemerkt habe, dass ich nicht mehr so intensiv trauern möchte oder anders trauern möchte. Da wurde mir klar, dass ich wieder etwas Abstand brauche. Trauer verläuft nicht linear. Auch wenn es schon Jahre zurückliegt, kann es Tage geben, an denen man das Gefühl hat, der Schmerz gehe nie weg, es werde nie besser, alles sei scheisse, und man stecke wieder tief in einem Loch. Auch dem darf man Raum geben. Wenn die Gefühle hochkommen, darf man ihnen Raum geben, auch wenn man das Gefühl hat, es überwältige einen fast. Es geht vorbei. In diesem Moment geht es wirklich vorbei. Nicht langfristig, denn in diesem Sinn geht es nie ganz vorbei. Aber der Moment geht vorbei. Ich nenne es immer das Loch. Ich bin dann wirklich in einem schwarzen Loch, und ich bin auch dort drin, weil ich weiss, dass ich wieder herauskomme. Und man darf sich Unterstützung holen, die einem guttut. Das kann eine körperliche Therapie sein, was für viele sehr heilsam sein kann. Es kann Gesprächstherapie sein, oder man möchte auf einer spirituellen Ebene etwas machen. Wichtig ist, dass man nicht nach einem gesellschaftlichen Skript lebt, nach dem man für immer Schwarz tragen und ein langes Gesicht machen muss. Sondern dass man wirklich schaut, was einem guttut. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Man lernt sich selbst noch einmal auf einer anderen Ebene kennen, wie man es unter normalen Umständen wohl nicht tun würde.


Stephi: Danke dir vielmals. Das waren sehr schöne Worte zum Abschluss. Ich habe das Gespräch mit dir bereichernd gefunden. Es war einmal ganz anders, auch mit der spirituellen Ebene. Ich finde das sehr spannend und möchte dir von Herzen danken.

Sefora: Sehr schön. Danke dir vielmals, dass du da warst und dass ich den Darshan und unsere Geschichte erzählen durfte.

Weitere Stimmen

Weitere Menschen, die Darshan nahestanden, teilen ihre Erinnerungen:

260626 Darshan Lila 01

Civan erzählt

Die Geschichte von Darshan

Civan erzählt als verwaister Vater von Darshans schwieriger Geburt, intensiven Tagen im Spital und seinem Ringen darum, als Papi in der Krise handlungsfähig zu bleiben.

Betroffene ElternNeurologische / neuromuskuläre ErkrankungAls Podcast verfügbarca. 38 min Lesezeit

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